Swisscom: Kunst oder Kiosk – neues Leben für alte Telefonhüsli
Aktualisiert

SwisscomKunst oder Kiosk – neues Leben für alte Telefonhüsli

In der Stadt Luzern gibt es noch 27 öffentliche Publifone der Swisscom, teils an bester Lage. 2018 werden sie verschwinden oder neu genutzt – zum Beispiel als Kiosk.

von
Daniela Gigor

20 Minuten hat sich umgehört, wann die Luzerner zuletzt eine Telefonkabine benützt haben. (Video: Jacqueline Straub)

Ab 2018 sind die Publifone nicht mehr Teil der Grundversorgung durch die Swisscom. Die bestehenden Telefonkabinen werden schrittweise verschwinden. Dabei geht die Swisscom so vor, dass sie die Gemeinden oder die Städte über das Vorhaben informiert. «Meldet etwa die Stadt Luzern das Bedürfnis an, einzelne leere Telefonkabinen weiterzunutzen, überlassen wir diese kostenlos», sagt Sabrina Hubacher, Sprecherin der Swisscom.

In der Stadt Luzern gibt es noch 27 öffentliche Telefonkabinen und 21 private Publifone. Diese werden durch die Swisscom im Auftrag von Dritten wie etwa Hotels oder Spitälern betrieben. Grund für das Verschwinden der Publifone ist, dass sie kaum mehr genützt werden, weil fast alle ein Handy besitzen. Von 2004 bis 2016 ging die Anzahl der Gespräche in Telefonkabinen um 95 Prozent zurück.

Kabine am Schwanen soll ausgeschrieben werden

Die Stadt Luzern besitzt zudem noch fünf bis sieben sogenannte Einbaukabinen, die noch von der Swisscom genützt werden. Eine davon steht am Schwanenplatz. «Sie wird nicht mehr zum Telefonieren genutzt und Abklärungen haben ergeben, dass wir keinen internen Bedarf sehen», sagt Hans Petermann, Leiter Portfoliomanagement bei der Abteilung Immobilien der Stadt Luzern. Diese Kabine soll bis Ende Jahr zur Zwischennutzung auf raumboerse.ch ausgeschrieben werden. Petermann: «Weil das Platzangebot sehr eng ist, sind wir auf die Resultate der Ausschreibung gespannt. Anfragen erhielt die Stadt zum Beispiel für den Betrieb eines Mini-Kiosks.»

Swisscom hat die Verträge noch nicht gekündigt

Ob allenfalls andere Telefonkabinen auch zur Vermietung ausgeschrieben, sonst wie neu genutzt oder abgebaut werden, ist offen. In Luzern ist die Telefon-Hüsli-Akte momentan in Prüfung bei den Behörden. Ob die Stadt einen Teil der 27 Telefonkabinen übernehmen möchte, ist laut Petermann offen: «Wir haben einen laufenden Vertrag mit der Swisscom. Sollte dieser gekündigt werden, wird dies intern geprüft.»

Vielleicht stehen einige der Luzerner Telefonkabinen aber bald auch in Vorgärten: Auch Private können diese kaufen – Stückpreis: 1500 Franken. Hinzu kommen Kosten für den Transport und die Montage. Total dürfte eine nostalgische Kabine ohne Telefon etwa mit 3000 Fr. zu Buche schlagen.

1995 gab es in der ganzen Schweiz über 58'000 Publifone. Nun verschwinden diese schweizweit oder werden neu genutzt – etwa als Büchertauschbörse oder als Standorte für Defibrillatoren. Am Mühlenplatz in Luzern hat die Stadt der Hochschule Gestaltung und Design eine Einbaukabine als Ausstellungsort zur Verfügung gestellt.

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