Rorschach: Kritik an Werbung im Friedhof
Aktualisiert

RorschachKritik an Werbung im Friedhof

Ein Bildhauer wirbt mit 200 Steinherzen auf Gräbern. Die Stadt Rorschach ist empört über die «respektlose Aktion».

von
Urs-Peter Zwingli
Solche Steinherzen legte Thomas Rohner über Ostern auf Gräber im Friedhof Rorschacherberg.

Solche Steinherzen legte Thomas Rohner über Ostern auf Gräber im Friedhof Rorschacherberg.

Über das Osterwochenende verteilte der Rorschacher Bildhauer Thomas Rohner rund 200 Granitherzen auf Gräbern in der Region. Auf deren Vorderseite war «Frohe Ostern» eingraviert – auf der Rückseite klebte die Adresse der Bodensee-Bildhauerei, deren Geschäftsführer Rohner ist. Die Herzen seien ein Dankeschön an bestehende Kunden, «aber natürlich geht es auch um Werbung», sagt er. Doch als Rohner später bei Kunden nachfragte, merkte er: Die Stadt Rorschach hatte die 25 Werbeherzen auf ihrem Gemeindefriedhof sofort eingesammelt. «Die Aktion ist respektlos gegenüber den Verstorbenen und auch eine Belästigung der Angehörigen», sagt der Rorschacher Stadtpräsident Thomas Müller dazu. Er wird die Friedhofswerbung kommende Woche in der Sitzung des Stadtrats thematisieren.

Nur Rorschach hat sich gewehrt

Auch Andrea Bianchi, der die Ombudsstelle des Verbandes Schweizer Bildhauer und Steinmetzmeister (VSBS) betreut, übt Kritik an der Aktion: «Das ist ethisch nicht vertretbar und grenzt an Grabschändung.» Rohner sei nicht Mitglied im VSBS, aber andernfalls «würde sein Ausschluss geprüft».

Rohner wehrt sich: Er habe von den «Beschenkten» nur positive Rückmeldungen erhalten. Ausserdem habe Rorschach als einzige betroffene Gemeinde eingegriffen. Die 25 übrig gebliebenen Herzen will Rohner nun für ähnliche Aktionen im nächsten Jahr aufbewahren.

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