Nerven liegen blank: Kritik kostet ZKB-Mitarbeiter den Job
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Nerven liegen blankKritik kostet ZKB-Mitarbeiter den Job

Bei der Zürcher Kantonalbank wurde kürzlich zwei Angestellten gekündigt, weil sie sich im Internet kritisch zu ihrer Arbeitgeberin geäussert hatten.

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sza/lh
«No comment» bei der Zürcher Kantonalbank zur Entlassung von zwei Mitarbeitern.

«No comment» bei der Zürcher Kantonalbank zur Entlassung von zwei Mitarbeitern.

ZKB-Chef Martin Scholl steht vor schweren Zeiten. Im US-Steuerstreit steht ein Schuldeingeständnis mit Busse vor der Tür. Intern sinkt die Zufriedenheit der Mitarbeiter, wie eine soeben bekanntgemachte Umfrage beim Personal aufzeigt. Und zusammen mit dem Bankrat – das ist das oberste Kontrollgremium der grössten Kantonalbank der Schweiz – steht das Management unter politischem Druck. Die ZKB-Spitze fordert vom Kanton zwei Milliarden frisches Kapital, und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der Politiker nicht gut auf Banker zu sprechen sind.

Mitten in der anspruchsvollen Phase entpuppt sich ZKB-Kapitän Scholl als dünnhäutig. Auf Kritik, die aus dem Maschinenraum an die Öffentlichkeit dringt, reagiert der Bankenchef unwirsch. Laut Inside Paradeplatz* bekamen dies zwei ZKB-Mitarbeiter zu spüren, die auf dem Finanzportal ihrem Unmut freien Lauf liessen. Statt darüber hinwegzusehen oder mit einer Kommunikationsoffensive die Unzufriedenen von sich und der ZKB zu überzeugen, griff Scholl offenbar zu disziplinarischen Massnahmen.

«Nervosität, Unsicherheit, Stillosigkeit»

Kürzlich setzte Scholl durch, dass den betroffenen Angestellten gekündigt wurde. Ein ZKB-Sprecher wollte den Vorfall am Montagmorgen gegenüber 20 Minuten weder bestätigen noch dementieren. Man äussere sich nicht dazu, war alles, was die Bank verlauten liess. Laut dem Inside-Internetportal sind die beiden Kündigungen von zwei Quellen bestätigt worden.

Für Kommunikationsexperte Klaus Stöhlker ist das Verhalten der obersten ZKB-Führung kein gutes Zeichen. «Das lässt auf dreierlei schliessen» sagt Stöhlker im Gespräch. «Nervosität, Unsicherheit, Stillosigkeit». Die Führungscrew der ZKB unter CEO Martin Scholl sei offenbar viel stärker unter Druck, als von aussen wahrgenommen würde, meint Stöhlker. Dass Scholl nun derart um sich schlagen würde, deute auf einen Mangel an persönlicher Grösse und Stil. Das sei in den Schweizer Chefetagen weit verbreitet.

Fehlende Souveränität

«Wir sehen heute die Folgen eines Trends, der Fachmanager nach ganz oben gebracht hat», sagt Stöhlker. Die heutige Situation reiche auf eine Philosophie zurück, die einst vom Zürcher Star-Headhunter Egon Zehnder begründet worden sei. «Zehnder predigte früh, dass das Land Führungskräfte brauche, die von immer weniger immer mehr verstehen würden». Das sei genau das Gegenteil dessen, was er – Stöhlker – als wichtigste Voraussetzung für einen wahren Wirtschaftskapitän betrachte: Souveränität.

Der Berater nennt als Beispiel den Ex-Chef des Nahrungsmittelmultis Nestlé, Helmut Maucher. Der deutsche Topmanager habe trotz seinem damaligen CEO-Job mit all den Einzelentscheiden im Tagesrhythmus nie das Ganze aus dem Blick verloren, begründet Stöhlker.

Schlechte Werbung

Klar ist: Die Geschichte um die zwei entlassenen Mitarbeitern wird wohl rechtlich keine Konsequenzen haben. Die Gefahr, dass die ZKB von den betroffenen Mitarbeitern vor ein Arbeitsgericht gezerrt werden könnte, ist vermutlich klein. Bei der Kantonalbank existiert im Arbeitsvertrag ein Passus, wonach die Bank bei vermeintlicher Illoyalität Privatmails und anderen Spuren nachgehen darf.

Hingegen läuft die ZKB-Spitze Gefahr, dass ihre Reaktion mit den disziplinarischen Massnahmen für Aufsehen sorgt. Was ist in diese Bank gefahren?, könnte eine typische Reaktion von Kunden und anderen Interessierten sein. Das wäre die denkbar schlechteste Werbung für eine Bank, die eigentlich Rückenwind gebrauchen könnte.

*Verantwortlich für die Inhalte von Inside Paradeplatz ist Lukas Hässig, der überdies auch als Autor für 20 Minuten amtet.

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