Aktualisiert

«Man on Wire»Künstlerischer – und illegaler Hochseilakt

Am 7.August 1974, kurz nach sieben Uhr morgens, trauten tausende Menschen in Manhattan ihren Augen nicht.

von
Philippe Zweifel

Zwischen den Twin Towers des World Trade Centers ging jemand auf einem Hochseil hin und her. Achtmal, ohne Fangnetz, ohne Sicherheitsleine.

Philippe Petit hiess der Mann. Nachdem er eine Stunde lang auf dem Drahtseil getanzt hatte, wurde er festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Gegenüber Psychiatern, die ihn nach seiner Verhaftung anhörten, gab er wiederholt an, dass es keinen Grund für seine Tat gebe. Nach ein paar Tagen wurde Petit entlassen – mit der Auflage, dass er im Central Park einen (gesicherten) Hochseilakt für Kinder durchführt.

James Marshs Dokumentarfilm konzentriert sich auf die unglaubliche Vorgeschichte des wohl spektakulärsten Stunts aller Zeiten. Während sechs Jahren sammelten Petit und seine Komplizen alle Informationen, die sie über die Türme kriegen konnten. Sogar den Bauleiter der Türme interviewten sie, unter dem Vorwand, Journalisten zu sein.

«Man on Wire» erweckt Petits unglaubliches Abenteuer wieder zum Leben. Ergänzt wird die Doku durch Kommentare aller Beteiligten, die damals ein Kunststück schufen, das als das künstlerische Verbrechen des Jahrhunderts in die Geschichte einging.

Deine Meinung