«Time-out» mit Klaus Zaugg: Kruegers verlorene Generation
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggKruegers verlorene Generation

Heute ist Hockey-Zahltag. Mit einem Sieg gegen die Amerikaner können die Schweizer die Saison retten und wir stehen vor einem ruhigen, schönen Sommer. Bei einer Niederlage beginnt ein Sommer voller Polemik.

von
Klaus Zaugg

Moskau 2007 war der Tiefpunkt der spielerischen Entwicklung unter Ralph Krueger. Nie spielten die Schweizer destruktiver und defensiver als an dieser WM. Elf Tore in sieben Spielen. Wir erreichten die Viertelfinals. Doch die Polemik war so heftig, dass Ralph Krueger im Sommer nahe an seiner Entlassung stand.

Er reagierte. Quebec City 2008 brachte den offensiven Frühling. 20 Tore in sieben Spielen. Die Schweizer erreichten erneut das Viertelfinale und die Mannschaft, erstmals in der Ära Krueger ohne Mark Streit, weckte berechtigte Hoffnungen auf eine begeisternde WM 2009 in Bern. Julien Sprunger und Thibaut Monnet personifizierten den offensiven Frühling. Die beiden produzierten in den sieben WM-Spielen vier Tore und vier Assists.

Gestern gegen Schweden, beim ersten der beiden Spiele der letzten Chancen, sass Sprunger auf der Tribune und Monnet war 13. Stürmer mit ein paar Teileinsätzen. Die beiden haben an der WM 2009 eine Brille in der Statistik. Null Tore, null Assists. Und die Schweizer haben in fünf Spielen erst acht Tore erzielt. Obwohl Mark Streit dabei ist.

«Ausfall» von Sprunger und Monnet nicht kompensiert

2009 war bisher das Turnier der verlorenen neuen Generation von Quebec. Die anderen Stürmer vermochten den Ausfall von Sprunger und Monnet nicht zu kompensieren.

Wie viel Schaden richtet diese offensive Schwäche an? Diese Frage wird heute gegen die USA beantwortet. Gelingt den Schweizern trotz allem ein Sieg nach 60 Minuten und damit die Qualifikation für die Viertelfinals, bleibt alles so, wie es ist.

Verpassen wir die Viertelfinals, wird uns die Suche nach Antworten auf viele Fragen noch viel Kurzweil bescheren.

Entlassung von Krueger?

Ist Ralph Krueger der richtige Trainer für Vancouver 2010 und die WM 2010? Wenn er nicht der richtige Trainer ist, gibt es überhaupt einen geeigneten Nachfolger? Macht es überhaupt Sinn, überstürzt einen neuen Nationaltrainer zu engagieren? Wäre es nicht besser, jetzt zu entscheiden, dass der Vertrag nach der WM 2010 nicht mehr erneuert wird? Dann hätte man in aller Ruhe Zeit, einen Nachfolger zu suchen und Krueger könnte sich ebenso in aller Ruhe nach einer neuen Herausforderung umsehen. Brauchen wir künftig überhaupt einen vollamtlichen Nationaltrainer oder könnte nicht ein Klubtrainer auch die Nationalmannschaft führen?

ein Sieg wäre die Antwort

Am Ende des Tages hat der Sieger immer Recht. Schafft Ralph Krueger heute die Viertelfinals, muss er keine weiteren Fragen beantworten. Aber als Verlierer muss er sich stunden-, tage-, wochen- und monatelang kritischen Fragen stellen. Und das alles nur, weil zwei junge Spieler das Tor nicht mehr treffen.

So einfach, so ungerecht (oder eben, je nach Sichtweise) gerecht ist der Sport.

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