Aktualisiert

ReferendumKroaten stimmen gegen die Homo-Ehe

Mann und Frau, und nicht anders: Die Kroaten haben sich mehrheitlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen.

Mima Simic und ihre Freundin Marta Sisak an der Urne – wohl klar, wie sie stimmen werden.

Mima Simic und ihre Freundin Marta Sisak an der Urne – wohl klar, wie sie stimmen werden.

Das katholische Lager in Kroatien hat sich gegen die linke Regierung durchgesetzt: Die Bürger im EU-Land Kroatien haben mit grosser Mehrheit entschieden, das christliche Ehemodell in der Verfassung festzuschreiben.

Wie die Wahlkommission in Zagreb am Sonntagabend nach der Auszählung fast aller Stimmen bekanntgab, stimmten fast 66 Prozent der Wähler für eine Verfassungsänderung. Demnach kann eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau eingegangen werden kann. Knapp 34 Prozent waren dagegen.

Das Referendum war von der konservativen Bürgerinitiative «Im Namen der Familie» angestrengt worden, die dafür 700'000 Unterschriften gesammelt hatte. Die katholische Kirche, der fast 90 Prozent der 4,2 Millionen Kroaten angehören, hatte dazu aufgerufen, für die Verfassungsänderung zu stimmen.

«Trauriges und sinnloses Referendum»

Die Mitte-links-Regierung lehnte die Initiative dagegen als diskriminierend ab. Sie will eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare einführen und hat bereits einen Gesetzesentwurf angekündigt.

Das Referendum sei «traurig und sinnlos», sagte Regierungschef Zoran Milanovic nach seiner Stimmabgabe. «Ich hoffe, dies ist das letzte Referendum über Themen, die den persönlichen Bereich der Familien betreffen, in den niemand eindringen sollte.»

Tomislav Karamarko von der konservativen Oppositionspartei HDZ stimmte dagegen für die Verfassungsänderung, um «die traditionellen Werte zu schützen». Leider sei es dafür nötig, «etwas Natürliches» in der Verfassung festzuschreiben.

«Schutz der Ehe»

Die Vorsitzende von «Im Namen der Familie», Zeljka Markic, verglich den Sieg ihrer Initiative mit dem Kampf zwischen David und Goliath, und kündigte weitere Projekte an. Dieses Mal sei es um «den Schutz der Ehe» gegangen, «nächstes Mal geht es um etwas anderes von genauso grosser Wichtigkeit», rief sie am Sonntagabend ihren jubelnden Anhängern zu.

Kroatiens Homosexuelle haben in den vergangenen Jahren einige Fortschritte erzielt. Die Teilnehmer der ersten Gay Pride im Jahr 2002 waren noch von Extremisten verprügelt worden. Mittlerweile finden regelmässig Schwulen- und Lesbenparaden in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik statt.

Demo in Zagreb gegen die Abstimmung

2003 wurden homosexuellen Paaren die gleichen Rechte gewährt wie Heterosexuellen, die unverheiratet zusammenleben. Auch in den Medien wird Homosexualität nicht mehr so stark tabuisiert. Am Samstag hatten in Zagreb etwa tausend Menschen gegen die Abstimmung demonstriert.

Allerdings bekennen sich laut einer Umfrage nur 37 Prozent der kroatischen Schwulen und Lesben zu ihrer sexuellen Orientierung. 74 Prozent der Homosexuellen sind demnach Opfer von Diskriminierungen, 17 Prozent erlebten auch körperliche Angriffe. (sda)

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