Aktualisiert 04.01.2013 14:06

Kranker Präsident

Kuba hat bei Chávez' Tod viel zu verlieren

Der Gesundheitszustand von Hugo Chávez sorgt für wilde Spekulationen. Verschleiert das Castro-Regime in Kuba seinen Tod, um einen genehmen Nachfolger zu installieren?

von
pbl
Ein Wandgemälde in Caracas zeigt Hugo Chávez und den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro.

Ein Wandgemälde in Caracas zeigt Hugo Chávez und den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro.

Es steht schlecht um Hugo Chávez: Nach seiner vierten Krebsoperation in der kubanischen Hauptstadt Havanna am 11. Dezember traten Komplikationen auf. Und nun soll der venezolanische Staatspräsident zusätzlich an einer schweren Lungenentzündung erkrankt sein. Der genaue Zustand des 58-Jährigen ist nicht bekannt, er wird von der kubanischen Regierung von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Deshalb brodelt die Gerüchteküche: Chávez soll ins Koma gefallen sein, wird spekuliert. Er könnte aber auch schon tot sein.

Bei diesen Spekulationen dreht sich alles um ein Datum: Am 10. Januar müsste Hugo Chávez vor der Nationalversammlung für seine vierte Amtszeit vereidigt werden. Es scheint wenig wahrscheinlich, dass er rechtzeitig nach Venezuela zurückkehren kann. In diesem Fall müsste Parlamentspräsident Diosdado Cabello laut Verfassung die Amtsgeschäfte übernehmen und innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen durchführen. Die Verfassung ist allerdings nicht eindeutig: Möglich wäre auch eine Verschiebung der Amtseinführung, und Analysten in Caracas meinten gar, Chávez könne notfalls auf Kuba vereidigt werden.

Wunschnachfolger Maduro

An genau diesem Szenario könnte das Castro-Regime Interesse haben, mutmassen Oppositionskreise. Denn falls der Präsident nach seiner Vereidigung stirbt, würde sein Vize Nicolas Maduro nachrücken. Hugo Chávez hat den ehemaligen Busfahrer und Gewerkschafter ausdrücklich als Wunschnachfolger bezeichnet. Mit ihm dürften auch die «speziellen Beziehungen» zwischen Kuba und Venezuela weitergeführt werden. Chávez hat Revolutionsführer Fidel Castro wiederholt als seinen ideologischen Ziehvater bezeichnet, er unterstützte die Karibikinsel mit günstigen Krediten und Öl zum Freundschaftspreis.

Ein Machtwechsel in Caracas würde die kubanische Wirtschaft schwer treffen. Zwar ist deren Abhängigkeit von Venezuela nicht so gross wie einst von der Sowjetunion. Doch das billige Chávez-Öl deckt laut Fox News Latino die Hälfte des kubanischen Energiebedarfs. Falls Kuba plötzlich Marktpreise bezahlen müsste, wäre eine Rezession unvermeidlich. Umso wichtiger, dass Maduro tatsächlich die Chávez-Nachfolge antreten kann. Anreiz genug für die Kubaner, den wahren Gesundheitszustand des Präsidenten zu verschleiern, meint der oppositionelle Journalist und Blogger Francisco Toro in der «New York Times».

«Falls er schon tot ist, gäbe es keine Möglichkeit, dies zu erfahren», schreibt Toro in Anspielung auf die «Undurchschaubarkeit» der kubanischen Staatsgeheimnisse. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger, und das gilt besonders für Hugo Chávez. Der Provokateur und Ex-Militär hat sich in der Vergangenheit wiederholt als Überlebenskünstler erwiesen. Wie es um ihn steht, erfährt man am 10. Januar – oder auch nicht.

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