Nichts für Vegetarier: Krokodile schlachten als Geschäftsmodell
Aktualisiert

Nichts für VegetarierKrokodile schlachten als Geschäftsmodell

Wirbel um die geplante Tötung von Krokodilen in Tschechien: Ein Farmbesitzer will mit dem Verkauf von Fleisch und Haut des exotischen Tieres Geld verdienen.

von
Karel Janicek
ap

Eigentlich sollte die Krokodilfarm im tschechischen Velky Karlov in einen Park mit vielen verschiedenen Tieren umgewandelt werden, zugänglich für die Öffentlichkeit. Zwei Restaurants waren geplant und ein Teich für Angler. Doch die Finanzierung platzte, und nun hat der Besitzer der Farm einen anderen Plan: Er will 100 der 215 dort lebenden Nilkrokodile schlachten und mit dem Verkauf ihres Fleischs und der Haut Geld verdienen.

Die Tötung geschützter Tiere ist in Tschechien wie im Rest der Europäischen Union verboten, doch bereitet das Landwirtschaftsministerium in Prag eine Gesetzesänderung vor. Dies stösst unter Tierschützern und sogar unter einigen Besitzern von Krokodilfarmen auf Empörung. «Wir lehnen das Gesetz strikt ab», sagt Eva Hodek, Direktorin der Stiftung für Tierschutz in Prag. Es gebe keinen Grund, in Tschechien als einzigem Land in Europa das Schlachten von Krokodilen zu erlauben.

Tötung von Anfang an geplant

Metzger dort hätten keine Erfahrung mit der Tötung dieser Tiere, sodass diese leiden würden, sagt Hodek. Darüber hinaus vermuteten Aktivisten, dass die gegenwärtigen Besitzer der 2004 eröffneten Farm, die diese seit Februar betreiben, die Tötung der Krokodile von Anfang an geplant hätten. «Das muss der wahre Geschäftsplan gewesen sein.»

Die Sprecherin des tschechischen Landwirtschaftsministeriums, Magdalena Dvorackova, sagt, die Gesetzesänderung sei nötig. Ein ähnlicher Schritt in der Vergangenheit habe Züchtern die Tötung von Exemplaren einer weiteren exotischen Tierart erlaubt, nämlich von Straussen. Nilkrokodile gelten in Tschechien nicht als gefährdete Tierart. Tierschützern zufolge sollten sie dennoch nicht in dieselbe Kategorie wie Schweine, Schafe oder Kühe eingeordnet werden. «Es ist Zeit für die Änderung», sagt Dvorackova in einem Interview. «Die Krokodile sind gross genug, um geschlachtet zu werden.»

«Faszinierende Tiere»

Der gegenwärtige Direktor der Farm sieht der Gesetzesänderung erwartungsvoll entgegen. «Wir warten auf die Entscheidung des Ministeriums, die uns erlauben würde, ihre Zahl zu verringern», sagt Antonin Kyjovsky mit Blick auf die Krokodile. «Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, sie alle zu behalten.» Das Fleisch könne er problemlos an Restaurants in Städten wie Prag verkaufen, die Haut an Schuh- und Gürtelhersteller.

Doch selbst unter Krokodilfarmern gibt es Kritiker der Gesetzesänderung. Miroslav Prochazka, Direktor der ältestens tschechischen Krokodilfarm in Chvalsiny und eines Krokodilzoos in Protivin, sagt, er wolle kein einziges seiner 110 Tiere töten. Darunter seien Exemplare von 21 der 23 verschiedenen Krokodilarten. «Das ist Unsinn. Wir haben keine solchen Pläne.»

In Velky Karlov, einem Dorf im Südosten Tschechiens, preist Tierpfleger Lubomir Rozkot die Krokodile, um die er sich seit sechs Jahren kümmert. Sie seien faszinierend, sagt er. «Sie sind Spitzen-Raubtiere, die sich seit 65 Millionen Jahren nicht geändert haben.» Angst habe er nicht vor ihnen. «Du musst nur darauf achten, dass sie sich nicht bedroht fühlen. Wenn sie sich bedroht fühlen, versuchen sie nicht zu fliehen, sondern greifen an.»

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