Aktualisiert 13.11.2014 10:11

St. Gallen

Kunsthalle bekam Drogen per Post zugestellt

Aufregung um eine Postsendung an die Kunsthalle St. Gallen: In einem Briefumschlag befanden sich zehn Ecstasy-Pillen. Die Sendung war legal, sagt ein Experte.

von
Jeroen Heijers

Ein Briefumschlag, eine DVD-Hülle und zehn Ecstasy-Pillen, das Ganze adressiert an die Kunsthalle in St. Gallen: Ein 37-jähriger Leser-Reporter aus Wallisellen ZH konnte es kaum glauben, als er Bilder dieser Briefsendung im Internet entdeckte. «Es kann doch nicht sein, dass eine Institution wie die Kunsthalle so etwas über das Internet bestellt», sagt der Leser-Reporter.

Der Direktor der Kunsthalle, Giovanni Carmine, winkt ab: «Erstens haben nicht wir die Drogen bestellt, sondern ein Computerprogramm», sagt er. «Zweitens sind sie Teil einer Ausstellung und damit legal bei uns ausgestellt.»

Aktivisten, Whistleblower und Kriminelle

Hinter der besagten Drogenlieferung steckt die Zürcher Mediengruppe Bitnik. Für ihre aktuelle Ausstellung mit dem Titel «The Darknet – from Memes to Onionland. An Exploration» hat Bitnik ein Computerprogramm geschrieben, das selbstständig im Darknet – in den finstersten Winkeln des Internets – auf Einkaufstour geht. Random Darknet Shopper heisst das Programm.

Der Random Darknet Shopper kauft auf Agora ein, einem Marktplatz im Darknet. Das Darknet beherbergt verborgene Nischen des Internets, die nicht von Suchmaschinen wie Google gefunden werden können und für Nutzer von bestimmten Browsern zugänglich sind.

Im Darknet findet sich eine Community, die sich absichtlich im toten Winkel der Suchmaschinen aufhält: Aktivisten und Whistleblower nutzen diese Tarnungen, um ihre Spuren zu verwischen, Kriminelle, um ihre schmutzigen Geschäfte abzuwickeln.

Rechtlich abgesichert

In der Ausstellung ist nun zu sehen, was der Shopper auf Agora findet und an die Kunsthalle schicken lässt: gefälschte Kreditkarten und Designerkleider, Raubkopien aller Art, britische Universalschlüssel – oder eben zehn Ecstasy-Pillen.

Jeweils mittwochs kann man dem Shopper bei der Arbeit zuschauen. Zuletzt kaufte er eine Baseballmütze mit versteckter, eingenähter Kamera. «Uns interessierte diese dunkle Seite des Internets und wie man dort Geschäfte abschliesst», sagt Carmen Weisskopf, Mitgründerin von Bitnik.

Rechtlich haben sich die Ausstellungsmacher beim renommierten Medien- und Kunstrechtsexperten Bruno Glaus abgesichert. Carmen Weisskopf: «Er hat uns versichert, dass wir dieses Projekt legal durchführen können.» Laut Glaus sind zwei Aspekte wichtig, wenn Kunst geltendes Recht verletzt: Es muss im Interesse von Kunst und Information geschehen und darf nur von begrenzter Dauer sein.

Kim Dotcoms Prunkstücke

Neben den Einblicken in die düsteren Tiefen des Internets bietet die Ausstellung weitere Geschichten und Themen aus dem Bereich des Internets. So zeigen Leinwände die 110 Objekte, die bei der Razzia im Januar 2012 auf Kim Dotcoms Anwesen beschlagnahmt wurden. Die Ermittlungen rund um den Internet-Magnaten Kim Dotcom zählen zu den spektakulärsten Kriminalfällen rund ums Internet, so die Ausstellungsmacher.

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