US-Professor: «Künftige tote Cops zu lehren, ist ein Privileg»
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US-Professor«Künftige tote Cops zu lehren, ist ein Privileg»

Ein anarchistischer Professor unterrichtete Studenten, die Polizisten werden wollen. Nach einem Tweet wird er jetzt wohl seinen Job verlieren.

von
sut
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Michael Isaacson reckte seinen Hals vielleicht etwas zu weit in die Höhe: Der 28-jährige Ökonomieprofessor wurde aufgrund eines kontroversen Tweets suspendiert.

Michael Isaacson reckte seinen Hals vielleicht etwas zu weit in die Höhe: Der 28-jährige Ökonomieprofessor wurde aufgrund eines kontroversen Tweets suspendiert.

Screengrab Fox News
Auf Twitter gefällt sich der erklärte Antifaschist und Anarchist mit kecken Posen. Am 23. August twitterte er: «Ich fasse es als Privileg auf, künftige tote Cops zu lehren.»

Auf Twitter gefällt sich der erklärte Antifaschist und Anarchist mit kecken Posen. Am 23. August twitterte er: «Ich fasse es als Privileg auf, künftige tote Cops zu lehren.»

Michael Isaacson via Twitter
Isaacson lehrt am John Jay College of Criminal Justice in Manhattan, das viele künftige Cops ausbildet.

Isaacson lehrt am John Jay College of Criminal Justice in Manhattan, das viele künftige Cops ausbildet.

Michael Isaacson via Twitter

Wenn ein erklärter Antifa-Aktivist an einem College künftige Polizisten lehrt, dann kann das wahrscheinlich nicht gut gehen. Entschieden schief lief es am New Yorker John Jay College of Criminial Justice, an dem viele Cops der grössten US-Stadt ihre Kenntnisse des Strafrechts erwerben. Nach einem skandalösen Tweet und einem nachfolgenden TV-Duell mit einem Fox-News-Moderator ist der Ökonomieprofessor Michael Isaacson von seinem Job suspendiert worden.

Der 28-jährige Jungprofessor, ein bekennender antifaschistischer Aktivist, hatte am 23. August über seinen Lehrauftrag an dem öffentlichen College getwittert: «Manche von euch denken wohl, es ist scheisse, als Antifaschist am John Jay College zu lehren, aber ich fasse es als Privileg auf, künftige tote Cops zu lehren.»

Über den nonchalanten Tweet, worin Isaacson Gewalt gegen Polizisten als unausweichlich zu bezeichnen scheint, wäre vielleicht Gras gewachsen. Doch dann liess sich der Professor auf ein Duell mit dem Fox-News-Mann Tucker Carlson ein. Der konservative Moderator liebt es, in seiner um 21 Uhr ausgestrahlten Sendestunde ideologische Gegner herauszufordern.

Isaacson vermischte freie Rede und Gewalt

Das Wortgefecht vom vergangenen Donnerstag enttäuschte nicht. Isaacson, der auch im TV keinen Hehl aus seiner anarchistischen Gesinnung macht, hielt Carlsons bohrenden Fragen einigermassen stand. Doch er mochte nicht klären, wann für ihn Gewalt gegen das angeblich faschistische System und die Polizei als dessen Garanten gerechtfertigt ist.

Mit der im US-Recht hochgehaltenen Trennung zwischen der freien politischen Rede und der verbotenen Tätlichkeit hatte der Professor nichts am Hut.

Die Polizeigewerkschaft las aus Isaacsons Haltung Hass gegen Cops. «Er hegt totale Verachtung für die aktiven und künftigen Polizisten, die er am John Jay College lehrt», schrieb Gewerkschaftsboss Pat Lynch in einem Brief, worin er Isaacsons Entlassung forderte.

Es sei «absolut unerhört», dass ein Individuum mit solchen Ansichten «bei irgendeiner akademischen Institution angestellt ist, noch weniger bei einer, die eine überwältigende Mehrheit der Polizisten von New York City zu ihren Studenten zählt.»

«Ich bin ein guter Schütze»

Weil Polizisten in der US-Politik grosse Macht geniessen, konnte das College nicht tatenlos bleiben. Isaacson wurde für die Dauer einer Untersuchung von seinem Lehrauftrag suspendiert – weiterhin mit Bezahlung.

John Jays Präsidentin Karol Mason nannte seinen Tweet «verabscheuungswürdig» und eine «Antithese» zu ihrer Institution. Mason rechtfertigte die Suspendierungsmassnahme zusätzlich damit, dass gegen Mitglieder des Lehrkörpers Gewaltandrohungen eingegangen seien.

Isaacson belegte Einschüchterungsversuche gegen ihn mit mehreren Tweets. Ein Mann nannte ihn «Arschloch» und drohte: «Ich werde dich so blutig schlagen, dass dich niemand mehr wiedererkennt.» Ein früherer Cop schrieb: «Ich weiss, wo dein College ist. Ich bin ein guter Schütze.»

Polarisierung der USA und mächtige konservative Medien

Die Affäre um Isaacson, der inzwischen abgetaucht ist, illustriert nicht nur die extreme politische Polarisierung in Amerika unter Donald Trump. Sie zeigt auch die Macht konservativer Medien in ihrem Kampf gegen die als links kritisierten akademischen Institutionen.

Wie die «Washington Post» schreibt, wurden in den letzten Monaten mehrere Professoren wegen kontroverser Aussagen entlassen.

So zum Beispiel Lisa Durden vom Essex County College in Newark: Sie hatte gehöhnt, Weisse seien wütend, weil sie nicht zur ganz schwarzen Memorial-Day-Feier von Black Lives Matter Eintritt erhalten hatten. Oder Kenneth Storey von der University of Tampa: Er hatte getwittert, Texas habe Hurrikan Harvey verdient, weil der Gliedstaat republikanisch gewählt hatte.

Ebenso häufig lassen sich auch gegenteilige Beispiele finden, wo konservativ Gesinnte Tabus verletzen und deswegen ihre Stelle verlieren. Die Allgegenwart von Twitter und anderen Social-Media-Kanälen lässt erwarten, dass die folgenreichen Gehässigkeiten noch lange fortdauern werden.

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