Aktualisiert 03.11.2014 13:16

Uznach SGKursleiter filmte Arbeitslose auf dem WC

Eine 28-Jährige entdeckte während eines Computerkurses für Arbeitslose auf dem WC eine Kamera. Sie und ihre Freundin konnten den Übeltäter stellen.

von
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Der Spanner nahm sowohl Frauen als auch Männer auf. (Symbolbild: Lars Zahner, colourbox.com)

Der Spanner nahm sowohl Frauen als auch Männer auf. (Symbolbild: Lars Zahner, colourbox.com)

«Ich kann es immer noch nicht glauben», sagt die 28-jährige Claudia Bernegger*, «wer macht denn so etwas?» Die schwangere Frau hatte am Freitag während einem Computer-Kurs in Uznach eine versteckte Kamera auf dem WC entdeckt. Als sie den Kursleiter auf die Kamera ansprach, wollte dieser das Gerät verschwinden lassen. Doch die Kursteilnehmer konnten ihn aufhalten.

Seit einigen Monaten ist Bernegger beim RAV gemeldet und besuchte am Freitag bei einem Computer-Kurs des Beschäftigungsprogramms AVOI. Während des Kurses, der von einer externen Informatikfirma geleitet wurde, besuchte die Glarnerin die Toilette der Firma.

Auf dem WC habe sie aufeinandergestapelte Computergehäuse entdeckt, erzählt Bernegger. «Ich fand das seltsam – was haben solche Teile in einem WC verloren?», so die 28-Jährige. «Deshalb habe ich sie mir genauer angeschaut.» Als sie sich dem Gehäuse näherte, fiel ihr die Linse einer Kamera auf, die in Richtung Toilette gerichtet war.

«Er setzte alles daran, mir die Kamera wegzunehmen»

Sie sei sofort zurück ins Klassenzimmer zurück und habe gerufen: «Eine Kamera ist auf dem WC versteckt.» Der Kursleiter und ihre Freundin seien ihr darauf zur Toilette gefolgt. Dort zeigte sie ihnen, wo die Kamera mit Tesafilm an die Wand eines Computergehäuses geklebt war. Mit den Worten «Es ist doch alles nur Müll» habe der Kursleiter die beiden Frauen zu beruhigen versucht. Er nahm der 28-Jährigen die Kamera weg und versuchte, sie einzustecken.

Doch Berneggers Freundin reagierte sofort und konnte ihm die Kamera wieder entreissen. «Er setzte alles daran, mir die Kamera wegzunehmen», erzählt die Freundin, «es war, als ob es um Leben und Tod ging.» Es folgte ein heftiges Gerangel um das Gerät. Erst als ein weiterer Kursteilnehmer eingriff und sich zwischen die Frau und den Kursleiter stellte, konnte Berneggers Freundin die Kamera sichern. «Ich bin einfach nur froh, dass wir ihn erwischt haben», so die Freundin. Vor allem, weil sie an diesem Tag einen Body anhatte und sich deshalb auf dem WC ganz habe ausziehen müssen, um die Toilette zu benützen.

Anzeige erstattet

Daraufhin gingen Bernegger, ihre Freundin und zwei weitere Kursteilnehmer zum Polizeirevier nach Uznach-Schmerikon und erstatteten Anzeige gegen den Kursleiter. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, bestätigt den Vorfall. Man habe Material sichergestellt und den Kursleiter einvernommen.

Der Verdächtige sei aber wieder auf freiem Fuss. Claudia Bernegger kann das nicht nachvollziehen: «Es kann doch nicht sein, dass jemand in unsere Intimsphäre eindringt und gleich wieder freigelassen wird.» Nach der ganzen Aufregung habe sie plötzlich heftige Unterleibsschmerzen verspürt und ins Kantonsspital Glarus gefahren werden müssen.

Der beschuldigte Kursleiter war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut der Auftraggeberin, der Glarner Firma AVOI, wurde die Zusammenarbeit mit der Firma sofort beendet. «Mich hat die Geschichte vom Hocker gehauen», so AVOI-Geschäftsführer Mirko Slongo gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag», «das ist schlichtweg pervers.»

* Name geändert

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