«Völlige Fehlkommunikation» – Kritiker bashen BAG wegen zertifikatsfreier Konzerte in Impfwoche
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«Völlige Fehlkommunikation»Kritiker bashen BAG wegen zertifikatsfreier Konzerte in Impfwoche

Im Rahmen der nationalen Impfwoche organisiert das BAG Gratis-Konzerte – ohne Zertifikat. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, das sende ein falsches Signal aus.

von
Daniel Graf
Noah Knüsel
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Wegen zertifikatsfreier Konzerte während der Impfwoche steht das BAG in der Kritik. 

Wegen zertifikatsfreier Konzerte während der Impfwoche steht das BAG in der Kritik.

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Mit der Beschränkung auf 500 Personen solle «anschaulich kommuniziert werden, wie stark das Coronavirus unser gesellschaftliches Leben nach wie vor einschränkt», heisst es auf der BAG-Website.

Mit der Beschränkung auf 500 Personen solle «anschaulich kommuniziert werden, wie stark das Coronavirus unser gesellschaftliches Leben nach wie vor einschränkt», heisst es auf der BAG-Website.

20min/Simon Glauser
Das sorgt für Kritik und Häme auf Social Media: Viele befürchten Superspreader-Events und kritisieren die fehlende Masken- und Zertifikatspflicht: «Das ist jetzt ein Witz, oder?», schreibt etwa eine Twitter-Userin.

Das sorgt für Kritik und Häme auf Social Media: Viele befürchten Superspreader-Events und kritisieren die fehlende Masken- und Zertifikatspflicht: «Das ist jetzt ein Witz, oder?», schreibt etwa eine Twitter-Userin.

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Darum gehts

  • Während der Impfwoche organisiert das BAG Gratiskonzerte ohne Zertifikatspflicht.

  • Diese stehen in der Kritik: «Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht», sagt etwa Ex-BAG-Vize Andreas Faller.

  • Das BAG kontert, die Konzerte fänden innerhalb der geltenden Bestimmungen statt: «Diese verfolgen genau den Zweck, einen sicheren Rahmen zu bieten.»

  • PR-Experte Ferris Bühler findet das Konzept zwar innovativ, aber nicht zu Ende gedacht.

Am Montag beginnt die nationale Impfwoche (siehe Box). Dabei organisiert das BAG auch Gratis-Konzerte, an denen sich Personen über die Impfung informieren können – eine Zertifikatspflicht gilt dabei aber nicht. Auf seiner Website weist das BAG zudem darauf hin, dass die Abstandsregeln nicht überall garantiert werden könnten.

Man solle bei Krankheitssymptomen zuhause bleiben, schreibt das BAG weiter. Und: Mit der Beschränkung auf 500 Personen solle «anschaulich kommuniziert werden, wie stark das Coronavirus unser gesellschaftliches Leben nach wie vor einschränkt.»

«Völlige Fehlkommunikation»

Das sorgt für Kritik und Häme auf Social Media: Viele befürchten «Superspreading-Events» und kritisieren die fehlende Masken- und Zertifikatspflicht: «Das ist jetzt ein Witz, oder?», schreibt etwa eine Twitter-Userin. Auch der ehemalige BAG-Vizedirektor Andreas Faller sagt, gut gemeint sei nicht automatisch gut gemacht: «Das ist eine totale Fehlkommunikation.»

Das Argument, dass die Obergrenze von 500 Besucherinnen und Besuchern die immer noch grossen Einschränkungen zeige, dürfte laut Faller nicht durchdringen: «Die meisten wissen wohl nicht mal, welche Regeln aktuell für Veranstaltungen gelten.»

Die Kommunikation des BAG sei voller Widersprüche, so Faller. Eigentlich sei ja die Botschaft, man solle sich für einen sicheren Zugang zu Grossveranstaltungen impfen lassen: «Dass man dann auch Ungeimpfte ohne Zertifikat zulässt, macht in diesem Zusammenhang keinen Sinn.»

BAG: Geringes Risiko

Beim BAG verteidigt man sich: «Es war und ist allen Beteiligten bewusst, dass die Konzert- und Informationstour auf Kritik stossen könnte», sagt Projektleiter Michael Beer. Die Konzerte fänden gemäss der aktuellen BAG-Regeln draussen und ohne Zertifikatspflicht statt.

Das Risiko eines Superspreading-Events schätzt Beer als gering ein. Deshalb fänden die Konzert ja innerhalb der geltenden Regeln statt: «Die Bestimmungen verfolgen genau den Zweck, einen sicheren Rahmen zu bieten.»

Die Impfung sei der schnellste und sicherste Weg, um gemeinsam aus der Pandemie zu kommen, so Beer: «Die Konzertreihe soll diese Botschaft in der ganzen Schweiz vermitteln.» Sie solle die Leute motivieren, ihren Beitrag zu leisten.

Das passiert an der nationalen Impfwoche

Bund und Kantone lancieren vom 8. bis zum 14. November eine nationale Impfwoche. Dabei wird es etwa vermehrt mobile Impfstationen und individuelle Beratungsangebote für junge Menschen geben. Zudem findet die erwähnte «Back on Tour»-Konzertreihe statt. Diese sei eine zentrale Massnahme der Impfwoche, wie es beim BAG heisst: «Sie multipliziert deren Botschaft.»

«Innovative Methode»

Kommunikations- und PR-Experte Ferris Bühler sieht die Konzertreihe als grundsätzlich innovative Marketing-Methode des Bundes: «Man will emotionale Erlebnisse schaffen und so vor allem junge Leute abholen.»

Das Konzept sei aber nicht zu Ende gedacht. Man wolle viele verschiedene Botschaften gleichzeitig transportieren, so Bühler: «So etwa, dass es wichtig sei, sich zu impfen.» Gleichzeitig könne man auch ohne Zertifikat an ein Konzert: «Die Kommunikation ist nicht stringent», sagt Bühler. Er bezweifle darum, dass die Impf-Konzerte ein Erfolg werden.

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