Aktualisiert 05.05.2014 06:59

Switzerlanded!

«Kürzen kostete doppelt so viel wie das Shirt selbst»

Expats verwenden für die hohen Preise und andere Schweizer Eigenheiten den Ausdruck «to be switzerlanded». Unsere Leser aber wissen: «Switzerlanded» muss nicht nur Negatives bedeuten.

von
hum

Die US-Folk-Band «The Last Bison» wurde bei einem Besuch in der Schweiz dermassen «switzerlanded», dass sie dem Land sogar einen Song gewidmet hat. Der Song «Switzerland» behandelt nämlich genau das, was viele Besucher, Touristen und Expats hier erleben: hohe Preise. In der zweiten Strophe des Songs heisst es übersetzt:

Unsere Drinks waren kaum den Preis wert, den wir bezahlt haben / aber wir haben Gott trotzdem dafür gedankt / innert fünf Minuten haben wir das Schlimmste hinter uns gebracht,

/ um mehr Geld auszugeben, als wir hatten.

Dinge, die Schweizer total normal finden

Auch Leserin Meli erlebte die Schweiz von der eher unangenehmen Seite, als sie ein neues Oberteil für 30 Franken gekauft hat: «Ich habe die Träger etwas kürzen lassen und bezahlte dafür 60 Franken – doppelt so viel wie für das Kleidungsstück selbst.» Ähnlich erging es einem Leser, der in den Ferien zwei seiner Hosen vergessen hatte. Als ihm das Hotel diese zuschickte, durfte er dafür 52 Franken beim Zoll abdrücken. Andere lernen aus den Erfahrungen mit den hiesigen Preisen, wie die Freundin von Leser Daniel: «Sie fuhr versehentlich 16 km/h zu schnell, was sie 700 Franken kostete sowie eine Gefängnis-Androhung im Wiederholungsfall. Seither fährt sie Zug.»

Allen oben genannten bleibt zu sagen: Gratulation, you got switzerlanded! Ihr wurdet alle von «Überraschung und Fassungslosigkeit übermannt bei Erfahrungen, die Schweizer total normal finden; der Kulturschock, der vorkommt, wenn man neu mit dem Schweizer Alltag konfrontiert wird», so die (inoffizielle) Definition.

Viele Leser beschreiben ausserdem die Unfreundlichkeit von Dienstleistern, wie etwa Kassierern oder Service-Angestellten. Auch dies komme in der Schweiz sehr oft vor und könne bei Besuchern einen kleinen Kulturschock auslösen.

Die Kehrseite des Fünflibers

Doch der Ausdruck muss nicht nur Negatives bedeuten. Viele Leser benutzen ihn durchaus auch gerne für die Dinge, die in der Schweiz gut laufen. So schreibt etwa Leser Alain: «Öffentliche Verwaltung funktioniert, Strassen sind gut in Schuss, direkte Demokratie – das ist die positive Seite von switzerlanded.» Auch Leser David, der aus San Francisco stammt, ist mit gutem Gewissen «switzerlanded»: «Ich werde gut bezahlt, habe eine Krankenkasse, sechs Kinder, deren Studium ich ohne Schulden zu machen bezahlen kann, lebe in einem wunderschönen Land.» Auch gibt es andere Selbstverständlichkeiten für Schweizer, die Besucher in ihrem Land so nicht kennen. Eine Geschichte schrieb uns Leser Alain, der mit einem costa-ricanischen Bauern in der Schweiz unterwegs war. Bei einem Feld hielt er an, holte sich einen Sack Äpfel und warf das Geld ins aufgestellte Kässeli: «Bis heute ist es dem Bauern aus Costa Rica noch immer unbegreiflich, dass so etwas ohne Überwachung möglich sein kann.»

Auch all diesen Menschen sei gesagt: Gratulation, you got switzerlanded! Es ist schliesslich bekannt, dass jede Münze ihre Kehrseite hat – auch der Schweizer Fünfliber. Nicht umsonst heisst es im Song von The Last Bison im Refrain: Oh, Switzerland, du hast mir schon wieder den Atem geraubt. Und das ist bestimmt positiv gemeint.

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