14.09.2020 19:47

Das Fohlen aus der TiefkühltruheKlon Kurt soll seine ganze Art retten

Hoffnung für die vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde: In den USA wurde erstmals ein Exemplar geklont. Der Hengst soll einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Art leisten.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Die Przewalski-Pferde sind vom Aussterben bedroht.
  • Hoffnung bietet nun die Geburt des kleinen Kurt.
  • Bei dem Hengst handelt sich um einen Klon eines 1998 verstorbenen Tiers.
  • Kurt soll der Przewalski-Population die dringend benötigte genetische Vielfalt zurückzugeben.

Einst in Zentralasien weit verbreitet, starben Przewalski-Pferde in den 1960er-Jahren in freier Wildbahn aus. Zwar werden sie heute gezüchtet und breiten sich unter anderem im radioaktiv verstrahlten Gebiet um das im Jahr 1986 explodierte Atomkraftwerk von Tschernobyl aus (siehe Bildstrecke), allerdings gehen alle lebenden Exemplare auf nur 12 Przewalskis zurück.

Ändern soll das der am 6. August 2020 geborene Kurt aus dem San Diego Zoo. Der Hengst wurde aus 40 Jahre alter DNA geklont und von einer Leihmutter ausgetragen. Der Mini-Przewalski soll dazu beitragen, der Przewalski-Population die dringend benötigte genetische Vielfalt zurückzugeben.

Britischer Vater

Dass Kurt nun munter über die Koppel springt (siehe Video), ist den intensiven Bemühungen der Mitarbeiter des Biotech-Unternehmens ViaGen Pets & Equine in Cedar Park, Texas, zu verdanken. Erst nach sieben Jahren des Tüftelns und Hoffens klappte es.

Die Geburt des Hengstes gilt als Meilenstein in den Bemühungen zum Erhalt der Art. Er wurde aus einer Zelllinie geklont, die seit 1980 in der Kryokammer des San Diego Frozen Zoo eigelagert war. Der Spenderhengst wurde 1975 in Grossbritannien geboren und 1978 in die USA transferiert. «Wir gehen davon aus, dass dieses Hengstfohlen eines der genetisch wichtigsten Individuen seiner Spezies ist», zitiert der Zoo Bob Wiese, leitender Biowissenschaftler des San Diego Zoo.

«Frozen Zoo»

Seinen Namen verdankt der kleine Kerl dem deutsch-amerikanischen Pathologen und Genetiker Kurt Benirschke, der in San Diego den weltweit ersten «Frozen Zoo» schuf, eine gigantische genetische Datenbank, die für den Schutz gefährdeter Arten von unschätzbarem Wert ist. Hier lagern Hautzellen verschiedener bedrohter Tierarten, mit deren Hilfe neue Exemplare geklont und so der Fortbestand der jeweiligen Art gesichert werden soll.

Kurt Benirschke: Hätte er nicht den «Frozen Zoo» eingerichtet, würde es den kleinen Kurt heute wahrscheinlich nicht geben. 

Kurt Benirschke: Hätte er nicht den «Frozen Zoo» eingerichtet, würde es den kleinen Kurt heute wahrscheinlich nicht geben.

UCSD
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Menschen sind in der Gegend um Tschernobyl kaum zugegen, dafür aber jede Menge Wildtiere. Neben Wildschweinen (Bild) sind das auch  die Przewalski-Pferde. Sie sind Nachkommen einer Handvoll Pferde, die im Rahmen eines Experiments in das Sperrgebiet gebracht wurden.
Ur-Pferde fühlen sich in Tschernobyl pudelwohl.

Menschen sind in der Gegend um Tschernobyl kaum zugegen, dafür aber jede Menge Wildtiere. Neben Wildschweinen (Bild) sind das auch die Przewalski-Pferde. Sie sind Nachkommen einer Handvoll Pferde, die im Rahmen eines Experiments in das Sperrgebiet gebracht wurden.

Valeriy Yurko/ Polesie State Radioecological Reserve
Forscher der University of Georgia haben bereits vor einigen Jahren Kameras mit Bewegungsmeldern installiert und mehr als 11'000 Aufnahmen von den Tieren gemacht. Doch Auskünfte über den genauen Bestand können die Wissenschaftler dennoch nicht geben.

Forscher der University of Georgia haben bereits vor einigen Jahren Kameras mit Bewegungsmeldern installiert und mehr als 11'000 Aufnahmen von den Tieren gemacht. Doch Auskünfte über den genauen Bestand können die Wissenschaftler dennoch nicht geben.

UGA/Peter Schlichting
Allerdings hofft das Team um James Beasley, dass dies künftig anders sein wird. So konnten sie auf den Fotos erkennen, dass die Wildpferde, die anders als Hauspferde nicht vom Menschen domestiziert wurden und keinerlei Stallhaltung kennen, gerne Unterschlüpfe aufsuchen.

Allerdings hofft das Team um James Beasley, dass dies künftig anders sein wird. So konnten sie auf den Fotos erkennen, dass die Wildpferde, die anders als Hauspferde nicht vom Menschen domestiziert wurden und keinerlei Stallhaltung kennen, gerne Unterschlüpfe aufsuchen.

UGA/Peter Schlichting

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17 Kommentare
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Bruderhaus

15.09.2020, 15:40

Sehr genauer Artikel! Es müsste heissen 12 Pferde in freier Wildbahn. Allein das Bruderhaus in Winterthur hat schon einige!

Love sience

15.09.2020, 13:02

Genial was alles möglich ist und noch möglich sein wird

Lina

14.09.2020, 23:38

Der ist so goldig 🤗..