Luzern: «Kundinnen haben Angst, bei Täxelern einzusteigen»
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Luzern«Kundinnen haben Angst, bei Täxelern einzusteigen»

Seit ein Taxichauffeur in Kriens eine Schülerin vergewaltigt haben soll, sind Taxi-Kundinnen verunsichert. Viele steigen nur noch bei Taxi-Chauffeusen ein.

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dag/gwa
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In der Sternmatt in Kriens soll der Taxifahrer die Austauschschülerin Ende März vergewaltigt haben.

In der Sternmatt in Kriens soll der Taxifahrer die Austauschschülerin Ende März vergewaltigt haben.

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Seither stellen Luzerner Taxifahrer fest, dass viele Taxi-Kundinnen nicht mehr gerne zu Taxifahrern ins Fahrzeug steigen - und stattdessen Taxifahrerinnen bevorzugen.

Seither stellen Luzerner Taxifahrer fest, dass viele Taxi-Kundinnen nicht mehr gerne zu Taxifahrern ins Fahrzeug steigen - und stattdessen Taxifahrerinnen bevorzugen.

Keystone/Christian Beutler

«Wir spüren, dass viele Kundinnen Angst haben, zu einem Mann ins Taxi zu sitzen», sagt Othmar Lang, Inhaber des Smiley-Taxi aus Stans. Langs Vorteil: Er fährt viele treue Stammkunden in der Zentralschweiz herum. «Diese Kunden kennen mich und wissen, dass ich nie eine Frau sexuell belästigen würde», sagt Lang. Wenn die Passagiere ihn aber nicht kennen würden, sei eine gewisse Skepsis zu spüren. Lang: «Es gibt Frauen, die nicht mehr nach vorne, sondern eher zögerlich auf die Hinterbank sitzen.» Ausserdem sei auch zu beobachten, dass Frauen nicht mehr alleine in ein Taxi steigen.

«Aus Sicherheitsgründen wollen junge Frauen lieber von Frauen gefahren werden», sagt Monika Baumgartner von der Taxi Zentrale Luzern. Sie spricht sogar von einem Anstieg um bis zu 70 Prozent der weiblichen Kundschaft seit dem Vergewaltigungsfall. Baumgartner: «Viele junge Frauen erzählen mir, dass sie von Taxi-Chauffeuren sexuell belästigt wurden.» Sie rate jedesmal, solche Fahrer zu melden – aber viele würden sich nicht getrauen sich zu wehren.

HIV-positiver Täter

Grund für die Verunsicherung unter den Taxi-Kundinnen ist der Fall von Ende März in Kriens. Ein Taxichauffeur (43) soll eine Austauschschülerin (18) vergewaltigt haben. Ende Mai konnte er mittels DNA-Spuren überführt werden und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Inzwischen ist klar: Der Mann, der ein eigenes Transportunternehmen hat, hat noch weitere Taten begangen.

Zudem zeigte sich, dass der Pakistani HIV-positiv ist. Er soll gewusst haben, dass er mit dem Virus angesteckt wurde. «Dadurch ist die Zahl der möglichen Opfer nochmals um weitere acht gestiegen», sagte Staatsanwaltsprecher Simon Kopp der Luzerner Zeitung. Glücklicherweise habe der Mann aber niemanden angesteckt. Dieser ist teilweise geständig und bleibt in Untersuchungshaft. Kopp: «Für den Beschuldigten gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.»

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