Grenchen SO: Kritiker warnen vor «manipulativer» Veranstaltung von Scientology-Ableger

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Grenchen SOKritiker warnen vor «manipulativer» Veranstaltung von Scientology-Ableger

Ron’s Org, der Schweizer Ableger der Scientology Church, veranstaltet eine Kurswoche in Grenchen. Eine Scientology-kritische Organisation warnt vor dem Event.

von
Simone Quaderer
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An der Mazzinistrasse in Grenchen findet nächste Woche ein Kurs von Ron’s Org statt. 

An der Mazzinistrasse in Grenchen findet nächste Woche ein Kurs von Ron’s Org statt. 

Google Street View
Es handelt sich dabei um den Schweizer Ableger von Scientology. 

Es handelt sich dabei um den Schweizer Ableger von Scientology. 

Wikipedia / PictorialEvidence / CC BY-SA 3.0

Darum gehts

  • Der Scientology-Ableger Ron’s Org führt in Grenchen eine Kurswoche durch. 

  • Diese richtet sich mitunter an Kinder und Jugendliche. 

  • Das ruft Kritiker auf den Plan. 

Die «Ron’s Org» betreibt an der Mazzinistrasse in Grenchen den Schweizer Ableger von Scientology. Dort veranstaltet die Organisation vom 30. Juli bis am 6. August eine Kurswoche mit dem Namen «Next-Gen-Woche 2022», wie die «Solothurner Zeitung» berichtet. Diese richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 30 Jahren. 

Das lässt bei den «Freien Anti-SC Aktivisten» die Alarmglocken läuten. In einer E-Mail an die «Solothurner Zeitung» warnten sie vor dem «fragwürdigen» Grossevent in Grenchen und vor der «gefährlichen Sekte Scientology». Laut eigenen Angaben handelt es sich bei der Gruppe um eine «Anlaufstelle für Aussteiger und für Familienangehörige, die jemanden an die Scientologen verloren haben». 

«Auf hinterlistige Weise manipuliert»

Auch wenn die Ausschreibung anders laute, gehen die Freien Anti-SC Aktivisten davon aus, dass die Kurswoche von Ron’s Org ausschliesslich für Kinder und Jugendliche gedacht sei. «Es ist einfach nur unglaublich, wie dreist die Ron's Org auf die jüngere ‹Zielgruppe› losgeht – wo bleibt eigentlich der Kinder- und Jugendschutz in der Schweiz?», kritisiert die Gruppe. Die Kinder würden so «auf eine hinterlistige und perfide Weise manipuliert und auf die geldgeile Machtorganisation Scientology vorbereitet», so die Freien Anti-SC Aktivisten.

Laut Georg Schmid von der Infostelle Relinfo sind die Kurse von Ron’s Org zwar günstiger als jene von Scientology selbst. Aber: «Das Weltbild und die Inhalte der Kurse sind von aussen besehen im Wesentlichen dieselben wie bei Scientology», sagte Schmid der «Solothurner Zeitung». Problematisch seien die Elitegefühle und Allmachtsfantasien, die mit diesem Weltbild verbunden sein könnten. Auch das Auditieren von Kindern – eine Scientology-Methode, die etwa den Intelligenzquotienten oder die Kommunikationsfähigkeit steigern soll – kritisiert der Experte stark, da die  «mangelnde Unterscheidung zwischen den Bedürfnissen von Erwachsenen und denjenigen von Kindern höchst problematisch» sei.  

Der Kurs in Grenchen richtet sich offenbar an junge Menschen, die bereits mit Scientology vertraut sind. So steht in der Ausschreibung, dass «Studiermaterialien» wie Demo-Kits oder Scientology-Bücher selbst mitzubringen seien.  

Was ist Scientology?

Scientology wurde in den 1950er-Jahren vom Schriftsteller L. Ron Hubbard gegründet und versteht sich als angewandte religiöse Philosophie. Es ernennt sich selbst als religiöse Organisation («Church of Scientology»). Da Lehre und Praxis der Scientology aber weitgehend auf populär-psychologischen Ideen basieren, wird ihr dieser Rang nicht überall zuerkannt. 

Hubbard geht davon aus, dass der Mensch durch sogenannte «Engramme» belastet ist, durch Erinnerungsbilder, die im Zustand von Schmerz und Bewusstlosigkeit entstanden sind. Diese können laut dem Gründer im sogenannten «Auditing» durch wiederholtes Erzählen gelöscht werden. Wie die «Solothurner Zeitung» berichtet, kosten solche Auditings zwischen 135 und 20’000 Franken. Wer keine Engramme mehr hat, ist «Clear», geklärt. Die von Hubbard später hinzugefügten, über den Stand «Clear» hinausgehenden OT-Stufen (von «Operating Thetan») versprechen ihrem Absolventen übermenschliche Fähigkeiten. 

Scientology ist umstritten, einerseits wegen ihrer elitären Ausrichtung. Hierbei können «Nicht-Scientologen» als «raw meat» (rohes Fleisch) bezeichnet und Scientology als die höchste Religion der Menschheit dargestellt werden. Zudem gelten laut der Sekte die «Auditoren» als fähig, die Welt zu retten. Andererseits verursacht das Scientology-Kurswesen hohe Kosten für die Mitglieder. Schätzungen von Aussenstehenden zufolge gibt es in der Schweiz rund 1000 aktive Mitglieder. 

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