Kulturelle Aneignung?: Papst mit indigenem Feder-Kopfschmuck sorgt für Kontroverse

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Kulturelle Aneignung?Papst mit indigenem Feder-Kopfschmuck sorgt für Kontroverse

Viele Ureinwohner fühlen sich von dem Anblick in ihren Gefühlen verletzt, andere verteidigen die Geste von Chief Wilton Littlechild nach Franziskus’ Bitte um Vergebung.

Chief Wilton Littlechild übergibt Papst Franziskus einen traditionellen Federkopfschmuck.

AP

Darum gehts

  • Papst Franziskus wurde bei seiner Bitte um Vergebung in Kanada ein traditioneller indigener Kopfschmuck übergeben.

  • Die Szene löste gemischte Reaktionen aus.

  • Einige kritisieren den Papst nun für kulturelle Aneignung.

Inmitten der Diskussion über kulturelle Aneignung, die in der Schweiz gerade läuft, hat die Übergabe des Kopfschmucks an Papst Franziskus bei dessen Büsserreise in Kanada für Aufsehen gesorgt. Ein Federkopfschmuck indigener Häuptlinge, wie ihn Chief Wilton Littlechild Franziskus übergab und dieser ihn für einen kurzen Moment trug, ist in allen indigenen Völkern von hoher Symbolkraft. Bei den Prärie-Stämmen in den USA zum Beispiel, musste jede Feder mit einer Tat des Mitgefühls oder der Tapferkeit verdient werden.

Lange hatte die katholische Kirche gebraucht, um ihre, wie Franziskus sagte, desaströse Rolle bei der in Kanada vom 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre praktizierten Assimilierungspolitik anzuerkennen und sich dafür zu entschuldigen. Darum war es ein emotionaler Moment, als dem Papst der traditionelle Kopfschmuck aufgesetzt wurde.

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Bei seiner Entschuldigungsrede in Maskwacis, Kanada, wurde Papst Franziskus ein traditioneller Kopfschmuck aufgesetzt.

Bei seiner Entschuldigungsrede in Maskwacis, Kanada, wurde Papst Franziskus ein traditioneller Kopfschmuck aufgesetzt.

REUTERS
Übergeben wurde ihm der Kopfschmuck vom kanadischen Chief Wilton Littlechild (Mitte).

Übergeben wurde ihm der Kopfschmuck vom kanadischen Chief Wilton Littlechild (Mitte).

AFP

Die Anwesenden der Audienz in Kanada applaudierten. Aber es gab auch kritische Reaktionen in den indigenen Gemeinschaften Nordamerikas – und viele negative Reaktionen auf Twitter. Russ Diabo vom Stamm der Kahnawake Mohawk in Kanada, ein indigener Anwalt und politischer Aktivist, bezeichnete die Szene und Franziskus’ Erklärung als oberflächlichen Prunk.

Eine Twitter-Userin schreibt, sie sei von der Szene nicht geschockt, aber es tue weh. «Die Eingeborenen sind schon lange Zeit konservativ, im Christentum assimiliert und ihren eigenen Leuten gegenüber schädlich; die Verleihung heiliger Insignien an ein Aushängeschild einer Institution, die uns immer wieder Schaden zufügt, ist eine Folge davon», heisst es weiter.

Der Vizepräsident und Kurator eines Museums für indigene Geschichte und Kultur in Los Angeles, Joe Horse Capture, twitterte: «Ich habe so viel dazu zu sagen, und es ist alles negativ.» Er praktiziere aber das Mantra: «Wenn du nichts Positives sagen kannst, sage gar nichts.»

Die Deutsche Alexandra Leipold, die in der Linksfraktion Bonn organisiert ist, schreibt in einem Tweet, die Szene sei «kulturelle Aneignung at its best». Und sie fragt: Wie können Sie es wagen, nach dem, was Ihre Institutionen den Schwachen und Hilflosen angetan haben. Justin und Sascha Trudeau, wo seid ihr?

«Die wahren Néhiyaw mögen es nicht, wenn man einem Weissen, ob Papst oder nicht, einen Kopfschmuck überreicht», schreibt eine Person auf Twitter, die wohl selbst zum Stamm gehört. «Néhiyaw» ist eine andere Bezeichnung für die Cree, ein indigenes Volk, dessen Stammesgebiet in Nordamerika, unter anderem auch in Kanada, liegt.

Andere nahmen die Szene mit Humor. Ein User postete ein Bild von sich mit einer typischen päpstlichen Kopfbedeckung und schrieb dazu: «Als der Papst mich ehrte, nachdem er mir meine lebenslangen Sünden und vorsätzlichen systematischen Verbrechen vergeben hatte.

Eine Sprecherin Littlechilds antwortete am Dienstag zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Sein Enkel Keeshon Littlechild schrieb aber auf Facebook: «Es nervt mich, Leute meinen Grossvater schlecht machen zu sehen ... am Ende des Tages war er es, der dem Papst Respekt erwiesen hat dafür, dass er den weiten Weg nach Makwacis gemacht hat, um sich zu entschuldigen.»

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(DPA/bre)

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