Community-Listing: Krypto-Millionär Dadvan Yousuf trickst Finma-Verbot mit Kniff aus

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Community-ListingKrypto-Millionär Dadvan Yousuf trickst Finma-Verbot mit Kniff aus

Kurz bevor Dadvan Yousuf (21) seine Kryptowährung auf einer Plattform zum Verkauf anbieten konnte, schaltete sich die Finanzmarktaufsicht ein. Mit einem Kunstgriff hat er seinen Token trotzdem an eine Börse gebracht.

von
Daniel Krähenbühl

Darum gehts 

  • Der 21-jährige Dadvan Yousuf flüchtete als Kind aus dem Irak in die Schweiz. Nach eigenen Angaben hat er mit Kryptowährungen Millionen verdient.

  • Mit seiner Stiftung Dohrnii und einem eigenen Token, einer Kryptowährung, will er Zugang zu Bildung über Kryptowährungen und zum Finanzwesen ermöglichen. 

  • In der Dohrnii Academy, einer digitalen Plattform, sollen Nutzerinnen und Nutzer mit dem hauseigenen Dohrnii Token belohnt werden, wenn sie beispielsweise ein Quiz lösen oder Herausforderungen abschliessen.

  • Die Finma hat Mitte April mit einer Verfügung sämtliche Geldflüsse der Stiftung gestoppt. 

  • Nun wurde der Token trotzdem auf einer Kryptobörse gelistet. 

Der Krypto-Millionär Dadvan Yousuf (21) hat grosse Ziele: Mit seiner Stiftung Dohrnii will er Krypto-Know-how für möglichst viele Leute zugänglich machen, mit dem Verkauf der eigenen Kryptowährung namens DHN sollte das Vorhaben finanziert werden. Doch weniger als 24 Stunden vor dem Listing auf der in den Cayman Islands beheimateten Handelsplattform Bitmart blockierte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma Mitte April das Vorhaben mit einer superprovisorischen Verfügung.

Doch Yousuf und seine Stiftung liessen sich davon nicht beirren: Mit einem Kniff konnten sie nun die ursprünglich geplante Platzierung ihres Tokens auf der dezentralen Krypto-Börse «PancakeSwap» trotzdem bewerkstelligen. Auf Instagram verweist Yousuf darauf, dass eine von der Stiftung unabhängige Gruppierung – eine sogenannte dezentrale autonome Organisation (DAO) – bei der Aktion im Lead gewesen sei. «Dieses Listing wurde nicht von uns initiiert, ist quasi ein Community-Listing. Wir dürfen es nicht öffentlich befürworten, aber ich kann und darf sagen: Ich werde mir auf jeden Fall einige Dohrnii-Token kaufen.»

Obwohl laut eigenen Aussagen weder er noch die Stiftung ein Mitspracherecht gehabt hätten, freut sich Yousuf sichtlich über das Listing. In mehreren Storys wirbt er dafür und spricht davon, wie «alle Leute gespannt darauf gewartet» hätten. Ein Blick auf PancakeSwap zeigt jedoch, dass sich das Interesse noch in Grenzen hält. In den letzten 24 Stunden (Stand Dienstag 21.35 Uhr) sind 385 Transaktionen in Höhe von rund 237’000 Franken verzeichnet worden. Der Preis für einen DHN-Token bewegt sich bei rund 43 Rappen.

«Stiftung profitiert nicht vom Listing»

Die Dohrnii Stiftung betont, dass weder die Foundation noch Gründer Dadvan Yousuf die Auflistung beworben hätten. «Es gab eine Gruppe von Community-Mitgliedern, die einseitig beschlossen haben, DHN in einen Liquiditätspool aufzunehmen.» Die Social-Media-Plattformen von Dohrnii würden von der Dohrnii DAO verwaltet und betrieben. «Sie sind völlig unabhängig von der Stiftung», sagt ein Sprecher.

Vom Listing auf der Plattform würde die Stiftung finanziell nicht profitieren, so der Sprecher: «Weder Yousuf noch die Stiftung werden auch nur einen einzelnen Token verkaufen. Dies ist nicht der Plan, wie man auf der Blockchain deutlich sehen wird.» Wie es nun weitergeht, entschieden einzig und allein die Mitglieder der Dohrnii DAO. «Sie werden die Verteilung und Freigabe der DHN-Token steuern, um das Wachstum des Projekts zu finanzieren.»

Wie Dadvan Yousuf selbst sagt, sei mit dem Community-Listing ein «starkes Zeichen» gesetzt worden: «Wir sehen, dass aktuell sehr viele Menschen aktiv traden und sich der Preis über dem Hauptverkaufspreis des ICO – bei 0,1 US-Dollar – hält.» Da sich der Kryptomarkt derzeit aber grundsätzlich in einer schwierigen Lage befindet, sei das Listing als Erfolg zu verbuchen, so Yousuf. «Der Token hat sich trotz widrigen Umständen extrem gut behauptet.»

Finma-Beauftragter klärt Vorwürfe ab

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma will sich auf Anfrage nicht zum Listing auf der dezentralen Börse äussern. Sprecher Vinzenz Mathys bestätigt jedoch, dass die Finma bei der Dorhnii Stiftung einen Untersuchungsbeauftragten eingesetzt hat. «Dieser klärt ab, ob eine nach den Finanzmarktgesetzen unerlaubte Tätigkeit ausgeübt wird.»

Es bestünden Hinweise, dass die Stiftung oder mit ihr verbundene natürliche Personen ohne die erforderliche finanzmarktrechtliche Bewilligung Effekten angeboten, Zahlungsmittel ausgegeben und Publikumseinlagen entgegengenommen haben könnten.

Gemäss der Finma-Website ist die Stiftung derzeit quasi komplett auf Eis gelegt: Nur der Untersuchungsbeauftragte ist ermächtigt, für die Stiftung zu handeln. Den Personen hinter der Stiftung ist es untersagt, ohne Zustimmung des Untersuchungsbeauftragten weitere Rechtshandlungen vorzunehmen. Zuwiderhandlungen hätten Konsequenzen: «Bei der finanzmarktrechtlichen Beurteilung wird auch das Verhalten und die Kooperation der Parteien während der Untersuchung berücksichtigt.» 

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