Raúl Castro: Kubaner müssen Gürtel enger schnallen
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Raúl CastroKubaner müssen Gürtel enger schnallen

Raúl Castro hat die Erwartungen der Kubaner auf Wirtschaftsreformen gedämpft. Angesichts der Nahrungsmittelkrise und den hohen Rohstoffpreisen ist sparen angesagt. Kuba muss den überwiegenden Teil seiner Konsumgüter importieren.

Es werde alles getan, Konsequenzen aus der internationalen Finanzmarktkrise einzudämmen, sagte der 77-Jährige anlässlich des 55. Jahrestages des Beginns der Revolution.

Die Bürger dürften sich aber nicht daran gewöhnen, nur gute Nachrichten zu erhalten, sagte Castro am Samstag vor rund 10 000 geladenen Gästen in der Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba.

Es müsse mehr gespart, mehr gearbeitet und besonders die Produktion von Lebensmitteln effizienter gemacht werden.

Angesichts der hohen Ölpreise müsse vor allem beim Treibstoff gespart werden. Die hohen Lebensmittelpreise treffen Kuba besonders hart, da das Land 84 Prozent der benötigten Nahrungsmittel importieren muss.

Modernisierung der Armee

Der in einer grünen Militäruniform auftretende Castro kündigte in der landesweit übertragenen Rede an, weiter in die Modernisierung der Armee und die Verteidigung Kubas zu investieren. Dieses Vorhaben sei «unabhängig von dem Ausgang der US- Präsidentschaftswahl» im November.

Weitere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Liberalisierungsmassnahmen gab Castro nicht bekannt.

Seit er im Februar zum Nachfolger seines Bruders Fidel gewählt wurde, leitete Raúl Castro mehrere Reformen ein. Unter anderem hob er das Verkaufsverbot für Computer, Fernseher und andere Elektrogeräte auf. Zur Freude vor allem der Jugend werden seit Mitte April zudem Handys frei verkauft, die allerdings sehr teuer sind.

Castro widmete die Feiern seinem erkrankten Bruder Fidel, der nicht an den Feierlichkeiten teilnahm. Der 82-Jährige hatte die Regierungsgeschäfte vor zwei Jahren an seinen Bruder Raúl abgegeben und war seitdem nicht mehr öffentlich aufgetreten.

Sturm auf die Moncada-Kaserne

Mit dem Festakt gedenken die Kubaner des Sturms auf die Moncada- Kaserne in Santiago am 26. Juli 1953, mit dem die Revolution auf der Karibikinsel begann. An dem Aufstand gegen die Regierung des Diktators Fulgencio Batista waren Ende der 1950er Jahre unter anderem der spätere kubanische Präsident Fidel Castro und der Revolutionär Ernesto «Che» Guevara beteiligt.

(sda)

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