Start-up Bluu Seafood stellt Fischstäbchen aus Zellen her

Fischstäbchen aus Zellen könnten bald schon im Supermarkt erhältlich sein: Das deutsche Start-up Bluu Seafood arbeitet dran.

Fischstäbchen aus Zellen könnten bald schon im Supermarkt erhältlich sein: Das deutsche Start-up Bluu Seafood arbeitet dran.

Bluu GmbH / Wim Jansen
Publiziert

Verrückte Food-NeuheitKünstliche Fischstäbli aus dem Labor stehen kurz vor der Zulassung

Ein deutsches Start-up wartet auf die Zulassung seiner zellbasierten Fischstäbchen und Filets. Bluu Seafood aus Lübeck will Fisch im Labor herstellen.

von
Luise Faupel

Als erstes Unternehmen Europas hat sich das Lübecker Food-Tech-Unternehmen Bluu Seafood auf die kommerzielle Herstellung von zellbasiertem Fisch spezialisiert. Die Fischprodukte haben bereits die Marktreife erreicht, nun müssen sie nur noch zugelassen werden. 

Fischstäbchen, Fischbällchen, Lachstatar und Filet aus Zellkulturen sollen einen Beitrag zur Sicherung der zukünftigen Versorgung der Menschen mit tierischem Protein leisten und könnten bereits 2025 auf deinem Teller landen.

Fisch aus Zellen: Wie geht das?

Auch Fischbällchen sind in der Produktpalette enthalten. 

Auch Fischbällchen sind in der Produktpalette enthalten. 

Bluu GmbH / Wim Jansen
Die gezüchteten Fischstäbchen sind in der Herstellung ressourcensparender. 

Die gezüchteten Fischstäbchen sind in der Herstellung ressourcensparender. 

Bluu GmbH / Wim Jansen

Kultivierter Fisch ist aus Fischzellen produziertes Fischfleisch, das im Bioreaktor gezüchtet wird. «Wir entnehmen aus dem Gewebe lebender Forellen oder Lachse Stammzellen und lassen sie in einer Nährlösung zu Muskelzellen heranreifen», so Vizepräsident von Bluu Seafood, Hans-Georg Höllerer.

Bei der Entnahme handelt es sich um eine einmalige Biopsie, also Gewebeentnahme, eines lebenden oder frisch geschlachteten Fisches. Daraus werden dann die Zelllinien aus den Stammzellen entwickelt.

Lachszellen werden aus einem Tank genommen.

Lachszellen werden aus einem Tank genommen.

Bluu GmbH by Henrik Gergen
Bluu-Seafood-CEO Dr. Sebastian Rakers.

Bluu-Seafood-CEO Dr. Sebastian Rakers.

Bluu GmbH by Henrik Gergen
Zellen einer kultivierten Regenbogenforelle unterm Mikroskop.

Zellen einer kultivierten Regenbogenforelle unterm Mikroskop.

Bluu GmbH by Duong Nguyen

Wurden die Zellen erfolgreich isoliert, steht einem unbegrenzten Zellwachstum nichts mehr im Wege. «Da wir eine sogenannte immortalisierte (unsterbliche) Zelllinie kreieren, können die Zellen unbegrenzt wachsen und sich teilen. So können wir eine beliebige Menge an Produkten herstellen, ohne neue Fische töten zu müssen.»

In einem Bioreaktor werden die Zellen dann für ihr Wachstum mit Nährstoffen gefüttert. Dadurch entsteht eine Struktur aus Muskelfasern, die mit pflanzlichen Proteinen angereichert und zu Fischbällchen oder Fischstäbchen geformt werden kann.

Würdest du zellbasierte Fischbällchen essen?

Vorteile von zellbasiertem Fisch

Gezüchtetes Fischfleisch soll gegenüber herkömmlichem viele Vorteile aufweisen. Es habe einen hohen Nährwert, sei nicht wie anderer Fisch mit Schadstoffen belastet und überall verfügbar. So weise das gezüchtete Fischfilet nur kurze Lieferketten auf und der CO2-Fussabdruck bleibe klein – auch, was den Wasser- und Energieeinsatz anbelange, der im Vergleich zur konventionellen, fischverarbeitenden Industrie deutlich geringer ausfalle.

Dem Endprodukt aus zellbasiertem Fisch sind fast keine Grenzen gesetzt. Hier: Ein Lachstatar.

Dem Endprodukt aus zellbasiertem Fisch sind fast keine Grenzen gesetzt. Hier: Ein Lachstatar.

Bluu Seafood / bluu.bio
Fischstäbchen des Unternehmens Bluu Seafood.

Fischstäbchen des Unternehmens Bluu Seafood.

Bluu Seafood / bluu.bio
Auch Fischbällchen stellt das Unternehmen her.

Auch Fischbällchen stellt das Unternehmen her.

Bluu Seafood / bluu.bio

Kultivierter Fisch vs. kultiviertes Fleisch

Vor dem Fischfilet aus Zellen wurde bereits über Fleisch aus Zellen diskutiert. Das US-amerikanische Unternehmen Primeval-Foods will sogar im Labor gezüchtete Löwensteaks und Zebra-Sushi herstellen. 

Bei der Herstellung gibt es Unterschiede: Fischzellen können bei Raumtemperatur kultiviert werden, was Energie spart – für das Arbeiten mit Säugetierzellen benötigt man 37 Grad. Und die Fleischstruktur ist schwieriger nachzuahmen als die von Fisch, da dieser nur aus Muskelgewebe besteht.

3D-gedruckter Fisch in Singapur

90 Prozent aller Fischbestände maximal befischt

Die Nachfrage nach frischem Fisch steigt.

Die Nachfrage nach frischem Fisch steigt.

Getty Images/iStockphoto

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gelten schon heute rund 90 Prozent aller essbaren Fischbestände als maximal befischt oder sogar überfischt, während die Nachfrage mit der wachsenden Weltbevölkerung immer weiter steigt.

How much is the fish?

Wenn sie denn im Supermarkt liegen werden – wie viel kosten die Fischstäbchen aus Zellen? «Im Moment kostet die Herstellung von einem Kilogramm Biomasse noch etwa 100 Euro, rund die Hälfte davon entfällt auf die Wachstumslösung für die Zellen», so Sebastian Rakers, Gründer und Geschäftsführer von Bluu Seafood. «Diese Kosten wollen wir in den nächsten fünf Jahren auf etwa einen Euro je Kilo senken.» Aktuell steht der Euro ziemlich gleich zum Schweizer Franken.

Vielleicht isst du bald schon kultiviertes Sashimi.

Vielleicht isst du bald schon kultiviertes Sashimi.

Bluu GmbH / Wim Jansen

Mit der Zulassung und Markteinführung der ersten Produkte rechnet das Unternehmen ab 2023. Voraussichtlich wird dies als Erstes in Singapur der Fall sein, weil der Zulassungsprozess dort bereits am weitesten definiert ist. Man wolle die Zulassung aber auch in den USA, in Grossbritannien und der EU beantragen.

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