18.09.2014 07:19

Ungewöhnliches Phänomen

Kühe pumpen Bäume mit Schmerzmittel voll

In Afrika glaubten Forscher Bäume entdeckt zu haben, die ein bisher künstlich hergestelltes Schmerzmittel produzieren. Eine Studie zeigt nun: Der Stoff kommt von ganz woanders her.

von
fee
Über die Ausscheidungen der Tiere gelangt der Wirkstoff erst in den Boden, dann in den Baum.

Über die Ausscheidungen der Tiere gelangt der Wirkstoff erst in den Boden, dann in den Baum.

Das synthetische Schmerzmittel Tramadol wurde in den 1960er-Jahren entwickelt und ist seit 1977 auf dem Markt. Doch im Jahr 2013 berichteten kamerunische Forscher von einer überraschenden Entdeckung. Demnach kam der normalerweise synthetisch hergestellte Wirkstoff in grossen Mengen in der Wurzelrinde des Baumes Nauclea latifolia vor. Dieser zählt zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) und gilt in Afrika als Medizinpflanze.

Offen war, wie es zu dieser hohen Konzentration kommt. Das Team um Simplice Joel Tatsimo Ndendoung von der University of Maroua in Kamerun vermutete jedoch, dass das Gewächs den Wirkstoff selber herstellt.

Was reinkommt, kommt auch wieder raus

Die ungewöhnliche Lösung des Rätsels haben nun Forscher der Technischen Universität Dortmund gefunden. Die Wissenschaftler um Michael Spiteller konnten zeigen, dass Tramadol nicht nur im Baum, sondern auch in anderen Pflanzen, im Boden und im Wasser der Region vorkommt. Zudem fanden sie drei Abbauprodukte des Medikaments, die im Stoffwechsel von Säugetieren erzeugt werden.

Die Untersuchung zeigte weiter, dass die dort ansässigen Bauern das Medikament offenbar in rauen Mengen einkaufen. Nicht nur, um es selbst als Aufputschmittel zu konsumieren, sondern auch, um es an ihre Tiere - insbesondere Kühe - zu verfüttern. Und zwar in solchen Mengen, dass die von den Forschern identifizierten Pflanzen über den Kot der Tiere regelrecht mit Tramadol gedüngt werden.

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