Gewerkschaft zu BLS-Sparplan: «Kündigungen akzeptieren wir nicht»
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Gewerkschaft zu BLS-Sparplan«Kündigungen akzeptieren wir nicht»

Das Bahnunternehmen BLS gleist ein umfangreiches Sanierungsprogramm auf – 200 Stellen sollen wegfallen. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
cho
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Das Bahnunternehmen BLS will seine Gesamtkosten bis 2023 um bis zu 60 Prozent reduzieren.

Das Bahnunternehmen BLS will seine Gesamtkosten bis 2023 um bis zu 60 Prozent reduzieren.

Keystone/Anthony Anex
Dabei rechnet das Unternehmen mit einem Abbau von bis zu 200 Vollzeitstellen.

Dabei rechnet das Unternehmen mit einem Abbau von bis zu 200 Vollzeitstellen.

Keystone/Anthony Anex
Die BLS wurde im Jahr 2006 gegründet.

Die BLS wurde im Jahr 2006 gegründet.

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Bis 2023 sollen bei der BLS jährlich 50 bis 60 Millionen Franken eingespart werden. Als Folge davon rechnet das Unternehmen mit dem Wegfallen von bis zu 200 Vollzeitstellen.

Wieso baut die BLS Stellen ab?

Die Kostensenkung sei nötig, um auch künftig marktfähige Leistungen zu erbringen, teilte das Bahnunternehmen am Mittwoch mit. Um jährliche Einsparungen von 50 bis 60 Millionen zu realisieren, sollen «grundlegende und nachhaltige Optimierungen quer durchs Unternehmen» umgesetzt werden, sagt Sprecher Matthias Abplanalp. «Mit unserem Projekt stellen wir uns optimal auf und werden effizienter, damit wir künftig mit gleich vielen Leuten mehr Leistung erbringen.»

Wo baut die BLS Stellen ab?

Wo die 200 Stellen wegfallen, will die BLS noch nicht bekannt geben: «In welchen Bereichen und wie diese Stellenreduktionen erfolgen, wird die detaillierte Umsetzungsplanung zeigen, die wir in den kommenden Monaten ausarbeiten», erklärt BLS-Mediensprecher Abplanalp. Der Personalverband Transfair, der ebenfalls über die Pläne der BLS im Bild ist, will bereits wissen, welche Abteilungen betroffen sind: Besonders der Bereich Personenmobilität, die Infrastruktur (BLS Netz AG) sowie die Querschnittsfunktionen Human Ressources, Finanzen und IT sollen im Sparfokus des Unternehmens stehen.

Wie wird der Kunde von den Massnahmen bemerken?

Pendler würden von dem Sparprogramm profitieren, verspricht das Transportunternehmen: «Bei allem, was wir tun, stellen wir unsere Fahrgäste in den Fokus und investieren zum Beispiel in neue Züge», so Abplanalp. Fahrgäste müssten nicht befürchten, dass durch das Sparprogramm kleinere Bahnhöfe nicht mehr bedient würden. Im Regionalverkehr würden die Kantone entscheiden, welche Bahnhöfe bedient werden: «Indem wir sparen, entlasten wir die Kantone finanziell und schaffen so allenfalls Spielraum für ein künftig besseres Angebot.»

Was sagt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals zu den 200 wegfallenden Stellen?

Für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kommt die Ankündigung einer Hiobsbotschaft gleich. Auch wenn sich die Richtung bereits abzeichnete: «Aber wir sind konsterniert über das Ausmass des Stellenabbaus», sagt Vize-Präsidentin Barbara Spalinger. Bisher wisse die Gewerkschaft sehr wenig – ebenso die Mitarbeiter. Für diese sei die Situation sehr schwierig: «Bis im Februar müssen sie nun alle um ihre Stelle bangen. Sogar über Weihnachten.»

Die Gewerkschaft will der BLS beim Sparversuch genau auf die Finger schauen und verspricht nicht zu kuschen. Spalinger: «Kündigungen im Zuge der Reorganisationen akzeptieren wir nicht. Wir werden unseren Einfluss geltend machen.»

Wie sieht die Lage bei der Konkurrenz aus?

Die BLS ist nicht das einzige Transportunternehmen, das eine Reorganisation vornimmt. Auch die SBB gab gegenüber der «Luzerner Zeitung» an, bis 2025 den Anteil ausgelagerte Stellen mit «Ausführungsverantwortung» von 6 auf 50 Prozent zu heben. Stellen sollen gemäss offiziellen Angaben nicht gestrichen, sondern nur «umgelagert» werden. Der SEV traut dem jedoch nicht und zeigt sich höchst alarmiert. Nicht ohne Grund: Allein die Infrastruktur-Division der SBB hat seit 2016 über 380 Stellen abgebaut, weitere 260 sollen bis 2020 dazukommen. Konzernweit ist bis 2020 ein Wegfall von 1400 Jobs geplant

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