«Aus Selbstschutz» - Kursleiterin bietet Babyschwimmen nur für Ungeimpfte an
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«Aus Selbstschutz»Kursleiterin bietet Babyschwimmen nur für Ungeimpfte an

In der Nordwestschweiz bot eine Frau Baby-Schwimmkurse nur für Ungeimpfte an. Ein junger Vater ist enttäuscht, dass er ausgeschlossen wird.

von
Noah Knüsel
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Ihre Schwimmkurse sollen «Entspannung und bestmögliche Bewegungsentwicklung für Ihr Baby» bieten, wie A.W.* auf ihrer Website schreibt. 

Ihre Schwimmkurse sollen «Entspannung und bestmögliche Bewegungsentwicklung für Ihr Baby» bieten, wie A.W.* auf ihrer Website schreibt.

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Aber: Sie gebe die Kurse explizit nur ungeimpften Eltern, so W. weiter.

Aber: Sie gebe die Kurse explizit nur ungeimpften Eltern, so W. weiter.

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F.E.* irritiert diese Einschränkung: Der 30-Jährige ist vor einigen Monaten Vater geworden. Er habe sich für den Kurs anmelden wollen, fand aber das Angebot explizit nur für Ungeimpfte seltsam.

F.E.* irritiert diese Einschränkung: Der 30-Jährige ist vor einigen Monaten Vater geworden. Er habe sich für den Kurs anmelden wollen, fand aber das Angebot explizit nur für Ungeimpfte seltsam.

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Darum gehts:

  • A.W.* bot in der Nordwestschweiz Baby-Schwimmkurse explizit für Ungeimpfte an.

  • Der geimpfte Vater F.E.* (30) ist enttäuscht, dass er und sein kleiner Sohn ausgeschlossen werden: «Es hat ja keine Nachteile, wenn sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte den Kurs buchen können.»

  • Die Anbieterin des Kurses hat die Passage mittlerweile von ihrer Website entfernt.

  • Sie betont, auch Geimpfte dürften an ihrem Kurs teilnehmen, aber erst zwei Monate nach der Impfung.

Während vielerorts Einschränkungen für Ungeimpfte diskutiert oder sogar schon eingeführt werden, geht man in einer Nordwestschweizer Gemeinde den umgekehrten Weg: A.W.* bot Baby-Schwimmkurse explizit nur für Ungeimpfte an: «Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich gebe nur Ungeimpften Schwimmkurse», hiess es auf ihrer Website.

F.E.* irritiert diese Einschränkung: Der 30-Jährige lebt ebenfalls in der Region und ist vor einigen Monaten Vater geworden. Er habe sich für den Kurs anmelden wollen, fand aber das Angebot explizit nur für Ungeimpfte seltsam: «Es hat ja keine Nachteile, wenn sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte den Kurs buchen können.» Ihm als Geimpftem sei das nicht geheuer gewesen: «Es hätte eine unangenehme Situation entstehen können, wenn ich mich da als geimpft ‹geoutet› hätte.»

Einen Schwimmkurs will E. mit seinem kleinen Sohn trotzdem besuchen. Fündig ist er aber noch nicht geworden. Das Angebot von W. sei das einzige in der Gemeinde, wie er sagt: «Es ist schade, dass ich als Geimpfter davon ausgeschlossen bin.»

Passage wieder gelöscht

W. selbst hat nach einer Anfrage von 20 Minuten die entsprechende Passage von ihrer Internetseite entfernt. Seit mehreren Tagen schon habe sie den Text ändern wollen, sagt sie.

«Es geht mir nur darum, dass die Leute nach ihrer Impfung für zwei bis drei Monate nicht ins Schwimmen kommen», sagt sie. Nach dieser Zeit dürften aber alle teilnehmen, betont W. Ihre Begründung: «Direkt nach der Impfung scheidet man gewisse Stoffe aus, die ich wiederum über das Wasser aufnehme.» Sie sei sehr feinfühlig auf solche Dinge, es gehe ihr nur um Selbstschutz.

Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass es bei mRNA-Impfstoffen zu sogenanntem «shedding», also dem Ausscheiden von Impfstoffpartikeln kommt. Wie das Recherchezentrum Correctiv in mehreren Faktenchecks darlegt, sind diese Impfstoffe oder Bestandteile davon nicht von Geimpften auf Ungeimpfte übertragbar.

Anwalt: «Diskriminierung ist nicht gegeben»

«Grundsätzlich gilt für Anbieter privater Schwimmkurse die sogenannte Privatautonomie», sagt Livio Bundi, Anwalt für öffentliches Recht. Damit dürfe man selbst wählen, mit wem man Verträge abschliesst, so Bundi weiter. Der Markt regle dann, ob ein Angebot genutzt werde oder nicht.

Anders sieht es aber aus, wenn beispielsweise die Anti-Rassismus-Strafnorm ins Spiel kommt: «Dieser Gesetzesartikel verbietet die Diskriminierung von Personen aufgrund ihrer ‹Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung›», sagt der Anwalt. Das sei hier aber klar nicht gegeben. Auch lägen keine Leistungspflichten vor, die einen Vertragsabschluss verlangen würden: «Diese gelten etwa bei konzessionierten Transportunternehmen, die alle Personen befördern müssen.»

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