Hochschule Luzern: Künstliche Beschneiung soll jetzt Gletscher retten
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Hochschule LuzernKünstliche Beschneiung soll jetzt Gletscher retten

Ein Projekt von Schweizer Hochschulen soll das Schmelzen von Gletschern stoppen. Die Gletscher sollen zu diesem Zweck künstlich beschneit werden.

von
Nadine Wechsler
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Der Morteratschgletscher in Graubünden war im Jahr 1970 noch einen Kilometer länger als heute.

Der Morteratschgletscher in Graubünden war im Jahr 1970 noch einen Kilometer länger als heute.

hslu.ch Christine Levy
Jetzt arbeiten  Hochschulen an einem Projekt: Es sieht vor, den Gletscher mit Schnee zu bedecken und dadurch den Schmelzprozess zu verzögern.

Jetzt arbeiten Hochschulen an einem Projekt: Es sieht vor, den Gletscher mit Schnee zu bedecken und dadurch den Schmelzprozess zu verzögern.

hslu.ch Christine Levy
Erste Versuche am Morteratschgletscher sollen zeigen, ob die Vorrichtungen unter Umwelteinflüssen wie Temperatur und Wind funktionieren.

Erste Versuche am Morteratschgletscher sollen zeigen, ob die Vorrichtungen unter Umwelteinflüssen wie Temperatur und Wind funktionieren.

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Darum gehts

  • Eine Folge der Klimaerwärmung ist der weltweite Rückgang der Gletscher.

  • Ein Forschungsteam von verschiedenen Schweizer Hochschulen hat ein Projekt entwickelt, um den Schmelzprozess zu verzögern.

  • Das Team der Hochschule Luzern hat dazu eine eigens konzipierte Lösung entwickelt.

Eine Folge der weltweiten Klimaerwärmung zeigt sich an den Rückgängen der Gletscher. Eine Folge für Mensch, Tier und Umwelt sind die schwindenden Trinkwasserreserven. In den letzten fünfzig Jahren sind gemäss Angaben des WWF alleine in der Schweiz mehr als 700 kleinere Gletscher komplett verschwunden.

Dieses Problem angehen will nun ein Team aus Expertinnen und Experten aus verschiedenen Hochschulen und Industriepartnern unter der Leitung der Fachhochschule Graubünden. Die Idee der Forscher: Künstliche Beschneiung. Denn eine Schneedecke soll laut Co-Projektleiter Dieter Müller den Schmelzprozess des Eises durch Reflektion der kurzwelligen Sonnenstrahlung verzögern. Nicht die dicke der Schneedecke sei dabei entscheidend, sondern die vollständige Abdeckung des Gletschers.

Künstlicher Schnee durch Schmelzwasser

Im Winter können erste Tests der entwickelten Technologie an der Talstation Diavolezza in Graubünden durchgeführt werden. Damit soll das Schmelzen des Morteratschgletschers verzögert werden, der noch vor fünfzig Jahren einen Kilometer weiter reichte als heute. Das Ziel sei es zu überprüften, ob die Vorrichtungen unter Umwelteinflüssen wie Temperatur und Wind funktionieren.

Um den Schnee zu erzeugen, soll Schmelzwasser genützt werden. «Wir entnehmen das Wasser einem höher gelegenen Gewässer oder Speichersee und leiten es von dort zum entsprechenden Gletscherabschnitt», so Müller. Steht der Ort der Beschneiung fest, werden Seile mit integrierten Sprühköpfen über den Gletscher gespannt, die den künstlichen Schnee produzieren.

Entwicklung der Hochschule Luzern

Da sich im Laufe der Forschung gezeigt habe, dass sich herkömmliche Beschneiungs-Systeme nur bedingt für das vorgesehene Projekt eignen, wurde an der Hochschule Luzern ein eigens dafür konzipierte Lösung entwickelt. Das Team am Kopetenzzentrum Fluidmechanik und Hydromaschinen entwickelte in Zusammenarbeit mit der Bächler Top Track AG einen speziellen Sprühkopf für die Beschneiung sowie das dazugehörige Leitungssystem und die Entwicklung der Druckluft. Erste Schneiversuche vom Dach des Campus Horw der Hochschule Luzern mit einer Fallhöhe von 25 Metern hätten positive Resultate ergeben.

Geplant ist eine Pilotanlage im Winter 2021/22 am Corvatsch, um die Produktionsreife zu erlangen.

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