Zürich – Kunsthaus will Expertengruppe für Bührle-Sammlung einsetzen
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ZürichKunsthaus will Expertengruppe für Bührle-Sammlung einsetzen

Die Bilder der Bührle-Stiftung sind umstritten. Am Mittwoch gab das Kunsthaus bekannt, ein unabhängiges Expertengremium für die Herkunftsforschung einzusetzen.

von
Monira Djurdjevic
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Im Oktober wurde der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich eröffnet. 

Im Oktober wurde der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich eröffnet.

20min/Taddeo Cerletti
Seit der Eröffnung ist eine hitzige Debatte um die Kunstsammlung des Waffenproduzenten Emil G. Bührle entbrannt. 

Seit der Eröffnung ist eine hitzige Debatte um die Kunstsammlung des Waffenproduzenten Emil G. Bührle entbrannt.

20min/Taddeo Cerletti
Seine Kunstsammlung steht unter Verdacht, auch Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus zu beinhalten.

Seine Kunstsammlung steht unter Verdacht, auch Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus zu beinhalten.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

Seit der Eröffnung des 206 Millionen teuren Erweiterungsbaus des Kunsthauses Zürich ist eine heftige Debatte um die Kunstsammlung des Waffenproduzenten Emil G. Bührle, der während und nach dem Zweiten Weltkrieg zum damals reichsten Mann der Schweiz wurde, entbrannt. Seine Kunstsammlung steht unter Verdacht, auch Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus zu beinhalten. Das Kunsthaus und die Bührle-Stiftung haben am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz zur Jahresbilanz unter anderem auch Stellung zur Kritik genommen.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, will die Bührle-Stiftung, anders als das Berner Kunstmuseum, das mehrere Bilder aus der Gurlitt-Sammlung an Erben zurückgibt, den Begriff «NS-verfolgungsbedingter Entzug» nicht zum Massstab für die Rückgabe von Bildern machen. Zudem seien die Ansprüche verjährt.

Kunsthaus will unabhängige Expertenkommission einsetzen

Seit 2002 betreibt die Bührle-Sammlung eine Herkunftsforschung. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse präsentiert. Laut einem Bericht sind von den insgesamt 203 Werken bei 113 Bildern die Herkunft «lückenlos geklärt» und damit «unproblematisch». Bei 90 Werken sei die Herkunft zwar «nicht lückenlos geklärt», aber es gebe keine Hinweise auf «problematische Zusammenhänge». Mit der Übergabe der Bührle-Sammlung als Dauerleihgabe an das Kunsthaus gingen auch das Archiv sowie die Verantwortung für die von der Stiftung geleistete Herkunftsforschung an das Kunsthaus über.

In der Zwischenzeit hat das Kunsthaus die ausgestellten Bührle-Bilder mit QR-Codes ergänzt, die direkt zu den Ergebnissen der Herkunftsforschung führen. Trotzdem will das Kunsthaus noch eine unabhängige Expertenkommission für eine Bewertung der bisherigen Herkunftsforschung der Bührle-Stiftung einsetzen. Die Zusammensetzung des Gremiums und dessen konkreter Auftrag werden zurzeit vorbereitet. Auch die Möglichkeit nach einer Offenlegung des Leihvertrags zwischen der Kunstgesellschaft und der Bührle-Stiftung werde geprüft, schreibt der «Tages-Anzeiger».

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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