10.11.2020 11:48

Hohe TrefferquoteKünstliche Intelligenz erkennt Corona-Infizierte am Husten

Einmal auf Kommando husten, einen kurzen Moment warten, und schon weiss man, ob man an Covid-19 erkrankt ist oder nicht. Das soll bald möglich sein: Forschende haben eine künstliche Intelligenz dazu gebracht, normale Huster von Corona-Hustern zu unterscheiden.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Neue Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus.

  • Eine von US-Forschern entwickelte künstliche Intelligenz kann das Husten von Covid-19-Patienten und nicht an Sars-CoV-2 erkrankten Personen unterscheiden.

  • Die Trefferquote liegt bei 98,5 bis 100 Prozent.

Um im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 die Oberhand zu behalten, ist es wichtig, infizierte Personen so schnell wie möglich zu identifizieren und vorübergehend zu isolieren. Doch die gegenwärtige Situation in der Schweiz zeigt: Das ist leichter gesagt als getan.

Dies nicht nur, weil Contact-Tracing und Labore aufgrund der schieren Fälle nicht mehr nachkommen, sondern auch weil die Betroffenen bereits vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen ansteckend sind. Zudem tragen viele das Virus zwar in sich, wissen aber nichts davon – weil sie asymptomatisch bleiben.

Vor allem bei asymptomatisch Erkrankten stark

Eine von Forschenden des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge entwickelte künstliche Intelligenz (KI) könnte künftig die Identifizierung der Fälle erleichtern und so «die Früherkennung revolutionieren», wie ScienceAlert.com schreibt: Sie ist in der Lage, anhand von einem absichtlichen Husten zu erkennen, ob jemand infiziert ist oder nicht.

Und das mit einer beeindruckenden Genauigkeit, teilt die Hochschule mit: Nachdem das Team um Jordi Laguarta die KI mit Zehntausenden Husten- und Sprachproben gefüttert und trainiert hat, erkennt sie Covid-19-Betroffene nun in 98,5 Prozent der Fälle. Noch eindeutiger soll die KI asymptomatisch Erkrankte identifizieren: Gemäss der im «IEEE Open Journal of Engineering in Medicine and Biology» publizierten Studie liegt die Trefferquote in diesem Fall bei 100 Prozent.

Die KI macht sich zunutze, dass das Coronavirus die Lunge verändert, was sich auch auf den Klang des Hustens auswirkt (siehe Soundfile oben). Die Variationen sind laut den Forschenden so gering, dass sie mit dem menschlichen Ohr kaum wahrnehmbar sind.

Feinste Unterschiede beim Husten bringen die KI auf die richtige Spur. 

Feinste Unterschiede beim Husten bringen die KI auf die richtige Spur.

Getty Images / iStockphoto

Potenzial zum Türöffner

Laut den Wissenschaftlern soll ihre Technologie nicht zur Diagnose eingesetzt werden. Deren Hauptwert liege darin, den Unterschied zwischen gesundem Husten und ungesundem Husten bei asymptomatischen Menschen zu erkennen. Die KI soll vielmehr als Frühwarnsystem eingesetzt werden: «Die wirksame Umsetzung dieses Gruppendiagnostikinstruments könnte die Ausbreitung der Pandemie eindämmen. Beispielsweise, indem es jeder nutzt, bevor er in ein Klassenzimmer, eine Fabrik oder ein Restaurant geht», so Laguartas Kollege Brian Subirana zu ScienceAlert.com.

Die Forscher wollen ihre künstliche Intelligenz nun in eine App integrieren, mit der das System einfach überall genutzt werden kann. Wie lange die Entwicklung dauert, die zusammen mit einem japanischen Pharmakonzern vorangetrieben wird, ist allerdings noch unbekannt.

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81 Kommentare
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Herkül

11.11.2020, 13:53

Computer wertet akustische Signale aus und schon jubeln Trivialblättchen über künstliche Intelligenz. Man kann sie vor jeden Karren spannen...

Räusper

11.11.2020, 13:48

Wobei viele Corona-Positiv getestete gar nicht husten, bzw. ich kenne nur solche, die keinen Husten als Symptom hatten.

Heimeli

11.11.2020, 10:42

Super Sache, wenn wir dann endlich zur Normalität zurückkehren könnten, so wie vor Corona.