Fascho-Konzert: Kroatischer Präsident verteidigt die Schweiz
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Fascho-KonzertKroatischer Präsident verteidigt die Schweiz

Der kroatische Präsident Stjepan Mesic hat das kroatische Aussenministerium kritisiert, das dem Schweizer Botschafter eine diplomatische Note wegen des Einreiseverbots für den ultranationalistischen Sänger Marko Perkovic «Thompson» übergeben hatte.

Mesic argumentierte am Montag, dass jedes Land das souveräne Recht habe, die Bedingungen zu evaluieren, welche die nationale Sicherheit bedrohten. Kroatien habe daher keinen Anspruch auf einen Protest.

Zudem stehe Kroatien mit der Note offiziell einer umstrittenen Person zur Seite, «die mit einer 'Neo-Ustascha-Idelogie' liebäugle» und darauf ihr Image aufbaue.

Es wäre gut gewesen, wenn sich Aussenminister Gordan Jandrokovic mit Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und ihm beraten hätte, sagte Mesic, «aber er hat weder das eine noch das andere getan.» Er rechne aber damit, dass Jadronkovic keine diplomatischen Noten mehr ohne vorherige Konsultationen verschicken werde.

Jandrokovic beantwortete die Präsidenten-Schelte mit dem Argument, dass das Ministerium nur die staatsbürgerlichen Rechte des Sängers und nicht seine politische Haltungen verteidigen wollte.

«Nicht gesucht oder verurteilt»

In der diplomatischen Note an den Schweizer Botschafter am vergangenen Donnerstag hatte das kroatische Aussenministerium zu Bedenken gegeben, dass Perkovic in keinem Staat gesucht werde - geschweige denn verurteilt worden sei. Zudem wurde der Schweizer Botschafter ins kroatische Aussenministerium bestellt.

Verantwortlich für das Einreiseverbot ist das Bundesamt für Polizei (fedpol). Dieses hatte am 29. September mit Verweis auf das Anti-Rassismus-Gesetz verfügt, dass Perkovic (»Thompson») nicht in die Schweiz einreisen darf.

Ein für vergangenen Samstag angesetzte Konzert in Kriens LU wurde damit abgesagt. Perkovic sei für hetzerische Texte und die Verherrlichung der kroatischen Faschisten (Ustascha) bekannt, hiess es beim Dienstes für Analyse und Prävention (DAP).

Faschistische Texte

Perkovic hat seinen Spitznamen «Thompson» von der gleichnamigen Maschinenpistole, die im Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) verwendet wurde. Einige der Liedtexte seiner gleichnamigen Band stammen aus dem Repertoire des faschistischen kroatischen Führerstaates, dem nazi-treuen Ustascha-Regime, zwischen 1941 und 1945.

In mehren Ländern wurden Konzerte des Sängers bereits abgesagt. Im Juli klagten drei kroatische Nichtregierungsorganisationen gegen den Sänger wegen Aufhetzung zu Rassendiskriminierung. Er habe bei einem Konzert in Zagreb einen faschistischen Gruss ausgerufen.

(sda)

Umstrittener Marko Perkovic Thompson

Marko Perkovic ist der umstrittenste Sänger Kroatiens, wobei die Kritik hauptsächlich aus dem Ausland kommt. Perkovic, dessen Künstlername gemäss Legende von seiner Maschinenpistole während des Kroatienkriegs kommt, sei nationalistisch und faschistisch, werfen ihm Kritiker vor. Er selbst bezeichnet sich als patriotisch. Wobei auch im heutigen Kroatien der Nationalismus häufig Bezüge zum faschistischen Ustascha-Regime während des Zweiten Weltkriegs macht. Damals war Kroatien letztmals in der neueren Geschichte unabhängig.

Die Kritik an Thompson bezieht sich vor allem auf Lieder, die er während und kurz nach dem Kroatienkrieg (1992-1995) spielte. Darin kommen rassistische Äusserungen vor allem gegenüber Serben vor. Inzwischen gibt sich Thompson vorsichtiger. Seine Fans in Kroatien und in der kroatischen Diaspora stehen aber dennoch oft der faschistischen Ustascha-Bewegung nahe. Seine Fans benutzen häufig den Gruss «Za dom spremni» (Bereit für die Heimat) oder tragen Symbole der faschistischen Ustascha aus dem Zweiten Weltkrieg. (mdr)

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