Aktualisiert 27.01.2015 19:01

BLT zensuriert Kampagne

Küssende Homosexuelle zu anstössig

Der Jugendtreff Anyway hängt in Basler Trams Plakate von Anderssexuellen aus. Während die BVB der Aktion offen gegenüberstehen, lehnt die BLT Kussplakate ab.

von
Dominique Artacho
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Ab Februar zieren Plakate gleichgeschlechtlicher Paare Basler Trams.

Ab Februar zieren Plakate gleichgeschlechtlicher Paare Basler Trams.

Anyway
Das Aufhängen von sich küssenden homosexuellen Pärchen wurde jedoch von der BLT verweigert.

Das Aufhängen von sich küssenden homosexuellen Pärchen wurde jedoch von der BLT verweigert.

Anyway
Lediglich Plakate ohne Küsse erlaub die BLT.

Lediglich Plakate ohne Küsse erlaub die BLT.

Anyway

Am 2. Februar startet die fünfwöchige Plakat-Kampagne. Sie richtet sich in erster Linie an anderssexuelle Jugendliche – Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders – und verweist auf den Basler Jugendtreff Anyway, der jungen Menschen bis 25 Jahren rund ums Thema Coming-out Unterstützung bietet.

«Die Kampagne soll zudem die Sichtbarkeit von Anderssexuellen erhöhen und die Öffentlichkeit zum Nachdenken anregen», sagt Alexandra Barth (26) von Anyway. Denn obwohl in der Schweiz die Akzeptanz gegenüber Anderssexuellen gross ist, ist sie laut Barth noch nicht dort angelangt, wo sie sein sollte.

Küssende Paare

Die erste Tramplakat-Kampagne lancierte der Jugendtreff im Oktober 2012 – mit vollem Erfolg. «Das Feedback war super und viele Jugendliche meldeten sich im Anschluss an diese Aktion bei uns», so Barth. Auch wurde Anyway im November letzten Jahres mit dem Chancengleichheitspreis beider Basel ausgezeichnet. Dank einem Teil des Preisgeldes können auch dieses Jahr die Basler Trams wieder mit Plakaten geschmückt werden, wenn auch mit ein paar Änderungen gegenüber 2012.

«Diesmal gehen wir einen Schritt weiter. Neu sind auf den Plakaten auch sich küssende gleichgeschlechtliche Paare zu sehen», sagt Barth. Somit gehen vier der insgesamt 14 Sujets etwas über das harmlose Umarmen, wie es bereits auf den Plakaten von 2012 zu sehen war, hinaus.

«Die BLT hat ihre Richtlinien»

Anyway musste jedoch die Plakat-Kampagne für die Tramlinien der BLT einschränken. So wurden diejenigen Fotos, die gleichgeschlechtliche Paare küssend zeigen, von der Direktion für den Aushang abgelehnt. «Die BLT hat Richtlinien, an die sie sich hält», sagt der Direktor Andreas Büttiker.

Anstössige Werbung, die die Fahrgäste womöglich stören könnte, sei in den Trams untersagt. Folglich hat sich die BLT nach langem Hin und Her gegen die Veröffentlichung der Kuss-Plakate ausgesprochen. «Trotzdem ermöglichen wir die Aktion zugunsten Anderssexuellen – wenn auch mit Zurückhaltung und einigen Einschränkungen», so Büttiker.

Pink Cross ist empört

Für Bastian Baumann von Pink Cross ist der Entscheid der BLT nicht nachvollziehbar: «Die Ablehnung mit der Begründung, dass ein sich küssendes gleichgeschlechtliches Paar in der Gesellschaft womöglich als anstössig empfunden werden könnte, ist für mich schlichtweg homophob und zensurierend.» Baumann erwarte von einem Schweizer Transportunternehmen, dass es stolz auf die Vielfalt seiner Kunden sei und nicht in vorauseilendem Gehorsam aus Angst den Dialog unterbinde.

Der Jugendtreff jedoch nimmt den Entscheid gelassen. «Die Reaktion der BLT bestätigt, wie wichtig unsere Tramplakat-Aktion und das Thematisieren der Anderssexualität ist», sagt Barth. Die komplette Plakatreihe könne aber in den BVB-Trams betrachtet werden.

Jugendtreff Anyway

Der Basler Jugendtreff Anyway wurde 2011 von einer Gruppe junger Erwachsener gegründet. Gegenwärtig wird der Verein von der dritten Generation mit acht aktiven Leitern geführt. Als selbständige Arbeitsgruppe hat sich Anyway der Homosexuellen Arbeitsgruppe Basel (habs) angegliedert.

Der anderssexuelle Jugendtreff bietet Basler Jugendlichen bis 25 Jahren einen Treffpunkt, an dem das Thema «Coming Out» behandelt wird und Gleichgesinnte sich gegenseitige helfen. Auch setzt sich Anyway für die Interessen anderssexueller Menschen in der Region Basel ein und unterstützt Initiativen, die eine offenere Gesellschaft zum Ziel haben.

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