Nachbefragung «Sicherheit 2022»: «Kritisch und pessimistisch» – so blicken Schweizer in die Zukunft

Publiziert

Nachbefragung «Sicherheit 2022»«Kritisch und pessimistisch» – so blicken Schweizer in die Zukunft

Die Nachbefragung «Sicherheit 2022» zeigt eine kritischere Betrachtung der Neutralität, grösseren Pessimismus und stärkere Befürwortung der Armee.

von
Monira Djurdjevic
1 / 3
Die Nachbefragung «Sicherheit 2022» zeigt: Schweizerinnen und Schweizer blicken pessimistischer in die Zukunft als noch im Januar 2022.

Die Nachbefragung «Sicherheit 2022» zeigt: Schweizerinnen und Schweizer blicken pessimistischer in die Zukunft als noch im Januar 2022.

Getty Images/iStockphoto
Eine Mehrheit von 58 Prozent geht davon aus, dass es in Zukunft zu mehr kriegerischen Konflikten in Europa kommen wird.

Eine Mehrheit von 58 Prozent geht davon aus, dass es in Zukunft zu mehr kriegerischen Konflikten in Europa kommen wird.

REUTERS
Jede dritte Person berichtet, aufgrund des Krieges in der Ukraine ängstlicher geworden zu sein.

Jede dritte Person berichtet, aufgrund des Krieges in der Ukraine ängstlicher geworden zu sein.

REUTERS

Darum gehts

  • Mit dem Krieg in der Ukraine blicken Schweizerinnen und Schweizer pessimistischer in die Zukunft.

  • Der Krieg führt zu einer kritischeren Sicht auf die Schweizer Neutralität. Gleichzeitig werden sicherheitspolitische Kooperationen mit der NATO oder der EU beliebter.

  • Zudem wollen Schweizerinnen und Schweizer die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz stärken. Deshalb werden eine gute Ausbildung und Ausrüstung der Armee gefordert.

  • Dies zeigen die Ergebnisse der Nachbefragung der Studie «Sicherheit 2022».

Schweizerinnen und Schweizer blicken pessimistischer in die Zukunft als noch im Januar 2022. Dies betrifft einerseits die nahe Zukunft der Schweiz (22 Prozent pessimistisch, +9 Prozentpunkte) als auch die Zukunft der weltpolitischen Lage (76 Prozent pessimistisch, +8 Pp). Eine Mehrheit von 58 Prozent geht davon aus, dass es in Zukunft zu mehr kriegerischen Konflikten in Europa kommen wird. Jede dritte Person berichtet, aufgrund des Krieges in der Ukraine ängstlicher geworden zu sein. Zwar steht die Schweizer Bevölkerung mit einer Befürwortung von 89 Prozent nach wie vor klar hinter dem Neutralitätsprinzip. Erstmals seit über 20 Jahren zeigt sich jedoch ein Rückgang bei der Zustimmung zur Schweizer Neutralität (-8 Pp im Vergleich zum Januar 2022).

Allgemein wird die Neutralität deutlich kritischer betrachtet als in den letzten Jahren. So sind nur noch 58 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen davon überzeugt, dass die Neutralität die Schweiz vor internationalen Konflikten schützt. Im Januar 2022 waren es noch 69 Prozent. Zunehmend als Hindernis für die Neutralität wird auch die internationale Verflechtung der Schweiz gesehen. 39 Prozent (+10 Pp) sehen deshalb Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Neutralität.

Nachbefragung «Sicherheit 2022»

Die Nachbefragung der Studie «Sicherheit 2022» wird von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich und dem Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich herausgegeben. Aufgrund des Krieges in der Ukraine wurden zwischen dem 30. Mai und dem 17. Juni 2022 1003 Stimmberechtigte repräsentativ aus der Deutschschweiz, der Westschweiz und dem Tessin durch das Meinungsforschungsinstitut LINK telefonisch befragt. Der Stichprobenfehler liegt bei einem Sicherheitsgrad von 95 Prozent im ungünstigsten Fall bei ±3,2 Prozent.

Sicherheitspolitische Kooperationen werden beliebter

Mit 52 Prozent (+7 Pp gegenüber Januar 2022) ist die Zustimmung zu einer Annäherung der Schweiz an die NATO auf einem Höchststand. Zwar ist auch der Wunsch nach einem NATO-Beitritt mit 27 Prozent Zustimmung deutlich höher als in früheren Jahren, eine klare Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer spricht sich jedoch wie anhin dagegen aus. Deutlich mehr Unterstützung als vor dem Krieg in der Ukraine findet die Haltung, dass eine Mitgliedschaft in einem europäischen Verteidigungsbündnis der Schweiz mehr Sicherheit bringen würde als die Beibehaltung der Neutralität (35 Prozent Zustimmung, +12 Pp gegenüber Januar 2022).

Die positive Haltung der Schweizerinnen und Schweizer gegenüber der Armee hat sich weiter akzentuiert. Die Zustimmung zur Notwendigkeit ist auf 80 Prozent (+5 Pp) gestiegen. Vor allem aber hat die Forderung nach einer «vollständig ausgerüsteten» Armee zugenommen und erreicht einen Höchstwert von 74 Prozent. Grosse Veränderungen aufgrund des Krieges in der Ukraine zeigen sich auch bei der Einschätzung zu den Verteidigungsausgaben.

Schweizerinnen und Schweizer, welche die Armeeausgaben als «zu wenig» hoch bewerten, machen nun 19 Prozent (+12 Pp) aus. Seit Messbeginn in den 1980er Jahren war dieser Anteil noch nie so gross. Die Meinung, dass die Schweiz «zu viel» für die Verteidigung ausgibt, wird hingegen neu von 30 Prozent vertreten. Dies entspricht einem Rückgang von 12 Prozentpunkten und ist der bis anhin tiefste je gemessene Wert.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

82 Kommentare