Biel: Künstler sammeln Geld für ihr Nackt-Festival

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BielKünstler sammeln Geld für ihr Nackt-Festival

Im Adamskostüm durch die Bieler Innenstadt flanieren: Dieses Prokjekt wird für internationale Nackt-Performer bald Realität. Auf der Plattform Wemakeit suchen sie nach Spendern.

von
Andrea Muff

Biel wird zum Mekka für Nackedeis: Vom 21. bis 22. August tummeln sich Künstler nackt wie Gott sie schuf in der Bieler Innenstadt. Für das Body and Freedom Festival pilgern Nackt-Künstler aus ganz Europa nach Biel – dort können sie ihren Körper in einem bewilligten Rahmen zur Schau stellen.

Doch das Festival benötigt noch eine Finanzspritze: Initiant Thomas Zollinger sucht deshalb auf der Plattform Wemakeit.com noch die fehlenden 3000 Franken. Diese werden unter anderem zur Deckung von Übernachtungskosten, Fotografenhonoraren sowie Grafik und Druck von Festivalbooklets und Plakaten benötigt. «Ich hoffe auf die Unterstützung von vielen Freunden des Nacktseins», sagt der 62-Jährige.

Mehr Toleranz im öffentlichen Raum

Für Zollinger stellt ein solches Festival ein Bedürfnis dar: «Es darf mittlerweile im Stadtraum alles gezeigt und performt werden, was auch im Kunstraum und im Theater stattfindet – nur der nackte Körper scheint hier ein Tabu zu sein», sagt er. Mit diesem Festival möchte Zollinger das ändern. Die Künstler zeigen laut der Crowdfunding-Plattform «einen vielseitigen Querschnitt um all die kontroversen Fragen zur Stellung des nackten Körpers im öffentlichen Raum.»

Den Spendern winken Goodies. Falls sich ein Investor ebenfalls zum Blüttlen berufen sieht, kann er sich das Mitmachen für 111,55 Franken erkaufen: «Man kann bei der Prozession vor der Kirche nackt in der Gruppe mitlaufen», so Zollinger. Spender können zusammen mit den «Profis» die Hüllen fallen lassen und auf Stühlen sitzend die bekleideten Passanten beobachten. Für 280 Franken wird der Spender zu einem «Naked Lunch» eingeladen. Für 880 Franken kann man sich das volle Paket ergattern: Dazu gehören unter anderem ein Gespräch mit einem Nackt-Künstler, das Zuschauen in der Fussgängerpassage und eine Unterhaltung mit dem Initiator.

Passanten werden informiert

Damit die Nackedeis die Städter nicht die Passanten schockieren informieren Plakate über das Festival: «Auch Booklets werden gratis als Information an die Passanten abgegeben», so Zollinger. Die Fussgängerzone rund um die Nidaugasse wird an den zwei Tagen sechs Stunden lang bespielt. Die 18 Projekte werden an verschiedenen Standorten und Zeiten aufgeführt. Ab acht Uhr startet für die Fans des Nacktseins das Abendprogramm. Eingeläutet wird das Festival am Donnerstagabend im Dachstock der Alten Krone in der Altstadt.

Bereits im Mai vergangenen Jahres hatten die Künstler ihre Hüllen in Biel fallen lassen. Damals durften die Performer ihr Adamskostüm nur für eine Stunde und erst nach Ladenschluss zeigen. «Das Echo war mehrheitlich positiv», erzählt Zollinger. Vor allem Junge bis 30 Jahre hätten zwar Mühe, wenn sich nicht nur knackige Models nackt zeigen würden, doch: «Menschen ab 30 Jahren finden es oft einfach nur mutig.» Zollinger ist mit seinem Projekt «Prozession der Nackten» auch in Zagreb aufgetreten – dort endete «der Spaziergang» allerdings auf dem Polizeirevier.

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