Kreditkartenbetrüger: Kubaner seit über zwei Jahren nicht ausgeschafft, obwohl er gehen will
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KreditkartenbetrügerKubaner seit über zwei Jahren nicht ausgeschafft, obwohl er gehen will

Raúl Hernandez* wartet seit über zwei Jahren auf seine Ausschaffung nach Kuba. Der Kubaner ist verzweifelt, er will endlich in seine Heimat zurück.

von
Joel Probst
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Seit zwei Jahren wartet Raúl Hernandez* nun auf seine Ausschaffung nach Kuba. Er sass zuvor wegen Kreditkartenbetrugs im Gefängnis.

Seit zwei Jahren wartet Raúl Hernandez* nun auf seine Ausschaffung nach Kuba. Er sass zuvor wegen Kreditkartenbetrugs im Gefängnis.

zVg
Doch der Kubaner steckt noch immer in der Schweiz fest – obwohl er selber in sein Heimatland zurückwill.

Doch der Kubaner steckt noch immer in der Schweiz fest – obwohl er selber in sein Heimatland zurückwill.

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«Die Behörden blockieren meine Ausreise und ich weiss nicht, warum», sagt Hernandez.

«Die Behörden blockieren meine Ausreise und ich weiss nicht, warum», sagt Hernandez.

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Darum gehts

  • Raúl Hernandez* soll schon seit über zwei Jahren nach Kuba ausgeschafft werden.

  • Obwohl der 42-Jährige freiwillig zurückkehren möchte, sitzt er in der Schweiz fest.

  • Um über die Runden zu kommen, arbeitet der Kubaner schwarz.

  • Das Problem ist offenbar ein für die Rückkehr nach Kuba notwendiges Gesuch.

  • Das Staatssekretariat für Migration sagt auf Anfrage, man gebe zu individuellen Fällen keine Auskunft.

Der Kubaner Raúl Hernandez* soll schon seit über zwei Jahren ausgeschafft werden. Doch der 42-Jährige, der drei Jahre wegen Kreditkartenbetrugs im Gefängnis sass, lebt noch immer in der Schweiz. Dabei will er sogar selber endlich in seine Heimat zurückkehren: «Ich bin verzweifelt», sagt der Kubaner.

Immer wieder werde seine Ausschaffung hinausgezögert: «Die Behörden blockieren meine Ausreise und ich weiss nicht, warum», so Hernandez. Er habe das Staatssekretariat für Migration um Hilfe gebeten, doch es passiere nichts. «Ich konnte nicht einmal meine Mutter besuchen, bevor sie starb vor zwei Jahren.»

Er arbeitet aus Not schwarz

Am liebsten würde Hernandez einfach ins Flugzeug steigen und nach Kuba fliegen. Die Flugverbindungen dazu hat der Kubaner sogar bereits rausgesucht, auch die Unterkunft im Haus seiner Schwester hat er bereits arrangiert. Er hat dort noch Familie, unter anderem zwei Kinder. Sogar Ideen für eine Beschäftigung in Kuba hat Hernandez schon: «Ich möchte ein Geschäft eröffnen, vielleicht einen Kiosk oder einen Imbiss.»

Seine jetzige Situation bedrückt den 42-Jährigen sichtlich. «Ich darf nicht arbeiten gehen und habe keine eigene Wohnung.» Im Asylzentrum leben will er nicht, stattdessen schläft er bei Kollegen. Über die Runden komme er mit gerade mal 200 Franken pro Monat, erzählt Hernandez. Um essen zu können, arbeitet er schwarz: «Ich helfe auf einem Bauernhof oder in der Pilzproduktion aus.» Dabei verdiene er zwischen zehn und zwölf Franken die Stunde.

«Ich weiss, dass ich wieder straffällig werde»

Der Kubaner schämt sich für seine finanzielle Lage: «Es ist mir peinlich, wenn ich meinem Kind nicht mal das Essen zahlen kann.» Hernandez hat vier Kinder in der Schweiz, die bei seiner Ex-Freundin und seiner Ex-Frau leben. Sie würden in der Schweiz zurückbleiben: «Lieber kommen sie mich in Kuba besuchen, als dass sie mich hier so sehen müssen.»

Doch der 42-Jährige weiss nicht, wie lange er noch so durchhält: «Ich weiss, dass ich irgendwann wieder straffällig werde, wenn es noch lange so weitergeht.» Er hat keine Perspektive. Und mit Drogendealen oder Diebstahl könnte er mehr Geld verdienen, weiss Hernandez. «Aber ich will das nicht. Ich habe meinem Sohn versprochen, dass ich nicht mehr kriminell werde.»

Seine Ausschaffung scheitere am Geld, sagt Hernandez. Denn Kuba kennt eine Spezialregelung: Wer nach über zwei Jahren ohne Aufenthalt im Land nach Kuba zurückkehren will, muss dafür ein Gesuch um Wiedererlangung des Aufenthaltsrechts stellen. Doch das Gesuch koste ihn mit Gebühren, einem Übersetzer und Zugticket auf die Botschaft in Bern mindestens 500 Franken, so der Kubaner. «Aber das Staatssekretariat für Migration will mir dafür kein Geld geben.»

SEM schweigt zum Fall

Verhindert also das Staatssekretariat für Migration die Ausschaffung des Kubaners? Und wieso geht das Verfahren bereits schon so lange? Zu individuellen Fällen gebe das SEM keine Auskunft, sagt Sprecher Lukas Rieder. Allgemein sei die Dauer eines Verfahrens aber abhängig davon, ob die Person freiwillig heimkehren wolle. Denn zwangsweise Rückführungen nach Kuba seien nicht möglich.

Kosten für Gesuche, wie Hernandez eines benötigt, werden laut Rieder lediglich «je nach Fallkonstellation» vom Kanton oder dem SEM übernommen. Woran die Ausschaffung des Kubaners genau scheitert, bleibt also unklar.

*Name geändert

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