Ennetbühl: Kurdische Familie erhebt Vorwürfe gegen Asylheim
Aktualisiert

EnnetbühlKurdische Familie erhebt Vorwürfe gegen Asylheim

Familie Yaprak droht die Ausschaffung aus der Schweiz. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Asylheims Seeben in Ennetbühl.

von
jeh
Die Mitglieder der Familie Yaprak sagen, sie seien in der Gruppenunterkunft Seeben wie Sklaven behandelt worden.

Die Mitglieder der Familie Yaprak sagen, sie seien in der Gruppenunterkunft Seeben wie Sklaven behandelt worden.

Mehrere Asylgesuche der kurdischen Familie Yaprak wurden bereits abgewiesen – nun droht ihr die Ausschaffung. Ihre einzige Hoffnung ist eine in Bern hängige Petition mit über 400 Unterschriften und neue Gesuche für die drei ältesten Kinder.

Doch nun geht die Familie in die Offensive: Im «St. Galler Tagblatt» erhebt sie zusammen mit Renate Abderhalden, der Pflegemutter einer der Töchter, schwere Vorwürfe gegen die Gruppenunterkunft für Asylsuchende Seeben in Ennetbühl.

«Sie konnte es nie recht machen»

Die Leitung des Heims sei den Kurden «von Anfang an negativ» gegenübergestanden, sagt Abderhalden. «Wie sie sich auch immer verhielten, sie konnten es nie recht machen.» Yasemin, Mutter der Familie, die Ende Juli 2012 nach Seeben kam, berichtet von einem Teufelskreis. Sie seien wie Sklaven behandelt worden. So sei eine Wunde an der Hand ihres Ehemanns bagatellisiert worden, bis er wegen einer Blutvergiftung habe operiert werden müssen.

Auch als eine Betreuerin Früchte verteilt habe, seien alle ausser den Yapraks berüchsichtigt worden – für sie hingegen habe es nur Hohn gegeben. Dazu seien Drohungen gekommen wie: «Wer nicht arbeitet, isst nicht.» Oder: Wer im Heim Fotos mache, fliege aus dem Land.

Abderhalden und die Familie werfen den Betreibern der Gruppenunterkunft vor, ein rigides Hausregime mit einem System aus Befehlen, Drohungen, Vertuschungen und Unwahrheiten zu unterhalten. Immer wieder fallen laut «Tagblatt» die Namen des Hauschefs sowie der von Roger Hochreutener, Geschäftsführer der Koordinationsstelle für Asyl- und Flüchtlingswesen beim Verband der sankt-gallischen Gemeindepräsidenten.

Strafanzeige gegen Familie angekündigt

Hochreutener will von den Vorwürfen nichts wissen. Er bezeichnet die «grotesken und aus der Luft gegriffenen» Anschuldigungen als «Stimmungsmache». Es gehe nur darum, dass die Familie nicht ausgeschafft werden wolle, sagt Hochreutener zu 20 Minuten. «Wenn wirklich etwas an diesen Vorwürfen dran sein sollte, dann frage ich mich, warum die Beschwerde nicht eingereicht wurde als es anscheinend passiert ist», sagt Hochreutener. Nur weil die Aufenthaltsbewilligung abgelehnt worden sei, werde ein Sündenbock gesucht.

Seine Mitarbeiter würden «täglich motiviert eine gute Arbeit in einem eher heiklen Umfeld» machen. Hochreutener kündigt sogar rechtliche Schritte an: «Wir werden Strafanzeige erstatten und diese haltlosen Vorwürfe auf diesem Wege angehen.» Dann können wenigsten alle Beweise vorgelegt werden. Zum konkreten Fall gebe es sehr viel zu sagen, doch aufgrund der Schweigepflicht dürfe er öffentlich keine Stellung beziehen.

Familie Yaprak wohnt mittlerweile bei Bekannten in Wil, betreut von Vertretern des Solidaritätsnetz Ostschweiz und der Kirche. Sie wartet auf den Entscheid aus Bern.

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