US-Wahlkampf: Kritik und Lob für Obamas Berlin-Rede
Aktualisiert

US-WahlkampfKritik und Lob für Obamas Berlin-Rede

Die Berlin-Rede des US- Präsidentschaftskandidaten Barack Obama ist bei seinem republikanischen Konkurrenten John McCain auf Kritik gestossen. In Deutschland wird viel Lob gespendet.

Während sich Obama vorzeitig in Berlin feiern lasse und als «Weltbürger» darstelle, kümmere sich McCain lieber «zuerst um die Amerikaner», hiess es gestern in einer Erklärung des Wahlkampfteams des Senators aus Arizona. Er ziehe Wahlkampfauftritte «im Herzen der USA» vor und spreche lieber «über Dinge, die die Amerikaner bewegen».

Dem Fernsehsender NBC sagte McCain zudem, er wolle erst dann im Ausland eine grosse Rede halten, wenn er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt sei.

Grosses Lob aus Deutschland

Die Rede des US-Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama vor 200 000 Zuschauern in Berlin hat ein überaus positives Echo gefunden. Aussenpolitiker der Grossen Koalition zeigten sich beeindruckt. Der demokratische Senator aus Illinois hatte am Freitag keine offiziellen Termine mehr in der deutschen Hauptstadt. Am frühen Nachmittag will der 46-Jährige nach Paris fliegen, dort den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy treffen und anschliessend abends weiter nach London reisen.

Der aussenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden, sagte «Spiegel Online» zu Obamas Rede: «Sie war im besten Sinne amerikanisch, und bis auf die persönlichen Nuancen hätte sie so oder ähnlich auch von John McCain gehalten werden können.» Im Südwestrundfunk fügte er hinzu, er habe sich «auch bestätigt gesehen, dass es eben in erster Linie eine Wahlkampfrede war, die zwar zu uns Deutschen gesprochen wird, aber an die Amerikaner gerichtet ist».

Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz, erklärte im Deutschlandradio Kultur, so wie Kennedy 1963 den Berlinern die Ängste vor dem Kalten Krieg genommen habe, habe Obama die Menschen von ihren Zweifeln an Amerika befreit. Obama habe ein Konzept für die Zukunft. «Er ist einer der ersten, die über den Augenblick hinausgeguckt haben, und er wird uns zwingen, ebenfalls in die Zukunft zu sehen», sagte der SPD-Politiker.

Obama-Kundgebung verlief weitgehend störungsfrei

In seiner mit Spannung erwarteten, rund halbstündigen Rede hatte Obama eine Wende im Verhältnis zu Europa gefordert. In der von mehr als 200 000 Menschen verfolgten Rede vor der Siegessäule sprach sich der demokratische Senator für eine Rückkehr zur Zusammenarbeit bei Teilung der Lasten aus. «Amerika hat keinen besseren Partner als Europa», rief er aus.

Nach Angaben der Berliner Polizei, die 1000 Beamte im Einsatz hatte, verlief der Obama-Besuch weitgehend störungsfrei. Nur vereinzelt hätten Personen die Kundgebung stören wollen. Zwei Männer seien festgenommen worden. «Ansonsten mussten nur einige Alkoholisierte, die mit Bier spritzten, zur Räson gebracht werden», heisst es im Polizeibericht.

Besuch bei US-Soldaten abgesagt

Nach seiner Rede hatte Obama am Abend noch einmal überraschend sein Hotel - das «Adlon» am Brandenburger Tor - verlassen und im Nobel-Restaurant «Borchardt» zu Abend gegessen. In dem preisgekrönten Restaurant im Stadtteil Mitte, das oft von Prominenten besucht wird, blieb der 46-jährige Senator gut eine Stunde.

Einen für heute vorgesehenen Besuch des Lazaretts der amerikanischen Truppen im rheinland-pfälzischen Landstuhl sagte Obama ab. Zur Begründung erklärte ein Sprecher, der Senator halte es für unangemessen, auf einer aus Wahlkampfmitteln finanzierten Reise Soldaten auf einer US-Militäreinrichtung zu besuchen.

(Quelle: sda/AP)

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