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Nach «Stein-Affäre»Kritik an Varones Türkei-Absenz

Christian Varone wird der Verkündung seines Urteils in der Türkei fernbleiben. Das sei sehr heikel, denn der Walliser Polizeichef sei mündlich vorgeladen worden, sagt ein Anwalt.

von
Janko Skorup
Christian Varone wird sich nicht vor dem türkischen Gericht verantworten.

Christian Varone wird sich nicht vor dem türkischen Gericht verantworten.

Am 25. September findet die erste gerichtliche Anhörung in der «Stein-Affäre» statt. Doch Varone wird an der Verhandlung entgegen ersten Ankündigungen nicht anwesend sein. Er habe keine offizielle Einladung bekommen, liess sein Anwalt Philippe Loretan gestern verlauten. Dem Walliser Polizeichef wird von der Türkischen Justiz vorgeworfen, er habe Ende Juli versucht Kulturgüter zu stehlen, nämlich einen Stein aus einer archäologischen Stätte.

Die Frage, ob Varone der Anhörung aus Angst, in der Türkei wieder im Gefängnis zu landen, fernbleibe, verneint Loretan: «Es ist rechtlich einfach nicht nötig, dass er vor Ort ist.»

Harsche Kritik an Varone

Interview mit Christian Varone

«Das ist einfach absurd», meint der Rechtsanwalt Yetkin Geçer aus Luzern. Er zitiert aus dem Verfahrensprotokoll, das auch 20 Minuten vorliegt. Demnach soll «die Angelegenheit am 25. September um neun Uhr beurteilt» werden. Geçer interpretiert das als mündliche Vorladung des Gerichts.

Er ist sich sicher: «Sollte Varone dem Gericht unentschuldigt fernbleiben, riskiert er nach türkischem Recht eine Verurteilung in Abwesenheit.» Dies bezweifelt Varones Anwalt Loretan: «Geçer sollte keinen Fall beurteilen, wenn er keine Kenntnis sämtlicher Akten hat.»

Türken vermuten Intrige

Die Türkische Tageszeitung Hürriyet sieht derweil hinter dem Fernbleiben des Walliser Polizeichefs eine politische Intrige: Sie mutmasst, dass Aussenminister Didier Burkhalter seinen FDP-Parteikollegen bewusst vor der Türkischen Justiz in Schutz nimmt.

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