23.03.2017 10:41

Neuer Trend«Kühe eignen sich besonders zum Kuscheln»

Sibylle Zwygart hat drei Rinder vor dem Metzger gerettet und bietet nun etwas Spezielles an: Kuhkuscheln. Damit sollen auch die Unterhaltskosten für die Tiere bezahlt werden.

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Sibylle Zwygart (rechts) hat drei Rinder vor dem Metzger gerettet und bietet nun etwas Spezielles an: Kuhkuscheln.

Sibylle Zwygart (rechts) hat drei Rinder vor dem Metzger gerettet und bietet nun etwas Spezielles an: Kuhkuscheln.

Screenshot / buureTV.ch
«Kühe eignen sich besonders zum Kuscheln, da sie Körperkontakt gern mögen und ruhige Tiere sind», erklärt Zwygart. «Durch ihre Gemütlichkeit sorgen sie dafür, dass sich auch Menschen in ihrer Nähe entspannen.»

«Kühe eignen sich besonders zum Kuscheln, da sie Körperkontakt gern mögen und ruhige Tiere sind», erklärt Zwygart. «Durch ihre Gemütlichkeit sorgen sie dafür, dass sich auch Menschen in ihrer Nähe entspannen.»

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Das Kuhkuscheln kostet 50 Franken pro Person.

Das Kuhkuscheln kostet 50 Franken pro Person.

Screenshot / buureTV.ch

Neben Kühen liegen, mit ihnen kuscheln, sie umarmen und striegeln – das ist auf dem Gisiberg-Bauernhof von Familie Zwygart aus Tenniken BL möglich. Seit rund einem Jahr bietet die 25-jährige Tochter Sibylle Kuhkuscheln an. Der Trend stammt ursprünglich aus den Niederlanden und soll Menschen dabei helfen, zu entschleunigen, wie die Tiermedizin-Studentin 20 Minuten erklärt.

Für das Kuhkuscheln arbeitet Zwygart mit den dreieinhalbjährigen Jersey-Drillingen Svea, Sven und Svenja, die sie trainiert hat. Kurz nach der Geburt sollten die Rinder geschlachtet werden, da die beiden weiblichen Tiere als unfruchtbare Kälber für den Milchwirtschaftsbetrieb ebenso uninteressant waren wie das Stierkalb. Doch Sibylle Zwygart konnte die Tiere in letzter Sekunde retten. «Dafür musste ich meinem Vater aber versprechen, dass die drei genug Geld einbringen, um die Kosten ihres Unterhalts zu decken», erklärt Zwygart.

(Videoquelle: buureTV.ch)

Kühe sind ideal zum Kuscheln

Deshalb musste schnell eine Idee her. So kam sie auf das Kuhkuscheln. «Kühe eignen sich besonders zum Kuscheln, da sie Körperkontakt gern haben und ruhige Tiere sind», erklärt Zwygart. «Durch ihre Gemütlichkeit sorgen sie dafür, dass sich auch Menschen in ihrer Nähe entspannen.»

Das Kuhkuscheln kostet 50 Franken pro Person und läuft folgendermassen ab: Zuerst gibt es eine kurze theoretische Einführung. Dann lernt man die Kuh beim Putzen kennen. «Sobald das gegenseitige Vertrauen vorhanden ist, kann drauflosgekuschelt werden», sagt Zwygart. Das Ganze dauert rund zwei Stunden. Der Kurs sei für Kinder ab sieben Jahren.

Angebot ist noch nicht so bekannt

Innerhalb eines Jahres hätten rund zehn Personen das Angebot wahrgenommen. «Es ist leider so, dass mein Angebot und auch Kuhkuscheln in der Schweiz noch nicht so bekannt sind», erklärt Zwygart. «Deshalb reicht es noch nicht ganz aus, damit ich die Kühe allein unterhalten kann, mein Vater musste mir bisher helfen.»

Um die Unterhaltskosten zu bezahlen, bietet Zwygart neben dem Kuhkuscheln auch Bauernhofstunden für Kinder und Bodenarbeit mit Kühen an.

«Kühe sind keine Kuscheltiere»

Mario Becker befasst sich mit dem Verhalten von Tieren und berät Landwirte. Er ist von Zwygarts Angebot nicht ganz überzeugt: «Kühe sind Fluchttiere und keine Kuscheltiere. Mit Menschen zu kuscheln, ist kein natürliches Bedürfnis der Kühe.» Es sei zwar richtig, dass sie ruhige Tiere seien und Körperkontakt mögen würden. «Doch dabei sollte immer beachtet werden, dass sich das Tier von allein dazu entscheidet, sich dem Menschen anzunähern.»

Natürlich könne man den Tieren das Verhalten antrainieren, damit sie sich zum Kuscheln eigneten. «Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die wichtigste Bedingung das Vertrauen ist», erklärt Becker. Dieses müsse sich der Mensch von Anfang an verdienen. «Wenn ein Mensch keine Erfahrung mit Kühen hat, kann er das nur, wenn er richtig instruiert wird.»

Zudem sollte man immer beachten, wie man sich dem Tier nähert: «Man darf nicht gross gestikulieren. Auch nicht direkt an die Kühe herantreten. Sie sollten von allein kommen.» Dadurch sei es auch einfacher, das Tier später zu kraulen oder mit dem Tier zu kuscheln.

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