Aktualisiert 01.09.2015 11:22

Stadt ZürichKritik, weil die Verwaltung wächst und wächst

Von 2005 bis 2014 wuchs die Bevölkerung der Stadt Zürich um 10 Prozent – die Zahl der Verwaltungsangestellten jedoch um 21 Prozent.

von
som
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Das Airgate-Center in Zürich-Seebach hat eine Nutzfläche von 22'000 Quadratmetern. Nun werden städtische Angestellte dort arbeiten.

Das Airgate-Center in Zürich-Seebach hat eine Nutzfläche von 22'000 Quadratmetern. Nun werden städtische Angestellte dort arbeiten.

Stadt Zürich
Es gehört einer Privatperson im Ausland.

Es gehört einer Privatperson im Ausland.

Stadt Zürich
Der Kauf des Bürogebäudes in Zürich-Seebach ersetzt den Bau des ursprünglich an der Aargauerstrasse in Zürich-Altstetten geplanten Verwaltungszentrums.

Der Kauf des Bürogebäudes in Zürich-Seebach ersetzt den Bau des ursprünglich an der Aargauerstrasse in Zürich-Altstetten geplanten Verwaltungszentrums.

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Bürgerliche bemängeln ihn als zu aufgebläht, Linke bezeichnen hingegen als notwendig – den Stadtzürcher Verwaltungsapparat. Fakt ist: Die Zahl der städtischen Angestellten hat zwischen 2005 und 2014 um fast 21 Prozent zugenommen – umgerechnet auf Vollzeitstellen sind das fast 15 Prozent, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Dass die Bevölkerung in dieser Zeit aber nur um zehn Prozent gewachsen ist, kritisiert SVP-Fraktionschef Mauro Tuena scharf. Er findet, dass die Verwaltung unbedingt schlanker werden muss. SP-Fraktionschefin Min Li Marti hält das Wachstum im öffentlichen Sektor hingegen für gut begründet. Vor allem der Gesundheits- und der Schulsektor seien gewachsen, was mit Volksabstimmungen wie die zum Ausbau der Kinderbetreuung, mit gesetzlichen Vorgaben oder dem demografischen Wandel zusammenhänge.

Verwaltung kennt keinen Konkurrenzdruck

Auch Wirtschaftsprofessor David Dorn findet, dass der wachsende öffentliche Sektor einem langfristigen Trend entspreche. Die Höhe der Bevölkerungszahl korreliere dabei nur ungefähr mit der Zahl der städtischen Angestellten. Die anhaltend starke Immigration erfordere etwa einen vorübergehend erhöhten Aufwand in der Infrastruktur­planung, der bei einer Nivellierung der Bevölkerung wieder reduziert würde.

Zudem nimmt die Verwaltung laut Dorn im Gegensatz zu Unternehmen eine Monopolstellung ein. Einen Konkurrenzdruck gebe es praktisch nicht. Deshalb sei auch der Druck bei den Personalkosten nicht so gross. Die gestiegene Produktivität durch neue Technologien helfe ein wenig, das Personalwachstum zu dämpfen, sei aber nicht von so grosser Bedeutung wie in der Industrie.

Littering und Vandalenakte braucht mehr Personal

Der Stadtrat begründet das Personalwachstum mit einer regen Bautätigkeit und zahlreichen Gesetzesänderungen, wie er in einer Antwort auf eine SVP-Motion schreibt. Zudem führten das Bevölkerungswachstum sowie die demografische Entwicklung zu einer immer grösseren Nachfrage nach Plätzen in den Spitälern oder Pflegeheimen. Ferner sieht der Stadtrat gesellschaftliche Entwicklungen wie die 24-Stunden-Gesellschaft, das Littering und Vandalenakte als Treiber im Personalwesen.

Stadt kauft neue Büros

Weil die wachsende Verwaltung mehr Raum braucht, kauft die Stadt dieses Jahr bereits zwei grosse Bürogebäude. Das letzte erwarb er vor wenigen Tagen für 128 Millionen Franken an der Thurgauerstrasse. Bis 2030 prognostiziert Stadtrat André Odermatt (SP) einen zusätzlichen Flächenbedarf von 57'500 Quadratmetern. Davon sind 32'300 Quadratmeter effektiver Mehrbedarf durch Wachstum, der Rest sind flächenneutrale Ablösungen: Teure Fremdmieten werden aufgegeben. Zudem hat der Stadtrat den Flächenbedarf in den städtischen Verwaltungsgebäuden bereits gesenkt. Noch 2001 betrug der Bürobedarf pro Arbeitsplatz 14.7 Quadratmeter. Heute sind es nur noch 12,1 Quadratmeter.

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