Zu faul zum Wechseln: Kunden schenken Banken fast 8 Milliarden Franken
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Zu faul zum WechselnKunden schenken Banken fast 8 Milliarden Franken

Mit einem Wechsel der Bank könnten die Kunden viel Geld sparen. Das tun sie aber meist nicht – aus Bequemlichkeit.

von
dob
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Bankkunden in der Schweiz sind treue Seelen. Das hat aber seinen Preis.

Bankkunden in der Schweiz sind treue Seelen. Das hat aber seinen Preis.

Gabriele Putzu
Würden sie sich für den günstigsten Anbieter entscheiden, könnten sie 7,9 Milliarden Franken sparen, wie der Vergleichsdienst Moneyland ausgerechnet hat.

Würden sie sich für den günstigsten Anbieter entscheiden, könnten sie 7,9 Milliarden Franken sparen, wie der Vergleichsdienst Moneyland ausgerechnet hat.

Keystone/Martin Ruetschi
Jeder Privatkunde könnte pro Jahr rund 1000 Franken sparen, wenn er sein Privatkonto mit Debitkarten, sein Sparkonto, seine Säule 3a oder seine Hypothek an die preisgünstigste Bank vergeben würde.

Jeder Privatkunde könnte pro Jahr rund 1000 Franken sparen, wenn er sein Privatkonto mit Debitkarten, sein Sparkonto, seine Säule 3a oder seine Hypothek an die preisgünstigste Bank vergeben würde.

Keystone/Gaetan Bally

Wer hat, dem wird gegeben – nach diesem Motto gehen Bankkunden mit ihrem Geldinstitut in der Schweiz um. Würden sie sich für den günstigsten Anbieter entscheiden, könnten sie 7,9 Milliarden Franken sparen.

Oder anders ausgedrückt: Jeder Privatkunde könnte pro Jahr rund 1000 Franken sparen, wenn er sein Privatkonto mit Debitkarten, sein Sparkonto, seine Säule 3a oder seine Hypothek an die preisgünstigste Bank vergeben würde.

Kunden schauen weniger auf Preis

Dieses Sparpotenzial schätzt der Vergleichsdienst Moneyland, indem er volumengewichtet die Differenz zum jeweils günstigsten Angebot hochrechnet. Warum sich Bankkunden in der Schweiz diese Summe entgehen lassen, erklärt sich der Vergleichsdienst mit Bequemlichkeit.

Allgemein seien Kunden in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Ländern treu, sagt Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz zu 20 Minuten. Das sei zwar eine positive Eigenschaft. «Aber im Fall von Banken und Versicherungen kann sich das im Portemonnaie rächen.» In der «reichen» Schweiz schauten die Kunden auch weniger auf die Preise.

Banken binden Kunden

Laut Manz hätten die Banken zudem Strategien, damit die Kunden möglichst wenig wechseln. «Kombi-Pakete machen beispielsweise einen Vergleich und Wechsel schwieriger.» Je nach Produkt ist ein Wechsel aufwendig. Das könne schon beim Privatkonto sehr mühsam sein.

Davon profitieren die Institute. Allein die Kantonalbanken haben für 2017 einen Jahresgewinn von zusammengenommen fast drei Milliarden Franken vermeldet. «Für die hohen Gewinn- und Umsatzzahlen sind nicht zuletzt Schweizer Bankkunden verantwortlich, die trotz steigenden Gebühren und sinkenden Zinsen ihren Hausbanken die Stange halten», lässt sich der Moneyland-Analyst Michael Burkhard in einer Mitteilung vom Mittwoch zitieren.

Grosses Sparpotenzial bei Vermögensverwaltung

Das grösste Sparpotenzial von jährlich 2,46 Milliarden Franken macht der Vergleichsdienst bei der Vermögensverwaltung aus – dies wegen der hohen Vermögensverwaltungs- und Fondsgebühren.

Weitere 2,3 Milliarden Franken an jährlichem Sparpotenzial liegt bei den Hypotheken. Grund hierfür sei, dass Privatkunden nicht zum Anbieter mit den tiefsten Zinsen wechselten. Die maximale Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter liegt immerhin bei 2700 Franken pro Jahr.

Unterschiedliche Zinsen beim Sparkonto

Bei den Sparkonten liessen sich 1075 Millionen Franken sparen, weil sich einzelne Banken mit ihren Zinssätzen deutlich vom Durchschnitt abheben. Weitere 769 Millionen Franken könnten Kunden mit Privatkonten sparen, wenn sie die Gebühren für Dienstleistungen wie die Kontoführung vergleichen würden.

Weiteres Sparpotenzial macht der Vergleichsdienst bei Kreditkarten (550 Millionen Franken), Säule-3a-Fonds (199 Millionen Franken), Säule-3a-Sparkonten (198 Millionen Franken), Privatkrediten (160 Millionen Franken) oder beim Online-Trading (158 Millionen Franken) aus. (dob/sda)

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