Aktualisiert 16.03.2017 14:48

Kunstaktion

Künstler zersägen Arbeitsplatz

Telefonakquisen direkt über den Fenstersims: Dies ist die Vision der St. Galler Künstler-Zwillinge Riklin. Nächste Woche geht die Aktion auf Tour.

von
nab

Ein ausgeschnittenes Büro fliegt durch St. Gallen. Video: zVg

Wie würden Sie reagieren, wenn bei Ihnen vor dem Fenster plötzlich ein reales Büro auftaucht? Unangemeldete Telefonanrufe sind nicht neu – unangemeldete Besuche direkt an der Hausfassade hingegen schon. «Gespräche über den Fenstersims erweitern Dialoge dort, wo ein normaler Anruf bereits wieder endet», heisst es in der Medienmitteilung der St. Galler Künstler-Zwillinge Riklin.

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Die Künstler-Zwillinge Frank und Patrik Riklin lancieren zusammen mit einer Ostschweizer Firma ein neues Projekt.

Die Künstler-Zwillinge Frank und Patrik Riklin lancieren zusammen mit einer Ostschweizer Firma ein neues Projekt.

Dafür haben sie ein Büro zersägt...

Dafür haben sie ein Büro zersägt...

zVg
... beziehungsweise ausgeschnitten.

... beziehungsweise ausgeschnitten.

zVg

Deshalb haben Frank und Patrik Riklin in Zusammenarbeit mit einer Ostschweizer Firma eine neue Kunstaktion lanciert: Sie zerschnitten mit einer Motorsäge ein ganzes Büro und schicken den ausgeschnittenen Arbeitsplatz mitsamt Roy Aggeler, Verkaufsleiter der glas+raum ag, durch St. Gallen und Gossau an die Fenster von verschiedenen Büros.

«Direkter Kontakt ist ein optimaler Eisbrecher»

Der Telefonanruf aus dem an der Fassade angedockten Büro sei ein Versuch, der gängigen Kommunikations- und Unternehmenskultur entgegenzuwirken. «Da bekommt ‹im Aussendienst› sofort eine wörtliche Bedeutung», so Patrik Riklin. Das Büro stehe für den Face-to-Face-Kontakt und sei so ein völliger Kontrast zum Alltag, der überwiegend von digitaler Kommunikation geprägt ist.

Video: Facebook

Die offizielle Tournee durch die Bürowelt findet am 21. und 22. März statt – erste Testfahrten gab es bereits. Wie Riklin erzählt, hätten sie durchwegs positive Reaktionen erhalten. «Zuerst waren die Leute überrascht, doch dann nahmen sie sich Zeit und haben sich darüber gefreut.» Es sei halt so, dass es bei einem Telefon-Gespräch durchs Fenster schwer sei, den Dialog abzukürzen. Natürlich sei ihnen bewusst, dass sie vielleicht jemanden mit ihrer Aktion vor den Kopf stossen könnten. Aber: «Wir ecken halt auch an.»

Auch Roy Aggeler, der im portablen Büro sass, freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen. Trotzdem gibt er zu: «Beim ersten Mal war ich doch schon recht nervös.» Man wisse ja nicht, wie die Leute reagieren. Doch je mehr Büros die drei besucht hätten, umso sicherer sei er geworden. Einige hätten ihn zuerst nicht einmal wahrgenommen, weil sie so vertieft in ihrer Arbeit gewesen seien. «Manchen haben wir sogar einen richtigen Schrecken eingejagt, als sie uns dann plötzlich durchs Fenster sahen.»

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