Aktualisiert 06.02.2008 15:44

Kudelski-Kurssturz nach Hacker-Angriff auf Premiere

Ein Hacker-Angriff auf den deutschen Pay-TV-Sender Premiere hat am Mittwoch einen Kurssturz der Kudelski-Aktien ausgelöst.

Die Aktien des Waadtländer Technologiekonzerns verloren an der Schweizer Börse bis zu 16,7 Prozent an Wert und erholten sich bis am Nachmittag kaum.

Ausgelöst hatte den Kurssturz eine vom Bezahlsender Premiere in München verbreitete Mitteilung über eine Sicherheitslücke im Kudelski-Verschlüsselungssystem Nagravision. Ein TÜV-Gutachten zeige, dass Hacker mit modifizierten Digital-Receivern Pay-TV-Programme illegal empfangen könnten. Solche Geräte würden inzwischen in grösserem Umfang verkauft, was das Premiere-Geschäft beeinträchtige.

Neue Verschlüsselungstechnologie für Premiere

Premiere will nun vom zweiten Quartal an eine neue Verschlüsselungstechnologie einführen. Welches System gewählt wird, geht aus der Premiere-Mitteilung nicht hervor. Laut Mitteilung schloss Premiere das vergangene Geschäftsjahr im Rahmen der Erwartungen ab: Der Umsatz betrug gemäss provisorischen Zahlen 948,5 Millionen Euro, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen 83,4 Millionen Euro. Genaue Zahlen werden am 14. Februar veröffentlicht. Anfang 2008 zählte Premiere rund 4,3 Millionen Abonnenten, wovon 628'000 indirekte Kunden waren.

Ein Kudelski-Sprecher reagierte auf Anfrage in Cheseaux gelassen. Die betreffenden Smartcards würden ausgewechselt. Dies sei Bestandteil des bis 2015 laufenden Vertrags zwischen Kudelski und Premiere. Analysten veranschlagten die Kosten dafür auf rund zehn Millionen Franken. Die Unternehmung sei zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit fortgeführt werde, sagte der Sprecher.

Skepsis in Börsenkreisen

Die Finanzgemeinde zeigte sich dagegen skeptisch. So wurde darauf hingewiesen, dass die News-Corp-Gruppe von Rupert Murdoch einen 15-Prozent-Anteil an Premiere halte. Zudem sei sie grösste Aktionärin der britischen NDS Group PLC, Kudelskis Hauptkonkurrentin. News Corp hat vor kurzem für fünf Milliarden Dollar die Dow-Jones-Verlagsgruppe übernommen, zu der unter anderem das «Wall Street Journal» und die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires gehören.

Der Verlust von Premiere als Kunde könnte Kudelski laut Analysten eine Umsatzeinbusse von etwa 22 Millionen Euro eintragen. Nicht ausgeschlossen sei eine Schadenersatzforderung von Premiere.

Abstufung der Kudelski-Aktien

Der Kudelski-Aktienkurs wurde zusätzlich dadurch beeinträchtigt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs den Verkauf der Kudelski-Papiere empfohlen hat. Begründet wurde dies mit der Befürchtung einer Rezession in den USA, die Echostar treffen könnte, den grössten US-Kunden von Kudelski.

Die Kudelski-Aktien hatten den Handelstag an der Schweizer Börse bereits mit einem Abschlag begonnen. In der Folge verloren sie gegenüber dem Vorabend bis zu 16,7 Prozent. Am Nachmittag stand ihr Kurs mit 16,48 Franken weiterhin um 15,5 Prozent tiefer. Kudelski war an der Börse bereits letzten November nach einer Gewinnwarnung für 2007 abgestraft worden. (dapd)

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