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GoldküstenprüglerKüsnachter Schläger verprügelten Behinderten

Die drei Zürcher Schläger hinterliessen in München eine Spur des Grauens. Sie attackierten drei Arbeitslose und einen Studenten und schlugen einen 46-jährigen Versicherungskaufmann halb tot. Selbst vor wehrlosen Opfern machten sie nicht Halt.

von
meg

Die Spur des Grauens, die die Zürcher Jugendlichen in München hinterliessen, wird immer krasser. Die Münchner Polizei hat inzwischen die Opfer aus dem Nussbaumpark ermittelt und vernommen. Auch die Verletzungen wurden untersucht. Das Bild, das die Polizei von der Tatnacht hat, zeigt: Die Jugendlichen prügelten auf Alkoholiker, Behinderte, einen Studenten und den 46-jährigen Versicherungskaufmann Wolfgang O. ein. Die Polizei hat nun das Protokoll der Tatnacht gezeichnet.

Die Tatnacht

Die fünf Schweizer Schüler waren in der vergangenen Woche auf einer Abschlussfahrt ihrer Wirtschafts- und Berufsfachschule in München. Nachdem man noch gemeinsam - 30 Schüler, vier Lehrkräfte - in einem Lokal ein Abendessen eingenommen hatte, durften die Schüler den restlichen Abend, ab etwa 19.00 Uhr, in freier Gestaltung verbringen. Es bildete sich eine Gruppe von etwa sieben oder acht Schülern, zu denen die fünf Beschuldigten gehörten. Sie besorgten sich Alkoholika und zogen vom Hauptbahnhofviertel in Richtung Sendlinger-Tor-Platz bzw. Nussbaumpark. Dort liess sich die Gruppe nieder, trank Alkohol und konsumierte Marihuana.

Fall 1

In der Nähe der Gruppe befanden sich drei 43, 56 und 64 Jahre alte Arbeitslose, mit denen sich die Jugendlichen zunächst vereinzelt unterhielten. Plötzlich wurde einer der 16-jährigen Schüler aggressiv und schlug mit seiner Faust auf diese Männer ein. Der zweite 16-Jährige begann, es seinem Mitschüler gleich zu tun, und schlug sowohl mit seinen Fäusten gezielt nach den Männern als auch mittels Fusstritten gegen den Kopf. Zwei der angegriffenen Männer waren - zumindest für kurze Zeit - nicht ansprechbar und lagen reglos am Boden.

Bei diesen Handlungen schreckte die Täter auch nicht ab, dass eines der Opfer — auch nach aussen hin ersichtlich — an Armen und Schultern stark behindert ist. Ohne sich weiter um die verletzten Männer zu kümmern, entfernte sich die komplette Schülergruppe in Richtung Sonnenstrasse.

Fall 2

Am Ende des Sendlinger-Tor-Platzes, Höhe Anwesen Nummer 7, traf die Gruppe auf den 46-jährigen Versicherungskaufmann. Ohne jegliche Vorwarnung schlug einer der 16-jährigen Schüler dem Opfer ins Gesicht und brachte ihn dadurch zu Fall. Die beiden anderen 16-Jährigen traten mit ihren Füssen von der Seite auf das am Boden liegende Opfer ein, mit einer solchen Vehemenz, dass die Schläge zu schwersten Verletzungen führten. Eine die Gruppe begleitende Mitschülerin und ein weiterer Schüler wollten sich noch um das wehrlose Opfer kümmern, als die Gruppe ihren Zug fortsetzte.

Fall 3

In der Sonnenstrasse, auf Höhe des Anwesens Nummer 24, trafen die Schüler nunmehr auf einen 27-jährigen bulgarischen Studenten. Auch hier tat sich einer der 16-jährigen Schüler als erster hervor und griff den Studenten unvermittelt mit einem Ellenbogenschlag in Richtung Gesicht beziehungsweise Hals an. Die beiden 16-jährigen Mitschüler schlugen nach und trafen den Studenten ebenso im Gesicht und am Hals. So plötzlich wie sie auf den Studenten einschlugen, so schnell verschwand die Gruppe und floh in ihre Pension in der Landwehrstrasse.

Bei den Verletzungen handelt es sich von Hämatomen, Prellungen bis hin zu schwerwiegenden Gesichtsverletzungen. Teilweise waren die Geschädigten kurzzeitig bewusstlos. Konkret lebensgefährliche Verletzungen entstanden nicht.

Hauptopfer kann sich nicht erinnern

Der verletzte Versicherungskaufmann wurde inzwischen vernommen. Allerdings könne er sich nach dem erlittenen Faustschlag nicht mehr an den weiteren Verlauf der Attacke erinnern, teilen die Münchner Ermittler in einem Communiqué mit. Die Behandlung seiner Knochenfrakturen werde noch einige Zeit andauern. Der Mann wurde in ein Krankenhaus ausserhalb Bayerns verlegt und bleibt weiterhin in stationärer Behandlung. Der Entlassungstermin ist noch nicht abzusehen.

Wie Staatsanwalt Andreas Franck am Montag vor den Medien sagte, rechnet er mit einer Anklageerhebung in drei bis vier Monaten. Die drei Beschuldigten werden sich vor einer Jugendkammer des Landgerichts München zu verantworten haben. Auf Mord steht in Deutschland eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren.

Schläger von München will sich entschuldigen

Einer der drei Küsnachter Schüler bereitet eine Entschuldigung an die Opfer vor. Das sagte der Rechtsanwalt des Jugendlichen der «NZZ am Sonntag». Weiter erklärte der Anwalt, der 16-jährige Schüler sei völlig fassungslos und könne sich nicht erklären, warum und wie es überhaupt zu den brutalen Angriffen gekommen sei.

Bei den drei Tätern handelt es sich nicht um typische Jugend-Kriminelle. Sie waren mehrheitlich integriert, fielen in der Schule kaum auf und hatten eine Lehrstelle. Zwei der drei Schüler sind gebürtige Schweizer, einer ist Slowene.

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