07.10.2019 02:52

SwisscomKunden roamen doppelt so viel, wenns gratis ist

Seit die Swisscom das Roaming abgeschafft hat, surfen Kunden fast doppelt so viel im Ausland. Wie kann sich die Swisscom das leisten?

von
rkn
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Swisscom-Kunden nutzen fast doppelt so viele Roaming-Daten wie noch vor einem Jahr.

Swisscom-Kunden nutzen fast doppelt so viele Roaming-Daten wie noch vor einem Jahr.

Keystone/Georgios Kefalas
Diesen Sommer hat sich die Roaming-Nutzung in manchen Feriendestinationen sogar verdreifacht – so etwa in Portugal.

Diesen Sommer hat sich die Roaming-Nutzung in manchen Feriendestinationen sogar verdreifacht – so etwa in Portugal.

Joao Relvas
Besonders gross war das Wachstum auch in Norwegen, Slowenien und Dänemark.

Besonders gross war das Wachstum auch in Norwegen, Slowenien und Dänemark.

Swisscom

Anfang Jahr verkündete die Swisscom, dass sie Roaming-Kosten nun endlich abgeschafft habe. Der Konzern setzt voll auf das Abo InOne Mobile Go, bei dem fürs Roaming innerhalb Europas keine Zusatzkosten entstehen. Seither surfen die Kunden auch mehr im Ausland.

Wie die Swisscom auf Anfrage mitteilt, haben sich die Roaming-Datenvolumen innert Jahresfrist fast verdoppelt. Während der Ferienmonate Juli und August sei das Wachstum in manchen Ländern sogar noch grösser gewesen: In Portugal gingen Swisscom-Kunden dreimal mehr per Handy ins Internet als noch im Vorjahr. Besonders gross war das Wachstum auch in Norwegen, Slowenien und Dänemark.

Mehr Datennutzung als zu Hause

Am meisten Datenroaming gab es während der Sommerferien 2019 in Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland und Portugal. Kunden mit unlimitiertem Roaming würden im Ausland generell mehr mobile Daten nutzen als in der Schweiz, sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk zu 20 Minuten. Das liege vermutlich daran, dass in den Ferien oft kein WLAN zur Verfügung stehe und man unterwegs einen grösseren Informationsbedarf habe.

Rund 90 Prozent der genutzten Roaming-Daten sind im Abo inbegriffen und werden den Swisscom-Kunden nicht mehr separat in Rechnung gestellt. Wie finanziert der Konzern das? «Über Verhandlungen mit ausländischen Netzbetreibern kann Swisscom tiefere Preise erzielen und ihren Kunden als Vorteil weitergeben», sagt Merk dazu.

50 Franken im Monat für Roaming

Für Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Moneyland ist hingegen eher der Preis des InOne Mobile Go ausschlaggebend: «80 Franken ist relativ viel für ein Handyabo.» Innerhalb der Schweiz sei es in der Regel möglich, eine Flatrate für 30 Franken zu erhalten.

Entsprechend koste das inkludierte Roaming beim InOne Mobile Go sozusagen 50 Franken im Monat. «So kann es die Swisscom natürlich gut verkraften, wenn sich die Datenmenge verdoppelt.»

Kunden dürften draufzahlen

Den Experten würde darum interessieren, wie viel Gigabyte Roaming-Daten ein Kunde jährlich effektiv nutzt – eine Zahl, die die Swisscom nicht kommuniziert. Beyeler vermutet, dass das Roaming übers Jahr gesehen kaum ins Gewicht fällt: «Wer über längere Zeit ein InOne Mobile Go für 80 Franken hat, um in den Ferien Roaming-Kosten zu sparen, dürfte draufzahlen.»

Es sei für Konsumenten nämlich schwierig einzuschätzen, wie viel Datenvolumen sie wirklich brauchen, so Beyeler: «Viele von uns nutzen viel weniger Daten, als wir meinen.»

Hier gibts wenig Roaming

In einzelnen Ländern, etwa Kuba oder Namibia, wird laut Swisscom besonders wenig geroamt. «Dies sind vor allem Länder, die an ihren extrem hohen Einkaufspreisen festhalten», sagt Sprecherin Annina Merk.

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