Aktualisiert 14.01.2017 15:05

Trompe-l'Œil-MalereiKünstler macht tristen Fassaden den Garaus

Mit hässlichen Wänden ist es vorbei, wenn Maler Patrick Commecy und sein Team von A-Fresco sich eines Gebäudes annehmen.

von
D. Gschweng
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Diese Bahnhofsszene hat das Künstlerkollektiv um Patrick Commecy in Marseille an eine Hauswand gemalt.

Diese Bahnhofsszene hat das Künstlerkollektiv um Patrick Commecy in Marseille an eine Hauswand gemalt.

A-Fresco / Patrick Commercy
Auf der Website des Künstlers finden sich viele Vorher-nachher-Bilder. Diese schnöde, heruntergekommene Hauswand war die perfekte Leinwand für ...

Auf der Website des Künstlers finden sich viele Vorher-nachher-Bilder. Diese schnöde, heruntergekommene Hauswand war die perfekte Leinwand für ...

A-Fresco / Patrick Commercy
... das Bild einer Mühle mit Arbeitern.

... das Bild einer Mühle mit Arbeitern.

A-Fresco / Patrick Commercy

Im französischen Vaux-en-Beaujolais hat er eine Wand mit einem ganzen Buch verschönert, in Cannes bemalte er Fassaden mit den Konterfeis von Filmstars: Die Bilder von Patrick Commecy machen jede noch so hässliche Ecke zu einem echten Hingucker. Graue Klötze werden zu Aquarien und auf den Wänden finden plötzlich ganze Bankette statt.

In seine Bilder lässt Commecy Romanhandlungen, historische Ereignisse oder bekannte Persönlichkeiten einfliessen und baut auch die Lokalprominenz mit ein. Gemalt sind die Wandgemälde so täuschend echt, dass man mindestens zweimal hinschauen muss: Der Herr, der sich über den Balkon beugt, ist gar nicht echt. Und den Balkon selbst gibt es auch nicht. Ganz zu schweigen von der Bäckerei im Erdgeschoss.

Optische Täuschungen

Trompe-l'Œil heisst der hyperrealistische Stil, mit dem Commecy die Passanten narrt. Personen und Gegenstände sind bis ins Detail genau abgebildet. Die Bilder werden direkt vor Ort auf die Wand gemalt oder im Atelier vorbereitet und auf die Wand geklebt.

Bis zu dreissig Personen sind an der Erstellung der riesigen Gemälde beteiligt, mehr als 300 solcher Bilder hat Commecy nach eigenen Angaben bereits realisiert. Hässliche Ecken, fensterlose Fassaden, trostlose Brandschutzmauern und graue Firmengebäude wurden zu optischen Schmuckstücken.

In der Novelle «Clochemerle» von Gabriel Chevallier aus dem Jahr 1934, die Commecy in Vaux-en-Beaujolais verarbeitet hat, geht es übrigens um eine öffentliche Bedürfnisanstalt, die in einem beschaulichen Weindorf gebaut werden soll. Das kommunale Pissoir erhitzt die Gemüter auf komische Weise so lange, bis zur Lösung des Konflikts drastische Mittel zum Einsatz kommen. Das kommt einem irgendwie bekannt vor.

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