Liberalisierung: Kuba erlaubt private Coiffeure
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LiberalisierungKuba erlaubt private Coiffeure

Sanfter Liberalisierungsschritt in Castros Kuba: Mehrere hundert Coiffeurläden und Schönheitssalons werden an ihre Mitarbeiter übergeben.

von
pbl
Ein Coiffeurladen in Havanna.

Ein Coiffeurladen in Havanna.

Die Privatisierung betrifft nur Geschäfte mit drei Stühlen oder weniger. Sie können von den bisher staatlich besoldeten Angestellten gemietet und auf eigene Rechnung betrieben werden. Prompt stiegen die Preise für einen Haarschnitt an manchen Orten von einem auf fünf Pesos, wie die «Financial Times» schrieb. Es handelt sich um die erste Öffnung im Dienstleistungssektor, seit Fidel Castro 1968 alle kleinen Unternehmen verstaatlicht hatte.

Raúl Castro, sein Nachfolger als Staatschef, setzt damit seinen Kurs der vorsichtigen Liberalisierung der weltweit letzten Planwirtschaft im sowjetischen Stil neben Nordkorea fort. Erste Reformschritte betrafen die Landwirtschaft – bislang nicht genutztes Land kann von den Bauern privat genutzt werden. Auch Taxis dürfen vereinzelt auf eigene Rechnung verkehren. Der kubanische Dienstleistungssektor ist bekannt für schlechten Service und verbreitete Diebstähle. Ob weitere Schritte folgen werden, ist unklar, die Privatisierung der Coiffeurläden wurde in den staatlichen Medien nicht offiziell angekündigt.

«Langsam und vorsichtig»

Kuba kämpft mit grossen wirtschaftlichen Problemen. Raúl Castro anerkannte kürzlich in einer Rede vor der kommunistischen Jugendliga, dass die Leute ungeduldig seien und Veränderungen wünschten. Er wolle jedoch «langsam und vorsichtig» vorgehen. Castro sei ein General, und es gebe zahlreiche Militärs in seiner Regierung, kommentierte ein westlicher Diplomat gegenüber der «Financial Times»: «Sie versuchen einen taktischen Rückzug und gleichzeitig am bestehenden System festzuhalten.»

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