Ikea Lyssach BE: Künstler vergräbt Billy-Regal in Zeitkapsel

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Ikea Lyssach BEKünstler vergräbt Billy-Regal in Zeitkapsel

Damit Archäologen in 2000 bis 3000 Jahren Erkenntnisse über unsere Zeitepoche in der Erde vorfinden, will ein Berner Künstler in Lyssach ein Billy-Regal von Ikea vergraben.

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ct
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Ein solches Billy-Regal will ein Berner Künstler als Zeitkapsel unter einem neuen Ikea-Hochregallager vergraben.

Ein solches Billy-Regal will ein Berner Künstler als Zeitkapsel unter einem neuen Ikea-Hochregallager vergraben.

IKEA
Hier beginnen die Bagger mit den Aushubarbeiten für das automatische Hochlager der Ikea in Lyssach BE.

Hier beginnen die Bagger mit den Aushubarbeiten für das automatische Hochlager der Ikea in Lyssach BE.

Christoph Balmer
Das Billy-Regal für die Nachwelt wurde dem Künstler bereits geliefert. So kompakt verpackt in der Originalschachtel soll es verschweisst und vergraben werden.

Das Billy-Regal für die Nachwelt wurde dem Künstler bereits geliefert. So kompakt verpackt in der Originalschachtel soll es verschweisst und vergraben werden.

Christoph Balmer

Die Bagger beginnen derzeit in der Ikea in Lyssach mit dem Aushub für ein automatisches Hochlager. Darunter soll bald ein Stück europäisches Kulturgut für die Nachwelt gelagert werden: Der Berner Christoph Balmer will unter dem Neubau ein Billy-Regal vergraben. «Es wird dreimal in Plastik verschweisst und danach noch in Aluminium eingefasst. Es wird eine Zeitkapsel, die ewig halten soll», erzählt er.

Unsichtbare Kunstformen

Der 54-Jährige, der früher die Dampfzentrale in Bern geleitet hat, studierte Kulturmanagement und befasste sich schon da mit unsichtbarer Kultur. «Damals hatte ich nach Kunstformen gesucht, die man nicht sieht. So ist in groben Zügen die Idee geboren, etwas zu vergraben.» Als er vor einem Jahr zufällig mit einer Ikea-Bauleiterin ins Gespräch kam, entstand die Idee mit dem Billy-Regal.

«Das Billy-Regal ist das wahrscheinlich am weitesten verbreitete Möbelstück auf der ganzen Welt. Über 50 Millionen mal wurde es schon verkauft», sagt Balmer. «Bei mir zuhause steht auch eines.»

Denkaufgabe für die Archäologen

Was ihn am meisten fasziniert ist Billys Einfachheit. «Man baut es allein mit dem bekannten Ikea-Schlüssel zusammen.» Ein Kollege sei Archäologe und habe ihm einmal gesagt, dass dieser Imbusschlüssel ein sogenanntes Leitobjekt unserer Zeit sei. «In 2000 bis 3000 Jahren werden die Archäologen weltweit diese Schlüssel finden und nicht wissen, wofür sie benutzt wurden. Wenn sie nun mein vergrabenes Regal finden, sollten sie den Sinn erkennen.»

Der Aushub für das automatische Hochlager soll in zwei Wochen gemacht sein – am 5. Februar will Balmer das Billy-Regal vergraben. «Ich hoffe, dass ein paar Kulturjournalisten kommen und wir gemeinsam zusehen können, wie der Bagger das Regal versenkt.» Danach erst startet der Bau des Lagers, das voraussichtlich im Dezember stehen soll.

Budget von 10'000 Franken

Obwohl das Projekt von Balmer nicht viel kostet, sucht er per Crowdfunding Geldgeber. Ziel sind 10'000 Franken. «Ich will den Event rundherum finanzieren und auch allen freiwilligen Helfern ein Entgelt geben können.» Aber auch wenn das Geld nicht zusammenkomme, werde die Zeitkapsel vergraben.

Am Ende soll eine Messingplatte angebracht werden, die auf das unsichtbare Objekt unter der Erde hinweist. «Bei einem Denkmal, das man nicht sieht, muss man etwas tun, damit die Leute davon erfahren.» Auch will er alles fotografisch festhalten. «Vielleicht mache ich davon mal ein Buch. Das ganze Vorhaben soll auch etwas Lustvolles sein. Ich stelle mir vor, dass Leute auf der Autobahn an der Halle vorbeifahren und zueinander sagen: ‹hey, hast du gesehen, das ist das Billy-Denkmal›.»

Aufbauen können es die kommenden Generationen

Übrigens wird das Regal originalverpackt und nicht montiert vergraben. «So eine Bauanleitung sollte auch in 2000 Jahren noch verständlich sein», sagt er. «Sollen sich dann die Finder damit rumärgern.»

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