Aktualisiert 10.12.2017 13:42

Porsche 718 Cayman GTS

Kurvenkunst in Perfektion

Porsche hat den 718 Cayman geschärft. Der neue GTS ist kaum stärker als das S-Modell, gefühlt aber noch kurvengieriger.

von
nve
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Den Porsche 718 Cayman wie auch den 718 Boxster gibt es jetzt in einer GTS-Version.

Den Porsche 718 Cayman wie auch den 718 Boxster gibt es jetzt in einer GTS-Version.

Porsche
365 PS sind zwar nur 15 PS mehr als beim S-Modell, entsprechen aber 35 Zusatz-PS gegenüber dem 6-Zylinder-Vorgänger.

365 PS sind zwar nur 15 PS mehr als beim S-Modell, entsprechen aber 35 Zusatz-PS gegenüber dem 6-Zylinder-Vorgänger.

Porsche
Zum Serienumfang zählen ein adaptives Fahrwerk, Torque Vectoring inklusive mechanischer Hin-terachsquersperre sowie eine Sportabgasanlage.

Zum Serienumfang zählen ein adaptives Fahrwerk, Torque Vectoring inklusive mechanischer Hin-terachsquersperre sowie eine Sportabgasanlage.

Porsche

Ach, nur vier Zylinder? Trotz GTS-Label? Nur 15 PS mehr als beim S-Modell? Noch nicht mal ein sechsstelliger Einstiegspreis? Und überhaupt, nicht die Zahl 911 am Heck? Bloss die bei den Mittel-motormodellen kürzlich eingeführte 718, um in Reminiszenz an einen historischen 4-Zylinder-Rennwagen über das Motorendownsizing hinwegzutrösten, he, he? Einfach lächeln, wenn Mehrbessere derartige Fragen stellen. Mehrbessere haben zu Hause vielleicht einen Lichtenstein an der Wand – doch was sagt das schon über ihr Kurvenkunstverständnis aus?

Der Porsche 718 Cayman GTS ist mit seiner modifizierten Front, den schwarzen Anbauteilen und mittigen Endrohren ein Bild von einem Coupé, schindet aber weniger als Stillleben denn bei der Rennstrecken-Performance Eindruck. Der durch Kunsteingriffe wie einem optimierten Turbolader auf 365 PS erstarkte 2,5-Liter-Boxer ist schon ab 1.900 Umdrehungen mit 430 Nm zur Stelle, während die gute Gewichtsverteilung, messerscharfe Lenkung und das Torque-Vectoring-System mit mechanischer Hinterachsquersperre jede Kurve zum Happening machen. Und nichts gegen Schaltknüppel-Handwerkskunst, aber das rasend schnelle Doppelkupplungsgetriebe findet auch ohne manuelle Eingriffe den richtigen Gang, erlaubt einen 0-auf-100-Sprint innert 4,1 statt 4,6 Sekunden und senkt erst noch den Spritverbrauch. Da sind 3'970 Franken gut investiert.

Lieber ein mehrbesserer 718er als ein gebrauchter 911er

Ob sich wiederum der 13'400-fränkige Aufpreis gegenüber dem S-Modell lohnt, ist trotz umfangreicherer Ausstattung eine philosophische Frage. Subjektiv haftet das Topmodell besser auf der Strasse, lenkt präziser ein, verzögert vehementer, schafft mehr Vertrauen. Und schliesslich ist das GTS-Label auch ein Statement: Vier statt sechs Töpfe hin oder her – lieber ein mehrbesserer 718er mit seinem ganz eigenen Mittelmotor-Stil als ein gebrauchter 911er. Wer einen möglichst weiten Bogen um die Schickeria macht, tut dies jedenfalls nicht aus fehlendem Selbstbewusstsein. Eher, weil es mit dem 1'405-Kilo-Coupé so viel Spass macht, Bögen zu fahren.

Porsche 718 Cayman GTS

Karosserie: 4,38 Meter langes, 2-sitziges Sportcoupé.

Antrieb: 2,5-Liter-4-Zylinder-Boxer mit 365 PS (269 kW) und 430 Nm.

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (optional).

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 4,1 Sekunden; 290 km/h Spitze.

Verbrauch: 8,2 L/100 km (Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 186 g CO2/km (Werksangabe).

Preis: Ab Fr. 93'100 (Basis-Cayman ab Fr. 64'400).

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:

«Gesteigerte Performance, sportlicher Klang und markantes Design.»

Wir sagen:

Das bringt es wohl auf den Punkt – wenngleich die Unterschiede zum S-Modell etwas feiner ausfallen als erwartet.

Das gefällt:

Die Illusion, auf Schienen zu fahren. Der 718 Cayman GTS klebt auch mit Heck- statt Allradantrieb förmlich auf dem Asphalt. Und selbst wenn das Hinterteil mal auszubrechen droht, fängt man es mit einer kleinen Lenkkorrektur sofort wieder ein.

Das eher weniger:

Im Prinzip spricht nichts gegen den neuen, turbogeladenen 4-Zylinder-Boxer. Er ist stärker als der 6-Zylinder-Saugmotor des Vorgängermodells, spricht direkter an und verbraucht weniger. Trotz serienmässiger Sportabgasanlage ist er jedoch akustisch – und somit auch, was die Emotionalität angeht – etwas im Nachteil.

Spannendes Detail:

Ambitionierte Rennstrecken-Ausflügler können die serienmässige Porsche Track Precision App zur automatischen Aufzeichnung, detaillierten Anzeige und Analyse von Fahrdaten auf dem Smartphone nutzen.

Wer fährt so was?

Porsche-Fans, die das besondere Fahrverhalten des Mittelmotor-Coupés schätzen und dessen Sportlichkeit noch etwas auf die Spitze getrieben haben wollen.

Alternativen dazu:

Schwierig, vergleichbare Mittelmotor-Coupés zu finden. Der Alfa Romeo 4C ist schwächer und puristischer, der McLaren 540C stärker und teurer. In einer ähnlichen PS-Liga spielen Frontmo-tor-Hecktriebler und -Allradler wie der BMW M2, Nissan 370 Z Nismo, Mercedes-AMG A45 und Audi TT RS.

Am Steuer:

Nina Vetterli-Treml, Mitarbeiterin der Textlab GmbH und Testexpertin in der SRF2-Autosendung «Tacho».

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