UBS-Debakel: Kurer singt das Hohelied auf Vorgänger Ospel

Aktualisiert

UBS-DebakelKurer singt das Hohelied auf Vorgänger Ospel

«Der Architekt der modernen UBS»: So sieht Peter Kurer das Vermächtnis von Marcel Ospel – und nur so. In einer Laudatio verliert der neue Präsident der schlingernden Schweizer Grossbank kein einziges kritisches Wort über seinen Vorgänger.

von
Lukas Hässig

Der Titel gibt die Richtung vor: «Thank you, Marcel». In der Juni-Ausgabe des UBS-Magazins für die 80 000 Mitarbeiter schreibt Peter Kurer, dass sein Vorgänger Marcel Ospel zwei Schweizer Banken in eine weltweit führende Finanzinstitution verwandelt habe. «Diese Leistung wird sein Vermächtnis sein», ist Kurer überzeugt.

Der doppelseitige Artikel an prominenter Lage in der Heftmitte zeigt Ospel in dessen bevorzugter Kleidung: Dunkelblauer Anzug mit weissem Brusttuch, blau-weiss gestreiftes Hemd, keine Manschettenknöpfe, dafür die Krawatte im geliebten Senfgelb und eng um den Hals geschnürt. Der abgetretene UBS-Präsident blickt in einer Mischung aus Selbstsicherheit und Ungerührtheit in die Kamera, mit verschränkten Armen vor einem Foto-Kunstwerk. «Der Architekt der modernen UBS: Marcel Ospel, Ex-VR-Präsident», steht unter dem Bild.

Marcel Ospel: «Der Sündenbock»

Kein Wort verliert Kurer über die Schwächen seines Vorgängers. Er kritisiert weder das fehlende und ungenügende Risk-Management noch, dass Ospel und seine Crew – zu der schon Kurer gehörte – das UBS-Schiff nicht mehr sicher durch den Finanzsturm steuerten. Der neue UBS-Präsident vergleicht die momentane Lage mit der Krise von 1929, als die Börsen weltweit zusammen krachten, und die Weltwirtschaft in eine mehrjährige Depression schlitterte.

Statt von Schwächen zu sprechen, hebt Kurer die menschlichen Regungen von Ospel hervor. Der ehemalige UBS-Präsident sei seit Ausbruch der Finanzkrise im Zentrum der Kritik gestanden. «Er wurde rasch zum Sündenbock», doch sein Rücktritt sei keine Folge des öffentlichen Drucks. «Das würde ihn kaum beeindruckt haben», schreibt Kurer. Vielmehr habe Ospel geglaubt, seinen Beitrag zur Rettung geleistet zu haben.

Die Visionen des Übervaters

Kurer zieht in seiner Laudatio in der UBS-Zeitschrift Bilanz über Marcel Ospels Zeit seit 1990. Damals kehrte der Basler zum Schweizerischen Bankverein zurück, nachdem er kurz bei der US-Investmentbank Merrill Lynch in den USA tätig gewesen war. Die Schweizer Banken mussten damals rund 50 Milliarden Franken faule Immobilienkredite abschreiben, und zusammen mit neuen Vorschriften habe dies zu einem Paradigmenwechsel geführt. «Marcel entwickelte eine Vision», schreibt Kurer weiter. «Sein Ziel war es, dem Unternehmen eine globale Ausrichtung zu geben und sich auf drei Kernbereiche zu konzentrieren: Vermögensverwaltung, Investmentbanking und Privat- und Kundengeschäft in der Schweiz.»

Auf dem Weg an die Spitze der Finanzindustrie habe Ospel die Bank radikal umgebaut und modernisiert. «Der bürokratische Banking-Ansatz der alten Schule wich zugunsten von Banker, die wie Unternehmens-Manager dachten und handelten», meint der UBS-Präsident.

Nette Worte für eine grosse Pleite

1997 kamen Bankverein und Bankgesellschaft zusammen, und im 2000 akquirierte die neue UBS unter Ospels Führung für fast 20 Milliarden Franken die US-Bank Paine Webber, die heute teilweise zur Altlast wird. Denn Paine Webber war stark im inzwischen kollabierten US-Hypothekengeschäft engagiert, zudem wurde die UBS mit über 25 000 Mitarbeitern in den Staaten eine grosse Bank. Sonst wäre die UBS in den USA weniger exponiert und stünde entsprechend weniger stark unter Druck wegen ihrer Mithilfe zu Steuerhinterziehung.

Doch Kurer findet selbst für die Paine-Webber-Akquisition nur lobende Worte, sie habe zu einem «signifikanten Ausbau der Kundenbasis in den USA» geführt. Dass die Erträge der Ex-Paine-Webber-Berater weit hinter jenen der Schweizer liegen, lässt er unerwähnt.

Kurer endet mit dem, was Ospel am 23. April an der Basler UBS-Generalversammlung sagte. «Wer den kalten Wind nicht aushält, der hat auf dem Gipfel nichts zu suchen», verabschiedete sich Ospel damals von den Aktionären. «Nicht nur hielt er den Wind aus, sondern er liess sich von ihm zu grossen Errungenschaften tragen», lobt Kurer. «Ich möchte ihm für seine Dienste für die UBS danken und wünsche ihm allen Erfolg für die Zukunft.»

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