Atomkatastrophe Fukushima: Kurzbericht überzeugte Atombehörde
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Atomkatastrophe FukushimaKurzbericht überzeugte Atombehörde

Ein gerade Mal ein Seite langer Bericht überzeugte die japanische Atomsicherheitsbehörde, dass das AKW Fukushima vor einem Tsunami sicher sei. Tepco habe aber nicht sorgfältig genug auf Risikofaktoren geachtet.

Ein vor zehn Jahren verfasster, eine Seite langer Bericht hat die japanische Atomsicherheitsbehörde von der Sicherheit des AKW Fukushima-Daiichi bei einem möglichen Tsunami überzeugt. Die japanischen Behörden hatten Tepco, den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks, um eine Einschätzung der möglichen Auswirkungen des grösstmöglichen Tsunamis auf die Anlage gebeten. In der Antwort aus dem Jahr 2001 versicherte Tepco, dass die Reaktoren in Fukushima-Daiichi einer solchen Welle standhalten könne.

Laut dem Chef der Abteilung für Erdbebensicherheit in der Atomsicherheitsbehörde, Masaru Kobayashi, war das alles, was man dazu von Tepco bekommen habe. Die Einschätzungen des Betreibers seien auch nie überprüft worden. Die Nachrichtenagentur AP hatte Einsicht in die öffentlich verfügbaren Behördendaten genommen und das Schreiben dort gefunden.

Für den Nordosten Japans war Tepco von Beben der Stärke 8,0 bis 8,6 ausgegangen und entlang des Pazifiks - in der Nähe von Chile - von 9,6.

Wenig Sorgfalt bei den Risikofaktoren

«Es gab eine Haltung, die Natur nicht zu respektieren», sagt der emeritierte Professor der Universität von Kobe, Katsuhiko Ishibashi, der einst im beratenden Ausschuss der Regierung zur Atomsicherheit sass. Die turmhohen Wellen des von einem Erdbeben am 11. März ausgelösten Tsunamis hatten die Notfallgeneratoren für die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren zerstört, was zu einer Kernschmelze in drei Reaktoren und damit zur schlimmsten Atomkatastrophe seit Tschernobyl führte. Seit nun mehr als zwei Monaten versuchen Arbeiter die Anlage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Das Problem bei der Tsunami-Sicherheit der Atomanlage habe nicht am Mangel wissenschaftlicher Erkenntnisse im Jahr 2001 gelegen, sagte Ishibashi. Das Problem sei viel mehr gewesen, dass Tepco und die Aufsichtsbehörde nicht sorgfältiger auf die Risikofaktoren geschaut hätten.

Unterdessen besuchte am Freitag ein 18-köpfiges Expertenteam der internationale Atomenergiebehörde (IAEA) das havarierte Atomkraftwerk Fukushima. Die Gruppe habe die von dem Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami herrührenden Schäden inspiziert und äusserlich untersucht, teilte Tepco mit. Am Wochenende werden die UN-Mitarbeiter mit Vertretern in Tokio zusammentreffen. Kommenden Mittwoch wollen sie dann der japanischen Regierung einen Bericht vorlegen. (dapd)

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