Aktualisiert 19.06.2015 14:05

Kunstmarkt«Kunst lässt sich nicht wie Aktien handeln»

Die Art Basel ist für Kunstberater ein Pflichttermin. Kaum ein ernsthafter Sammler verzichtet auf deren Dienste. Kunst sei kein Investitionsobjekt, sagen sie.

von
Lukas Hausendorf
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Patricia Amberg ist Direktorin des UBS Art Competence Centers. In ihrer Funktion als Kunstberaterin gehört sie zu den Mächtigen an der Art Basel. Viele Sammler tätigen mittlerweile keine Käufe mehr ohne Art Advisor.

Patricia Amberg ist Direktorin des UBS Art Competence Centers. In ihrer Funktion als Kunstberaterin gehört sie zu den Mächtigen an der Art Basel. Viele Sammler tätigen mittlerweile keine Käufe mehr ohne Art Advisor.

20 Minuten/lha
Amberg lobt die Vielfalt an der Art Basel. Im Bild «Buste d'Homee» des spanischen Kubisten Pablo Picasso, eines der berühmtesten Vertreter der klassischen Moderne.

Amberg lobt die Vielfalt an der Art Basel. Im Bild «Buste d'Homee» des spanischen Kubisten Pablo Picasso, eines der berühmtesten Vertreter der klassischen Moderne.

Keystone/Georgios Kefalas
Pop Art, aber nicht von Warhol. Der Amerikaner Jonathan Horowitz widmet die Portraitserie, die ästhetisch Andy Warhols Marylin nachempfunden ist, der Popsängerin Beyoncé.

Pop Art, aber nicht von Warhol. Der Amerikaner Jonathan Horowitz widmet die Portraitserie, die ästhetisch Andy Warhols Marylin nachempfunden ist, der Popsängerin Beyoncé.

Keystone/Georgios Kefalas

Kunst steht hoch im Kurs: 13 Werke mit Preisen von mehr als einer Million wurden laut der Messeleitung am Dienstag verkauft, dem ersten VIP-Tag der Art Basel. Nicht selten wissen die Galeristen aber gar nicht, wer der Käufer ist. Oft bleibt dieser im Hintergrund und schickt seinen Berater, den sogenannten Art Advisor, vor. Diese sind die eigentlichen Dealmaker auf dem Kunstmarkt.

«Unsere Kunden wollen oft eine zweite Meinung haben», sagt Patricia Amberg, Leiterin des UBS Art Competence Center. Ihre Abteilung, die drei Kunstsachverständige beschäftigt, bietet Sammlern Gewähr, dass sie ihr Geld nicht verschwenden. «Wir machen die Sorgfaltsprüfung eines Kunstwerks und Preisrecherchen, führen aber auch Verhandlungen und können darüber hinaus den Transport organisieren.»

Will der Kunde im Hintergrund bleiben, führen sie auch die Transaktion durch. «Meine Kunden sind sich sehr bewusst, wofür sie ihr Geld ausgeben. Das wird auch von mir verlangt, wenn ich es an ihrer Stelle mache», sagt Wendy Cromwell, Kunstberaterin und Vorstandsmitglied der Association of Professional Art Advisors (APAA).

«Kunst ist kein Investment»

Die Art Basel ist für Amberg und ihre Berufskolleginnen – es sind meist Frauen – eine der geschäftigsten Zeiten des Jahres. «Für Sammler ist es sozusagen der heilige Gral», sagt Cromwell. Aber nicht nur wegen des Geschäfts. «Die Art ist auch ein Ort, an dem man sich weiterbildet, entdeckt, Galeristen, Künstler und andere Sachverständige trifft», so Amberg.

Überhaupt ist Geschäft für die Gilde der Kunstberaterinnen ein heikler Begriff. «Wir betrachten Kunst nicht als Investment. Kunst lässt sich nicht wie Aktien handeln», betont sie. Vielmehr sei es eine emotionale Angelegenheit. Amberg: «Sammeln geschieht aus Leidenschaft.» An Auktionen sei es dann manchmal just jene Leidenschaft, die zu spektakulären Geboten führe. «Der Preis ist oft sehr emotional getrieben und deshalb rational nicht erklärbar», erklärt Amberg. Die astronomisch hohen Auktionspreise verstellten denn auch den Blick auf die Wirklichkeit. «Werke, die via Auktionen verkauft werden und die Stufe von einer Million überschreiten, machen nur 0,44 Prozent der Verkäufe aus.»

Bei Wiederverkäufen gebe es darum auch keine Gewähr, den gleichen oder einen noch höheren Preis zu erzielen. Wer Kunst erwerbe, um Rendite zu machen, gehe darum ein hohes Risiko ein. Prognosen über die Preisentwicklung seien praktisch nicht möglich, sagen Cromwell und Amberg unisono.

Hohe Qualität an der Art

Von der Qualität der an der Art Basel präsentierten Werke sind beide begeistert. «Ich bin hier seit 20 Jahren Stammgast und Basel steht über allen anderen Messen – wegen der Tiefe, der Qualität und auch wegen des anspruchsvollen Publikums», sagt Cromwell. Auch Amberg betont die Vielfalt. «Es ist ein Traum», sagt sie. Wer an Kunst interessiert sei, solle sich das nicht entgehen lassen. Es sei auch gar nicht alles so teuer. «Die Leute haben oft Hemmungen – zu Unrecht. Darum kommt, seht es euch an und tretet in den Dialog mit Galeristen und Künstlern.»

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