Lieber Phil Geld: Kündigung während Burn-out, ist das erlaubt?
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Lieber Phil GeldKündigung während Burn-out, ist das erlaubt?

Lukas (34) wurde von seinem Arzt aufgrund eines Burn-outs für drei Monate krankgeschrieben. Sein Chef hat ihm daraufhin gekündigt. Ist das erlaubt?

Im Drama «Das Streben nach Glück» erleidet Will Smith ebenfalls ein Burn-out. (Bild: Columbia)

Im Drama «Das Streben nach Glück» erleidet Will Smith ebenfalls ein Burn-out. (Bild: Columbia)

Lieber Phil Geld

Ich bin an einem Burn-out erkrankt. Mein Arzt hat mich für drei Monate krankgeschrieben. Mein Chef hat mich daraufhin entlassen. Darf er das?

Lieber Lukas

Im schweizerischen Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Kündigungsfreiheit. Folglich kann das Arbeitsverhältnis von beiden Vertragsparteien aus beliebigen Gründen einseitig aufgelöst werden.

Unter besonderen Umständen besteht allerdings ein zeitlich begrenzter Kündigungsschutz. Man spricht hier auch von sogenannten Sperrfristen. Eine Kündigung während einer Sperrfrist ist grundsätzlich nichtig. Das heisst, die Kündigung muss nach Ablauf der Sperrfrist wiederholt werden (Art. 336c Abs. 2 OR).

Der zeitlich begrenzte Kündigungsschutz gemäss Art. 336c OR kommt allerdings nur dann zur Anwendung, wenn die Probezeit abgelaufen ist und ein sogenannter Schutztatbestand vorliegt. Diese Bestimmung sieht vor, dass der Arbeitgeber nach Ablauf der Probezeit nicht berechtigt ist, das Arbeitsverhältnis zu kündigen, wenn der Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden durch Krankheit oder Unfall ganz oder teilweise an der Arbeitsleistung verhindert ist. Als Schutztatbestände zählen zum Beispiel Militärdienst, Schwangerschaft oder eben auch Krankheit und Unfall (Art. 336c OR). Im ersten Dienstjahr dauert der Kündigungsschutz 30 Tage, dann 90 und ab dem sechsten Dienstjahr 180 Tage.

Der zeitlich begrenzte Kündigungsschutz gilt bei Krankheit nur dann nicht, wenn die gesundheitliche Beeinträchtigung als so unbedeutend angesehen wird, dass sie die Annahme einer neuen Anstellung nicht behindert. Das ist bei dir nicht der Fall, lieber Lukas.

Befindest du dich nicht mehr in der Probezeit, so ist die während deiner Arbeitsunfähigkeit erfolgte Kündigung durch deinen Arbeitgeber nichtig, sofern die Kündigung zur Unzeit beziehungsweise während laufender Sperrfrist ausgesprochen wurde.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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