Joghurt und Glace: Kunden sollen Essen aus dem «Quetschie» saugen

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Joghurt und GlaceKunden sollen Essen aus dem «Quetschie» saugen

Die Nachfrage nach bequemem Essen für unterwegs ist ungebrochen hoch. Deshalb tüftelt die Lebensmittelbranche an neuen Verpackungen – etwa dem Quetschbeutel.

von
F. Lindegger
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Das «Squice»-Softeis kommt im Beutel daher. Das sei praktisch, vor allem für Kinder, heisst es beim Hersteller Midor. Und sorge für weniger Abfall.

Das «Squice»-Softeis kommt im Beutel daher. Das sei praktisch, vor allem für Kinder, heisst es beim Hersteller Midor. Und sorge für weniger Abfall.

20 Minuten
Auch  Emmi setzt auf den Quetschbeutel und lanciert eine neue Joghurtlinie.

Auch Emmi setzt auf den Quetschbeutel und lanciert eine neue Joghurtlinie.

Emmi
Bei Herstellern von Babynahrung ist diese Form der Verpackung besonders beliebt.

Bei Herstellern von Babynahrung ist diese Form der Verpackung besonders beliebt.

Nestlé

Bei Nahrung aus dem Beutel denken wohl viele an Astronautenfutter. Oder an jene Powergels, die Sportler während des Wettkampfs oder Trainings zu sich nehmen. In jüngster Zeit setzten zudem viele Hersteller von Babynahrung auf Produkte im Beutel. Vor allem pürierte Früchte stecken in den sogenannten Quetschies für Kleinkinder.

Die Vorteile der Quetschbeutel entdecken nun offenbar immer mehr Lebensmittelhersteller. Der Migros-Betrieb Midor lancierte kürzlich eine Glace im Beutel. Das Produkt sei bisher einzigartig in Europa, erklärte eine Sprecherin.

Handliche Verpflegung für unterwegs

Auch Emmi setzt auf den Quetschbeutel und bietet neu Früchtejoghurt in vier verschiedenen Sorten in dieser Aufmachung an. Der Milchverarbeiter hat es dabei vor allem auf die Kundschaft, die viel unterwegs ist, abgesehen. Das Joghurt pur to go, so der Name des neuen Produkts, sei etwa ideal für Pendler, da es ohne Löffel gegessen werden könne. Sechs Stunden lasse sich das Joghurt ungekühlt aufbewahren.

Das Essen aus dem Beutel ist Teil des anhaltenden Convenience-Trends. Kunden fragen immer mehr «bequemes Essen» nach. Zudem nimmt Verpflegung für unterwegs (to go) laufend eine grössere Rolle ein. Das hat auch Auswirkungen auf die Verpackungen. «Produkte für unterwegs haben andere Anforderungen als die klassischen Produkte im Regal», sagt Selçuk Yildirim, Professor für Lebensmittel- und Verpackungstechnologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Die Verpackungen müssen leichter, wiederverschliessbar und einfach zu öffnen sein.»

Eher für die Wanderung als fürs Znüni

Die Quetschies werden laut Yildirim aber ein Nischenprodukt bleiben. Einerseits eigneten sich die Beutel nicht für sämtliche Lebensmittel, sondern vor allem für jene in dickflüssiger Form. Anderseits gebe es auch beim Zielpublikum Einschränkungen. «Bei Erwachsenen könnte die ungewöhnliche Aufmachung ein Hindernis sein», so Yildirim. Für Produkte, die in der Znünipause konsumiert werden, sei es deshalb vielleicht nicht die ideale Verpackung. «Bei einem Artikel, den man auf die Wanderung mitnimmt, dürfte ein Quetschbeutel dagegen besser akzeptiert werden.»

Für Emmi ist das Joghurt aus dem Quetschbeutel ein Versuch. «Es ist unser erstes Produkt in einer solchen Verpackung», erklärt Sprecherin Sibylle Umiker 20 Minuten. Das Unternehmen will nun herausfinden, wie Milchprodukte im Beutel bei den Kunden ankommen. Weitere Produkte seien bisher nicht geplant.

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